Grin logo
de en es fr
Boutique
GRIN Website
Publier des textes, profitez du service complet
Aller à la page d’accueil de la boutique › Didactique de l'Allemand - L'allemand en tant que langue étrangère

Die Menschen Gebärden sich wie Fahnen

Zu gesellschaftspolitischen und familiären Ansichten in Arno Schmidts „Aus dem Leben eines Fauns“

Titre: Die Menschen Gebärden sich wie Fahnen

Dossier / Travail , 2009 , 24 Pages , Note: 1,7

Autor:in: Marco Schindler (Auteur)

Didactique de l'Allemand - L'allemand en tant que langue étrangère
Extrait & Résumé des informations   Lire l'ebook
Résumé Extrait Résumé des informations

„Schließlich sollten die Entscheidungen über Krieg und Rassenpolitik, die beiden zentralen Dimensionen der nationalsozialistischen Politik, auf Hitlers weltanschaulichen Willen zurückgehen.“ (Bundeszentrale für politische Bildung 2009). Wenn ein Diktator das Volk soweit manipuliert, dass dieses nahezu willenlos folgt, stellt sich die Frage nach dem Vorgehen. Mit perfiden Gedankenspielen zur Rassenlehre und Umdeutungen von Naturgesetzen versprach er den Bürgern, die vom Ausgang des Ersten Weltkrieges gezeichnet waren, eine höhere Lebensqualität, da sie zur überlegenen Rasse gehören. Die leicht verständlichen und darüber hinaus verheißungsvollen Botschaften boten der rechtsextremistischen Ideologie Vorschub, ihren Anhängern eine glorreiche Perspektive. In der Erzählung „Aus dem Leben eines Fauns“ wird diese Thematik zwar indirekt angesprochen, die politischen Hintergründe bleiben jedoch weitestgehend unberücksichtigt. Beim erstmaligen Kontakt mit der Erzählung wirkt der Inhalt, begründet mit der atypischen Erzählstruktur und unzähligen intertextuellen Bezügen, suspekt. Und doch wird bei näherer Betrachtung die gesellschaftspolitische Kritik speziell an der Bevölkerung transparent. Innerhalb dieser Ausarbeitung werden zwei Systeme der Erzählung analysiert. Zum einen wird die Einstellung des Ich-Erzählers zur Gesellschaft im Allgemeinen begutachtet. Die Frage, welche Mitschuld jeder Einzelne an der Entwicklung hin zum Krieg trägt, soll dabei in den Fokus rücken (vgl. u. a. Simon 2006; Reemtsma 2004). Zum anderen wird die Familie des Protagonisten näher charakterisiert. In einer politisch schwierigen Zeit kann der Leser a priori davon ausgehen, dass die Familie als Rückzugsort dient, an dem jedes Mitglied Nähe und Geborgenheit genießt. Aus welchen Gründen Familie Düring diesem Ideal nicht entspricht, wird kritisch hinterfragt werden (vgl. Elhardt 1984). Wie auch das Killy Literatur-Lexikon belegt, repräsentiert der Erzähler im „Faun“ ein doppelmoralisches Leben, zwischen Ablehnung des Regimes und Ausführung von Befehlen (vgl. Killy 1991, S. 307). Speziell die Art, wie der Autor Arno Schmidt das Geschehene reflektiert, nämlich aufklärerisch expressionistisch und darüber hinaus inhaltlich treffend, spricht für eine gelungene Erzählung, der es gelingt, die Opfer- und die Täterrolle nicht zu vermengen. Ist der Krieg ausgebrochen, fragen die Bomben nicht nach Tätern, sondern belegen schonungslos die Konsequenzen für die Bevölkerung.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1 Thematische Einführung

2 „Das ganze Volk ist ergriffen vom Orden- und Abzeichenfimmel“

2.1 Perspektiven der Gesellschaft im Vorfeld zum 2. Weltkrieg

2.2 Politisches und gesellschaftliches Verhalten des „Fauns“ vor Kriegsbeginn

2.3 Familiäre Situation des „Fauns“ vor Kriegsbeginn

3 „Wir liefen leicht und schleifend hinter unsern Gliedern her“

3.1 Politisches und gesellschaftliches Verhalten des „Fauns“ im Krieg

3.2 Familiäre Situation des „Fauns“ im Krieg

4 Abschließende Betrachtungen

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit analysiert die gesellschaftspolitische Haltung sowie die familiäre Situation des Protagonisten Heinrich Düring in Arno Schmidts Erzählung „Aus dem Leben eines Fauns“. Dabei wird insbesondere untersucht, wie der Ich-Erzähler durch eine Strategie der inneren Emigration und ironische Distanzierung auf den wachsenden Rechtsextremismus und den Kriegsbeginn reagiert und inwiefern sich diese Haltung auf seine privaten Beziehungen auswirkt.

