1. Einleitung
Erving Goffman schreibt in seinem Buch „Stigma“ über die Situation des Individuums, das von vollständiger sozialer Akzeptierung ausgeschlossen ist. Dabei wird unter einem Stigma eine besondere Andersartigkeit verstanden, sei sie körperlich, seelisch oder erblich bedingt.
Goffman untersuchte dabei verschiedene Personengruppen, die Stigmatisierte akzeptieren, z.B. solche, die selber stigmatisiert sind oder solche, die mit dem Stigmatisierten zusammenleben oder zusammen arbeiten.
Dabei stellt sich die Frage, inwiefern bei in eine Klinik eingewiesenen psychisch Kranken eine Stigmatisierung dieser durch das Krankenhauspersonal und durch andere psychisch Kranke erfolgt. [...]
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Stigma
- Asyle. Die moralische Karriere des Geisteskranken
- Beantwortung der Fragestellung
- Kritik am Begriff des Weisen
- Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit dem Phänomen der Stigmatisierung psychisch Kranker, basierend auf Erving Goffmans Werk "Stigma". Ziel ist es, die Mechanismen der Stigmatisierung im Kontext psychiatrischer Einrichtungen zu analysieren und die Rolle des Krankenhauspersonals und anderer psychisch Kranker in diesem Prozess zu beleuchten.
- Goffmans Definition von Stigma und seine Unterscheidung zwischen virtueller und aktueller sozialer Identität
- Die Rolle von „Diskreditierten“ und „Diskreditierbaren“ im Kontext der Stigmatisierung
- Die Auswirkungen von Stigma auf die Reziprozität sozialer Interaktionen
- Die Kategorien „Seinesgleichen“ und „Weise“ im Umgang mit Stigmatisierten
- Die unterschiedlichen Rollen des Krankenhauspersonals und anderer psychisch Kranker in der Stigmatisierung
Zusammenfassung der Kapitel
- Einleitung: Die Einleitung stellt Goffmans Werk "Stigma" vor und skizziert die zentrale Frage, inwieweit die Stigmatisierung psychisch Kranker in psychiatrischen Einrichtungen durch das Krankenhauspersonal und andere psychisch Kranke geschieht.
- Stigma: Dieses Kapitel erläutert Goffmans Definition von Stigma und die verschiedenen Arten der Stigmatisierung, die von physischen Deformationen bis hin zu psychischen Erkrankungen reichen. Es beleuchtet die Mechanismen der Zuschreibung negativer Attribute und die Unterscheidung zwischen virtueller und aktueller sozialer Identität.
- Asyle. Die moralische Karriere des Geisteskranken: Dieses Kapitel untersucht die besonderen Herausforderungen für psychisch Kranke in psychiatrischen Einrichtungen, die durch den Umgang des Personals und anderer Patienten geprägt sind. Es beleuchtet die Rolle von „Seinesgleichen“ und „Weisen“ in diesem Kontext.
Schlüsselwörter
Die vorliegende Arbeit fokussiert auf die Themen Stigmatisierung, psychische Krankheit, soziale Identität, Goffman, Reziprozität, „Diskreditierte“, „Diskreditierbare“, „Seinesgleichen“, „Weise“, psychiatrische Einrichtungen, Krankenhauspersonal, soziale Akzeptanz, Interaktionen.
Häufig gestellte Fragen
Was versteht Erving Goffman unter einem „Stigma“?
Ein Stigma ist eine Eigenschaft oder Andersartigkeit (körperlich, seelisch oder erblich), die dazu führt, dass ein Individuum von vollständiger sozialer Akzeptanz ausgeschlossen wird.
Was ist der Unterschied zwischen virtueller und aktueller Identität?
Die virtuelle Identität ist das Bild, das andere von einer Person aufgrund von Stereotypen haben, während die aktuelle Identität die tatsächlichen Eigenschaften der Person umfasst.
Wer sind die „Weisen“ in Goffmans Theorie?
„Weise“ sind Personen, die selbst nicht stigmatisiert sind, aber aufgrund ihrer Nähe zu Stigmatisierten (z. B. Klinikpersonal) deren Situation verstehen und sie akzeptieren.
Wie stigmatisiert Krankenhauspersonal psychisch Kranke?
Die Arbeit untersucht, wie durch institutionelle Abläufe und Etikettierung die „moralische Karriere“ des Geisteskranken negativ beeinflusst wird.
Was bedeutet der Begriff „Diskreditierbar“?
Diskreditierbare Personen besitzen ein Stigma, das nicht sofort sichtbar ist, und müssen ständig entscheiden, ob sie dieses verbergen oder offenbaren.
- Arbeit zitieren
- Dr. Monique Zimmermann-Stenzel (Autor:in), 1997, Stigmatisierung psychisch Kranker, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/23071