Auch in der heutigen Gesellschaft Frankreichs existieren noch viele Tabus in den unterschiedlichsten Bereichen, die von den meisten Mitgliedern der Gemeinschaft respektiert werden. Tabuisiert werden insbesondere Bereiche, deren „unverblümtes Aussprechen obszön, verletzend oder erniedrigend auf den Mitmenschen wirkt“.
Zur Umgehung von Tabus kommt den Euphemismen eine wichtige Rolle zu. Diese beschönigenden Ausdrücke werden zur Umschreibung anstößiger oder unangenehmer Gegenstände oder Sachverhalte verwendet und ermöglichen somit die Kommunikation über tabuisierte Themen.
Einen sehr großen Tabubereich stellt der sexuelle Bereich dar. Zwar nimmt das Thema Sexualität einen breiten Raum in allen Medien ein, jedoch wird dieses Thema sprachlich zum großen Teil noch verhüllt. Darauf weisen u. a. die vielen Euphemismen hin, die den Bereich der Sexualität betreffen.
Vor diesem Hintergrund soll in dieser schriftlichen Arbeit, nach der Abhandlung des theoretischen Hintergrundes, jeweils eine französische Frauen- und Männerzeitschrift auf die Verwendung von Euphemismen im Bereich der Sexualität untersucht werden.
Es soll analysiert werden, ob und wenn ja welche Euphemismen zur Darstellung und Beschreibung von Körperlichkeiten, Körperteilen und sexuellen Handlungen verwendet werden, um damit Rückschlüsse auf den Grad der Tabuisierung dieses Themas ziehen zu können. Es soll also eine Aussage darüber gemacht werden, ob bzw. inwieweit eine Enttabuisierung in diesem Bereich stattgefunden hat. Des Weiteren sollen die sprachlichen Verfahren der Euphemismenbildung, an den praktischen Beispielen angewendet werden.
Im Anschluss daran soll ein Vergleich zwischen der analysierten Frauen- und Männerzeitschrift im Hinblick auf den Gebrauch von Euphemismen gezogen werden. Leitfragen, die bei diesem Vergleich von Interesse sein könnten, sind: Gibt es in Quantität und Qualität geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Verwendung von Euphemismen im sexuellen Bereich? D.h. es soll zum einen untersucht werden, ob Frauen häufiger Euphemismen verwenden als Männer oder umgekehrt, und zum anderen, ob Frauen andere Euphemismen als Männer benutzen. Es soll auch eine Aussage darüber gemacht werden, ob der Bereich der Sexualität für ein bestimmtes Geschlecht ein größeres Tabuthema darstellt als für das andere. Nach Untersuchung dieser Fragestellungen soll auch geklärt werden, woraus eventuelle Unterschiede beim Euphemismengebrauch von Männern und Frauen zurückzuführen sind.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Tabu
3. Euphemismus
3.1 Definition des Begriffes
3.2 Funktionen von Euphemismen
3.2.1 Funktion des Verhüllens
3.2.2 Funktion des Verschleierns
3.3 Bildungsweisen von Euphemismen
3.3.1 Metapherneuphemismus
3.3.2 Litotes
3.3.3 Aspektbetonung
3.3.4 Verallgemeinerung
3.3.5 Leerformeln
3.3.6 Fremdwörter
3.3.7 Auslassungen
3.3.8 Abkürzungen
3.3.9 Lautliche Veränderungen
3.3.10 Striche und Pünktchen
3.3.11 Nulleuphemismen
3.3.12 Kennzeichnung
3.4 Langue- und Parole-Euphemismen
3.4.1 Parole Euphemismen
3.4.2 Langue-Euphemismen
4. Dysphemismus
5. Vorstellung der untersuchten Zeitschriften
5.1 Frauenzeitschriften
5.1.1 Bien dans ma vie
5.2 Männerzeitschriften
5.2.1 Men’s Health
6. Darstellung der Methoden der Untersuchung
6.1 Kritische Betrachtung der verwendeten Methoden
7. Analyse der Verwendung von Euphemismen bei der sprachlichen Darstellung von Sexualität in den Zeitschriften
7.1 Frauenzeitschriften
7.1.1 Bien dans ma vie
7.1.2 Schlussfolgerungen
7.2 Männerzeitschriften
7.2.1 Men’s Health
7.2.2 Schlussfolgerungen
8. Vergleich der Frauen- und Männerzeitschrift bei der Verwendung von Euphemismen
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Verwendung von Euphemismen zur sprachlichen Darstellung von Sexualität in französischen Frauen- und Männerzeitschriften, um Rückschlüsse auf den Grad der gesellschaftlichen Tabuisierung zu ziehen und geschlechtsspezifische Unterschiede im Sprachgebrauch aufzudecken.
- Analyse von Euphemismen in ausgewählten französischen Zeitschriften (Bien dans ma vie, Men’s Health).
- Untersuchung der sprachlichen Bildungsweisen von Euphemismen.
- Gegenüberstellung des Euphemismengebrauchs zwischen Frauen und Männern.
- Identifikation von geschlechtsspezifischen Tabus und Enttabuisierungstendenzen.
- Kritische Bewertung der verwendeten linguistischen Untersuchungsmethoden.
