Diese Seminararbeit aus dem Fachbereich der neueren Geschichte gibt eine gute Einführung in die Methoden der Demographie anhand des Beispiels der innerehelichen Fruchtbarkeit im Westeuropa des 18. Jahrhunderts.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung: Der Zusammenhang zwischen Heiratsalter und innerehelicher Fruchtbarkeit im Westeuropa des 18. Jahrhunderts
2. Allgemeine Darstellung
2.1. Faktoren, von denen das Heiratsalter abhängig ist
2.2. Faktoren, die die innereheliche Fruchtbarkeit beeinflussen
3. Heiratsalter und eheliche Fruchtbarkeit in Nord- und Südwestfrankreich im 18. Jahrhundert
4. Schlußfolgerung: Einfluß des Heiratsalters auf die innereheliche Fruchtbarkeit
Zielsetzung und thematische Einordnung
Die vorliegende Arbeit untersucht den komplexen Zusammenhang zwischen dem Heiratsalter und der innerehelichen Fruchtbarkeit im Westeuropa des 18. Jahrhunderts. Dabei wird analysiert, inwieweit ein späteres Heiratsalter tatsächlich zu einer geringeren Kinderzahl führt oder ob andere demographische, soziale und wirtschaftliche Faktoren die Fruchtbarkeit stärker beeinflussen.
- Analyse der sozioökonomischen Faktoren, die das Heiratsalter beeinflussen
- Untersuchung der Einflussfaktoren auf die innereheliche Fruchtbarkeit (z.B. Stillzeit, Laktationsamenorrhöe)
- Vergleich der demographischen Situation zwischen Nord- und Südwestfrankreich
- Diskussion der Geburtenplanung und des malthusianischen Modells im 18. Jahrhundert
Auszug aus dem Buch
2.1. Faktoren, von denen das Heiratsalter abhängig ist
Im Gegensatz zu heute war das Recht zur Eheschließung in den ständischen Gesellschaften der frühen Neuzeit "ein Privileg". Heiraten durfte nicht jeder, denn die Eheschließung war an eine ganze Reihe kirchlicher, familiärer und staatlicher Regelungen gebunden.
So enwickelte die Kirche zum Beispiel einen umfangreichen Katalog von Inzestverboten und setzte zudem noch ein Mindestalter für die Hochzeit fest. Die Festsetzung und Durchführung eines geregelten Heiratsverfahrens und der schriftlichen Registrierung der Ehen nahm ihren Anfang mit dem Konzil von Trient 1563. Im Gegensatz zu den staatlichen Regelungen und Kontrollen bezüglich der Heirat muß man der Kirche jedoch zugestehen, daß sie die Eheschließung doch eher förderte, besonders natürlich, wenn es um die Legitimierung des sündhaften vorehelichen Geschlechtsverkehrs ging.
Die familiären und staatlichen Regelungen bezüglich der Heirat muß man im Zusammenhang mit dem "European Marriage Pattern" (Hajnal, 1965) sehen. Hajnal beschrieb mit diesem Begriff das spezifische Muster späten und selteneren Heiratens, welches sich westlich einer Linie von St. Petersburg nach Triest ausgeprägt hatte und dessen konstitutives Merkmal "die Bindung der Eheschließung an die Gründung eines eigenen Haushalts war." Wenn ein junges Paar heiraten wollte mußte es also einen eigenen Haushalt eröffnen, was bedeutet, daß es eine freie Erwerbsstelle, sei es einen Hof oder einen Handwerksbetrieb finden mußte, bevor es vor den Traualtar treten konnte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Der Zusammenhang zwischen Heiratsalter und innerehelicher Fruchtbarkeit im Westeuropa des 18. Jahrhunderts: Einführung in die Forschungsfrage und Vorstellung relevanter Literatur zur historischen Demographie.
2. Allgemeine Darstellung: Untersuchung der wirtschaftlichen, rechtlichen und sozialen Bedingungen, die das Heiratsalter und die Fruchtbarkeit in der frühen Neuzeit maßgeblich beeinflussten.
3. Heiratsalter und eheliche Fruchtbarkeit in Nord- und Südwestfrankreich im 18. Jahrhundert: Regionale Gegenüberstellung der Haushaltsstrukturen und deren direkte Auswirkungen auf Geburtenintervalle und Heiratsverhalten.
4. Schlußfolgerung: Einfluß des Heiratsalters auf die innereheliche Fruchtbarkeit: Zusammenführende Betrachtung der Faktoren, die zeigen, dass das Heiratsalter allein nur einen geringen Einfluss auf die Fruchtbarkeit hat.
Schlüsselwörter
Heiratsalter, innereheliche Fruchtbarkeit, historische Demographie, Geburtenabstände, Malthusianismus, Laktationsamenorrhöe, Familienplanung, 18. Jahrhundert, Haushaltsstruktur, Säuglingssterblichkeit, Nordfrankreich, Südwestfrankreich, Geburtenplanung, soziale Schichten.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert den Zusammenhang zwischen dem Alter bei Eheschließung und der Anzahl der Kinder in Ehen während des 18. Jahrhunderts in Westeuropa.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen umfassen die sozioökonomischen Rahmenbedingungen der Eheschließung, die Auswirkungen von Stillzeiten auf die Empfängniswahrscheinlichkeit sowie regionale demographische Unterschiede.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, ob ein höheres Heiratsalter zwingend zu einer niedrigeren Gesamtzahl an Geburten führt oder ob komplexe Faktoren wie Geburtenplanung und Stillverhalten dies überlagern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf dem Vergleich demographischer Daten und der Auswertung zeitgenössischer sowie moderner historischer Fachliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die allgemeinen Faktoren der Heiratspolitik und Fruchtbarkeit dargelegt, gefolgt von einer detaillierten Fallstudie zu Nord- und Südwestfrankreich.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wichtige Begriffe sind Heiratsalter, innereheliche Fruchtbarkeit, historische Demographie, Malthusianismus und Geburtenabstände.
Welche Rolle spielt die "Laktationsamenorrhöe" in der Argumentation der Autorin?
Die Autorin verwendet dieses Konzept, um zu erklären, wie Frauen die Geburtenabstände biologisch beeinflussen konnten und welche Rolle das Stillen bei der Steuerung der Fruchtbarkeit spielte.
Warum wird im Dokument zwischen Nord- und Südwestfrankreich unterschieden?
Die Unterscheidung dient dazu, den Einfluss unterschiedlicher Haushaltsstrukturen (Kernfamilien vs. erweiterte Haushalte) auf das Heiratsalter und die Geburtenfolge zu verdeutlichen.
- Quote paper
- Simone Ernst (Author), 1995, Der Zusammenhang zwischen Heiratsalter und innerehelicher Fruchtbarkeit im Westeuropa des 18. Jahrhunderts, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/11463