  • Analyse des gesellschaftlichen Verhaltens des Protagonisten im Kontext des Nationalsozialismus
  • Untersuchung der familiären Entfremdung und der Rolle des Eheverhältnisses
  • Reflektion der Bedeutung der Figur Käthe Evers als Gegenwelt
  • Untersuchung der narrativen Darstellung von Krieg und Gewalt
  • Analyse der ironischen Distanzierung als Überlebensstrategie des Einzelnen

Auszug aus dem Buch

Politisches und gesellschaftliches Verhalten des „Fauns“ vor Kriegsbeginn

„Auf die Sterne soll man nicht mit Fingern zeigen; in den Schnee nicht schreiben; beim Donner die Erde berühren: also spitzte ich eine Hand nach oben, splitterte mit umsponnenem Finger das <K> in den Silberschorf neben mir, (Gewitter fand gerade keins statt […].“ (Schmidt 2005, S. 9). Mit diesen Worten beginnt die Erzählung um Heinrich Düring, die bereits in der ersten Sequenz verdeutlicht, dass eine grundsätzliche Abneigung gegen genormtes und unreflektiertes Verhalten seiner Mitmenschen existiert. „Seine Auseinandersetzung mit Gesellschaft, Politik und Geschichte ist durch die Perspektive des strikten Einzelgängers bestimmt.“ (Strick 1999, S. 269). Ganz bewusst wählt der Ich Erzähler den Part des Widerständlers, wenn es um Anpassung und Eingliederung in die Gesellschaft im Februar 1939 geht. Zu dieser Zeit, ca. ein halbes Jahr bevor der Zweite Weltkrieg offiziell erklärt wurde, ist ein solches Verhalten durchaus ungewöhnlich. Kritiker des Regimes wurden gnadenlos aussortiert, was die politische Macht der NSDAP unterstreicht. Daher beinhaltet die ablehnende Grundstimmung Dürings eine zweigleisige Strategie. Auf der einen Seite steht es für ihn außer Frage, dass der Rechtsextremismus keine politische Alternative darstellt. Anhänger dieser Ideologie werden während der gesamten Erzählung, teilweise ironisch, kritisiert. Andererseits, zur Erhaltung des eigenen Individuums, erledigt Düring seine Arbeit als Amtsrat pflichtbewusst, wenn auch ohne besonderen Eifer. „Ein anständiger Mensch schämt sich, Vorgesetzter zu sein!“ (Schmidt 2005, S. 15). Das zweigleisige Vorgehen Dürings wird innerhalb dieser Aussage transparent und belegt zudem, dass er das Streben nach Macht grundsätzlich ablehnt.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Thematische Einführung: Die Einleitung verortet das Werk im historischen Kontext des Nationalsozialismus und stellt die Analyseziele bezüglich Dürings gesellschaftspolitischer Haltung und familiärer Situation vor.

2 „Das ganze Volk ist ergriffen vom Orden- und Abzeichenfimmel“: Dieses Kapitel untersucht die gesellschaftliche Stimmung vor dem Zweiten Weltkrieg und analysiert, wie der Protagonist durch Ironie und innere Emigration eine Distanz zum NS-Regime aufbaut.

2.1 Perspektiven der Gesellschaft im Vorfeld zum 2. Weltkrieg: Hier wird der historische Hintergrund der Radikalisierung und die Manipulierbarkeit der Bevölkerung in der ausklingenden Weimarer Republik dargelegt.

2.2 Politisches und gesellschaftliches Verhalten des „Fauns“ vor Kriegsbeginn: Der Abschnitt beleuchtet Dürings Rolle als Außenseiter und Kritiker des Regimes, der sich trotz persönlicher Distanzierung im beruflichen Umfeld anpassen muss.