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Auch in der heutigen Gesellschaft Frankreichs existieren noch viele Tabus in den unterschiedlichsten Bereichen, die von den meisten Mitgliedern der Gemeinschaft respektiert werden. Tabuisiert werden insbesondere Bereiche, deren „unverblümtes Aussprechen obszön, verletzend oder erniedrigend auf den Mitmenschen wirkt“.1
Zur Umgehung von Tabus kommt den Euphemismen eine wichtige Rolle zu. „Wo Euphemismen sind, müssen auch Tabus sein und umgekehrt. Euphemismen sind die andere Seite der Tabu-Medaille.“2 Euphemismen können also als sprachliche Reaktionen auf gesellschaftlich geltende Tabus angesehen werden und stellen damit auch eine gesellschaftliche Erscheinung dar. Diese beschönigenden Ausdrücke werden zur Umschreibung anstößiger oder unangenehmer Gegenstände oder Sachverhalte verwendet und ermöglichen somit die Kommunikation über tabuisierte Themen.
Einen sehr großen Tabubereich stellt nach wie vor der sexuelle Bereich dar. Zwar nimmt das Thema Sexualität einen breiten Raum in allen Medien (Fernsehen, Zeitschriften, Zeitungen, etc.) ein, wodurch man annehmen könnte, dass in den letzten Jahrzehnten in diesem Bereich eine gewisse Enttabuisierung stattgefunden hat, jedoch wird dieses Thema sprachlich zum großen Teil noch verhüllt. Darauf weisen u. a. die vielen Euphemismen hin, die den Bereich der Sexualität betreffen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Tabus und Euphemismen im sexuellen Bereich sowie Definition der Forschungsfrage und Zielsetzung.
2. Tabu: Definition des Tabubegriffs, Differenzierung verschiedener Tabutypen und Erläuterung der Bedeutung von Tabuwörtern.
3. Euphemismus: Eingehende Definition des Begriffs, Beschreibung der Hauptfunktionen sowie systematische Darstellung der verschiedenen Bildungsweisen und Unterscheidung zwischen Langue- und Parole-Euphemismen.
4. Dysphemismus: Definition des Begriffs Dysphemismus als Gegenpol zum Euphemismus und Erläuterung seiner abwertenden Funktion.
5. Vorstellung der untersuchten Zeitschriften: Kurze Charakterisierung der Frauenzeitschrift „Bien dans ma vie“ und der Männerzeitschrift „Men’s Health“ hinsichtlich Zielgruppe und inhaltlichem Fokus.
6. Darstellung der Methoden der Untersuchung: Erläuterung des methodischen Vorgehens bei der linguistischen Analyse und kritische Reflexion der Vorgehensweise.
7. Analyse der Verwendung von Euphemismen bei der sprachlichen Darstellung von Sexualität in den Zeitschriften: Detaillierte Auswertung des Untersuchungsmaterials, getrennt nach Frauen- und Männerzeitschriften, inklusive der jeweiligen Schlussfolgerungen.
8. Vergleich der Frauen- und Männerzeitschrift bei der Verwendung von Euphemismen: Synthese der Einzelergebnisse und Diskussion geschlechtsspezifischer Unterschiede im Euphemismengebrauch.
Schlüsselwörter
Euphemismus, Tabu, Sexualität, Sprachwissenschaft, Französische Zeitschriften, Frauenzeitschrift, Männerzeitschrift, Sprachliche Bildung, Verhüllung, Verschleierung, Dysphemismus, Enttabuisierung, Sprachgebrauch, Linguistik, Genderaspekte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, wie in französischen Frauen- und Männerzeitschriften über Sexualität kommuniziert wird, wobei der Fokus auf dem Einsatz von Euphemismen liegt, um Tabuthemen sprachlich zu verhüllen.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die linguistische Analyse von Euphemismen, das Konzept des Tabus, der Vergleich zwischen Frauen- und Männersprache sowie die Art und Weise, wie Medien mit sexuellen Sachverhalten umgehen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, festzustellen, ob und in welchem Ausmaß Frauen und Männer unterschiedliche Euphemismen verwenden, und ob sich daraus Rückschlüsse auf den Grad der Enttabuisierung von Sexualität ziehen lassen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine linguistische Inhaltsanalyse von spezifischen Zeitschriftenartikeln durchgeführt, bei der euphemistische Ausdrücke identifiziert, kategorisiert und nach ihrer Bildungsweise sowie ihrer euphemistischen Wirkung ausgewertet werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst theoretische Grundlagen zum Tabu und Euphemismus, eine Vorstellung der untersuchten Medien, die konkrete linguistische Analyse der Zeitschriftenbeiträge sowie einen vergleichenden Teil.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Wesentliche Begriffe sind Euphemismus, Tabu, Sexualität, Sprachgebrauch, Frauen- und Männerzeitschriften sowie linguistische Untersuchung.
Gibt es einen markanten Unterschied zwischen den untersuchten Zeitschriften?
Ja, die Analyse ergab, dass in Frauenzeitschriften Sexualität deutlich häufiger durch Euphemismen verhüllt wird als in Männerzeitschriften, wo eher eine direkte, teils gar dysphemistische Ausdrucksweise bevorzugt wird.
Welche Rolle spielt das Geschlecht des Sprechers für die Euphemisierung?
Die Arbeit bestätigt, dass der Euphemismengebrauch stark von der Zielgruppe und dem sozialen Kontext abhängt; Frauen scheinen in der Kommunikation unter Frauen sensibler mit expliziten Ausdrücken umzugehen, während Männer in ihrer Zeitschrift direkter agieren.
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- Alice Sievers (Autor), 2005, Euphemismen bei der sprachlichen Darstellung von Sexualität in französischen Frauen- und Männerzeitschriften, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/127455