Einen „Ketzer“ nannte ihn Augustinus und auch in der weiteren Geschichte des Christentums dürfte Tertullian als eigensinniger und rigoroser Zeitgenosse im Hinblick auf die Auslegung der biblischen Schriften erscheinen. Als vir ardens – so Hieronymus später – ließ er sich als Sohn eines römischen Hauptmannes um 90 nach Christus zum Christen taufen und verteidigte in mehreren Apologien mit kämpferischer Manier nicht nur seinen Glauben als die wahre Religion, sondern setzt sich gegen die anlautenden Vorwürfe der Heiden zur Wehr. Die formulierte Kritik bezog sich vor allem auf die vita Romana , die seiner Meinung nach unvereinbar mit den christlichen Geboten sowie Glaubensvorschriften sei.
Das dies nicht evident ist, könnte der Anlass und der Grund für die Abhandlung „De spectaculis“ sein: In dieser Polemik, die die Schauspiele in Rom aufs schärfste verurteilte, versucht er insbesondere Christen von demselben abzubringen, wobei er sich gegenüber heidnischen und christlichen Argumentationen zu beweisen versucht. Auf welche Weise Tertullian seine Haltung begründet und welchem Faden er in seinem Werk folgt, wird im Mittelpunkt dieser Arbeit stehen.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Grundzüge der tertullianischen Argumentation gegen die römischen Spiele
- Ausgangspunkt und Beweggründe Tertullians
- Die ludi als Bestandteil des Heidentums
- Die ludi im Hinblick auf die christliche Moral
- Appell an die wahre voluptas
- Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die Argumentation des Kirchenvaters Tertullian in seiner Abhandlung „De Spectaculis“ zu analysieren. Tertullian kritisiert in diesem Werk die römischen Spiele und versucht, Christen von deren Besuch abzuhalten.
- Die Heidentum-bezogene Kritik Tertullians an den römischen Spielen
- Die Verbindung der Spiele mit Götzendienst und kultischen Handlungen
- Die ethischen und moralischen Argumente gegen die Teilnahme an den Spielen
- Tertullians Sicht auf die christliche Lebensführung im Kontext der römischen Spiele
- Der Vergleich der christlichen Moral mit den Affekten, die bei den Spielen zum Ausdruck kommen
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung führt in das Werk „De Spectaculis“ von Tertullian ein und beschreibt den Kontext seiner Argumentation gegen die römischen Spiele.
Das zweite Kapitel untersucht die Argumentation Tertullians im Detail und analysiert seine Beweisführung gegen die Spiele. Er sieht in den Spielen einen Ausdruck des Heidentums und verknüpft sie mit kultischen Handlungen und Götzendienst.
Das dritte Kapitel befasst sich mit der ethischen und moralischen Dimension der Spiele aus Sicht des christlichen Glaubens. Tertullian argumentiert, dass die Spiele den christlichen Werten widersprechen, da sie Leidenschaften und Affekte fördern, die im Widerspruch zur christlichen Lebensführung stehen.
Schlüsselwörter
Tertullian, De Spectaculis, Römische Spiele, Heidentum, Götzendienst, christliche Moral, ethische Kritik, disciplina, voluptas.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das Hauptthema von Tertullians „De spectaculis“?
Tertullian kritisiert darin scharf die römischen Schauspiele und versucht Christen davon zu überzeugen, dass deren Besuch unvereinbar mit ihrem Glauben sei.
Warum lehnte Tertullian die römischen Spiele ab?
Er betrachtete die „ludi“ als Bestandteil des Heidentums, der untrennbar mit Götzendienst und unmoralischen Affekten verbunden war.
Wie argumentiert Tertullian in Bezug auf die christliche Moral?
Er behauptet, dass die bei den Spielen erzeugten Leidenschaften und die Grausamkeit der christlichen „disciplina“ und dem Gebot der Sanftmut widersprechen.
Was versteht Tertullian unter der „wahren voluptas“?
Anstelle der flüchtigen und sündhaften Lust der Spiele stellt er die geistige Freude und den Frieden des christlichen Lebens als die wahre Lust („voluptas“) dar.
Wer war Tertullian historisch gesehen?
Tertullian (ca. 160–220 n. Chr.) war ein früher christlicher Schriftsteller und Apologet aus Karthago, bekannt für seinen rigorosen und kämpferischen Stil.
- Citar trabajo
- Markus Hofbauer (Autor), 2013, Die Argumentation gegen die Vita Romana in Tertullians Polemik "De spectaculis", Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/340108