Die Freiheit der Teilnehmer einer Sportliga steht vor dem Hintergrund der
Zentralvermarktung im Zentrum der folgenden Betrachtungen. Relative Freiheit,
welche im Gegensatz zu absoluter Freiheit lediglich die „‘unangemessene’ [...]
Beschränkung des Handlungsspielraums bzw. der Wahlmöglichkeiten von Wirtschaftssubjekten
[...] als Freiheitsbeschränkungen bezeichnet“1, ist wiederum der
zentrale Punkt der wettbewerbspolitischen Analyse im Rahmen des systemtheoretischen
Ansatzes2, der dieser Arbeit zu Grunde gelegt wird.
Beim systemtheoretischen Ansatz handelt es sich um einen nichtdeterministischen
Ansatz, der Wettbewerbsfreiheit als Voraussetzung für Marktprozesse ansieht, die zu
besseren ökonomischen Ergebnissen führen als jene bei Existenz von Wettbewerbsbeschränkungen.
3 Um Vergleichbarkeit herzustellen, werden als Referenzsituation
wettbewerbliche Marktprozesse herangezogen, wobei zunächst die Wettbewerbsbeschränkungen
klar definiert und identifiziert werden müssen.
Das entsprechende Gegenstück des systemtheoretischen Ansatzes ist der wohlfahrtsökonomische
Ansatz, der nicht auf bessere ökonomische Ergebnisse abzielt,
sondern eindeutige Struktur-Verhalten-Ergebnis-Konstellationen unterstellt. Dieser
Ansatz, wohlfahrtsökonomische Optima zu prognostizieren, wird systemtheoretisch
abgelehnt und die Praktikabilität des systemtheoretischen Ansatzes insofern verbessert,
indem das Anspruchsniveau bei diesem durch das Begnügen auf „bessere
ökonomische Ergebnisse“ und die Vermeidung von Einzelfallbetrachtungen gesenkt
wird.4 Problematisch ist beim systemtheoretischen Ansatz die bereits erwähnte
Definition und Identifikation der Wettbewerbsbeschränkungen.
1 Herdzina, K. (1999), S. 13.
2 Vgl. Herdzina, K. (1999), S. 108f.
3 Vgl. Herdzina, K. (1999), S. 109.
4 Vgl. Herdzina, K. (1999), S. 113.
Inhaltsverzeichnis
- EINLEITUNG
- ZENTRALVERMARKTUNG VON SPORTLIGEN
- FUBBALL-BUNDESLIGA
- FORMEL 1-WELTMEISTERSCHAFT
- WETTBEWERBSPOLITISCHE BETRACHTUNG
- ALLGEMEINES
- Veranstalterbegriff
- Bereichsfreistellung des Sports
- FUBBALL-BUNDESLIGA
- Monopolstellung der DFL
- Zentralvermarktung als Marktzutrittschranke
- Alternative Vermaktungsmöglichkeiten
- FORMEL 1-WELTMEISTERSCHAFT
- Wettbewerbsgefährdende Marktstruktur
- Behinderungspraktiken und Freiheitsbeschränkungen
- Lösung und Bewertung
- FAZIT
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Seminararbeit befasst sich mit der Zentralvermarktung von Sportligen und deren Auswirkungen auf den Wettbewerb. Der Fokus liegt dabei auf den sportökonomischen Besonderheiten und der kartellrechtlichen Betrachtungsweise dieser Thematik.
- Analyse der Zentralvermarktung in Bezug auf Wettbewerbsfreiheit und Freiheitsbeschränkungen.
- Untersuchung der Auswirkungen der Zentralvermarktung auf die Marktstruktur und den Wettbewerb.
- Bewertung der kartellrechtlichen Aspekte der Zentralvermarktung in Bezug auf nationale und EU-Recht.
- Veranschaulichung der Problematik anhand der Beispiele Fußball-Bundesliga und Formel 1-Weltmeisterschaft.
- Diskussion der Auswirkungen der Machtkonzentration des zentralvermarktenden Organs in der Formel 1.
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung führt in das Thema ein und erläutert die Bedeutung des systemtheoretischen Ansatzes in der wettbewerbspolitischen Analyse.
Kapitel 2 befasst sich mit der Zentralvermarktung von Sportligen und erläutert die Besonderheiten des Sportmarktes. Es werden die Vermarktungsstrukturen der Fußball-Bundesliga und der Formel 1-Weltmeisterschaft vorgestellt.
Kapitel 3 widmet sich der wettbewerbspolitischen Betrachtung der Zentralvermarktung. Es werden die kartellrechtlichen Probleme, die Marktzutrittschranken und die Auswirkungen auf den Wettbewerb untersucht.
Schlüsselwörter
Zentralvermarktung, Sportligen, Wettbewerbsfreiheit, Freiheitsbeschränkungen, kartellrechtliche Betrachtung, Marktstruktur, Marktzutritt, Monopolstellung, Machtkonzentration, Fußball-Bundesliga, Formel 1-Weltmeisterschaft.
Häufig gestellte Fragen
Was versteht man unter Zentralvermarktung im Sport?
Zentralvermarktung bedeutet, dass eine Liga (z.B. die DFL) die Medienrechte für alle Vereine gemeinsam verkauft, anstatt dass jeder Verein seine Rechte individuell vermarktet.
Warum ist die Zentralvermarktung kartellrechtlich problematisch?
Sie kann als wettbewerbsbeschränkende Absprache angesehen werden, da sie den Preiswettbewerb zwischen den Vereinen ausschaltet und eine Monopolstellung des Vermarkters schafft.
Welche Rolle spielt die DFL bei der Fußball-Bundesliga?
Die DFL fungiert als zentrales Organ, das die Fernsehrechte bündelt und verkauft, was einerseits für finanzielle Solidarität sorgt, andererseits aber Marktzutrittsschranken für alternative Anbieter schaffen kann.
Gibt es Unterschiede zwischen der Bundesliga und der Formel 1?
Ja, in der Formel 1 ist die Machtkonzentration oft noch stärker bei einem zentralen kommerziellen Rechteinhaber angesiedelt, was zu spezifischen Behinderungspraktiken im Wettbewerb führen kann.
Was ist der systemtheoretische Ansatz im Wettbewerb?
Dieser Ansatz betrachtet Wettbewerbsfreiheit als Voraussetzung für Marktprozesse und lehnt starre wohlfahrtsökonomische Prognosen ab, um flexiblere ökonomische Ergebnisse zu ermöglichen.
- Arbeit zitieren
- Nicolaus Pham (Autor:in), 2004, Wettbewerbsprobleme bei der Zentralvermarktung von Sportligen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/29207