2.3 Familiäre Situation des „Fauns“ vor Kriegsbeginn: Es wird die Entfremdung von seiner Familie analysiert, die im Kontrast zu der aufblühenden, als Gegenwelt empfundenen Beziehung zur jungen Käthe Evers steht.

3 „Wir liefen leicht und schleifend hinter unsern Gliedern her“: Dieses Kapitel behandelt das Verhalten des Protagonisten während des laufenden Krieges und analysiert die veränderte, destruktive Umgebung.

3.1 Politisches und gesellschaftliches Verhalten des „Fauns“ im Krieg: Hierbei wird die Zuspitzung der Kriegssituation und Dürings emotionslose, distanzierte Beobachtung der Katastrophe bei Bombenangriffen geschildert.

3.2 Familiäre Situation des „Fauns“ im Krieg: Das Kapitel dokumentiert das endgültige Scheitern der Ehe, den Tod des Sohnes und die Intensivierung der Beziehung zu Käthe als einzige Zuflucht.

4 Abschließende Betrachtungen: Das Fazit resümiert die Unmöglichkeit, sich der gesellschaftlichen Dynamik vollständig zu entziehen, und deutet das Werk als einen Hilfeschrei gegen blinden Gehorsam und Machtstreben.

Schlüsselwörter

Arno Schmidt, Aus dem Leben eines Fauns, Nationalsozialismus, Innere Emigration, Gesellschaftskritik, Heinrich Düring, Zweiter Weltkrieg, Familie, Außenseiter, Propaganda, Identität, Käthe Evers, Machtanspruch, Ironie, Widerstand

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Werk „Aus dem Leben eines Fauns“ von Arno Schmidt mit Fokus auf die gesellschaftspolitische Haltung und die private Lebenssituation des Protagonisten Heinrich Düring während der NS-Zeit.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind der politische Widerstand durch innere Emigration, die psychologische Distanzierung vom gesellschaftlichen Massenwahn und die familiäre Entfremdung.

Was ist das primäre Ziel der Analyse?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie der Protagonist versucht, seine geistige Unabhängigkeit und Moral in einem totalitären System zu bewahren, ohne dabei aktiv in den politischen Widerstand zu treten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die den Roman im historischen Kontext betrachtet und durch die Einbeziehung von Sekundärliteratur zu Schmidts Werk gestützt wird.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Phasen vor und während des Krieges, wobei jeweils die politische Einstellung Dürings und seine familiäre Situation detailliert analysiert werden.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Innere Emigration, Totalitarismus, Entfremdung, Distanzierung und die Rolle der Individuums im Massenkontext.

Wie geht die Arbeit mit der Rolle der Ehefrau von Düring um?

Die Arbeit arbeitet die tiefe emotionale und sexuelle Entfremdung zwischen den Ehepartnern heraus, die durch gegenseitige Vorwürfe und die ideologische Inkompatibilität geprägt ist.

Warum spielt die Figur Käthe Evers eine so zentrale Rolle?

Käthe Evers symbolisiert für den Protagonisten eine notwendige Gegenwelt, Reinheit und Lebensfreude, die einen Gegenpol zur düsteren, von Ideologie durchdrungenen Realität bildet.

Wie reagiert der Protagonist auf den Tod seines Sohnes?

Bemerkenswerterweise reagiert Düring emotionslos und distanziert, da er den Sohn aufgrund dessen ideologischer Verblendung als Teil des Systems betrachtet, das er ablehnt.

Fin de l'extrait de 24 pages  - haut de page

Résumé des informations

Titre
Die Menschen Gebärden sich wie Fahnen
Sous-titre
Zu gesellschaftspolitischen und familiären Ansichten in Arno Schmidts „Aus dem Leben eines Fauns“
Université
Carl von Ossietzky University of Oldenburg
Cours
Motivgeschichte konkret
Note
1,7
Auteur
Marco Schindler (Auteur)
Année de publication
2009
Pages
24
N° de catalogue
V142073
ISBN (ebook)
9783640498642
ISBN (Livre)
9783640498468
Langue
allemand
mots-clé
Arno Schmidt 3. Reich Gesellschaftskritik Faun
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Marco Schindler (Auteur), 2009, Die Menschen Gebärden sich wie Fahnen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/142073
Lire l'ebook
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
Extrait de  24  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Expédition
  • Contact
  • Prot. des données
  • CGV
  • Imprint