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Wie gehen die Fachkräfte im Jugendamt mit dem Strukturproblem von Hilfe und Kontrolle um?

Title: Wie gehen die Fachkräfte im Jugendamt mit dem Strukturproblem von Hilfe und Kontrolle um?

Seminar Paper , 2008 , 25 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Manuela Siegel (Author)

Social Work
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Mit immer neuen Fällen von Kindesvernachlässigung und Kindstötung, die durch die Medien gehen, müssen sich vor allem die Sozialarbeiter in den jeweiligen Jugendämtern die Vorwürfe anhören, dass sie nicht zum Wohl und Schutz des Kindes gehandelt, Missstände übersehen oder falsch bewertet haben und sich somit mit schuldig gemacht haben. Zu den bekanntesten Fällen gehören wohl der Tod des zweijährigen Kevin im Jahr 2006 oder der siebenjährigen Jessica im Jahr 2005. Eine heftige Debatte über die alte Frage des Verständnisses von Hilfe und Kontrolle und über strafrechtliche Haftung entsteht. So lautet zum Beispiel der Titel der Süddeutschen Zeitung am 11. Oktober 2006 “Der Fall Kevin- ein Kind stirbt weil der Staat versagt”

Es ist Aufgabe des Jugendamtes im Auftrag des Staates eingreifend tätig zu werden, wenn das Wohl von Kindern und Jugendlichen gefährdet ist und die Eltern auch nicht mit öffentlicher Hilfe bereit oder in der Lage sind diese Gefährdung abzuwenden. In der Fachdiskussion steht der Subjektstatus des Klienten, Beteiligungsrechte und Mitbestimmungsmöglichkeiten im Fokus. Die Betroffenen sollen aktiv mitbestimmen und mitarbeiten können. Das Jugendamt soll helfen, unterstützen und beraten um individuelle oder soziale Krisen zu überwinden. Vermehrt wird der Bereich der Kinder- und Jugendhilfe als Dienstleistungssektor betrachtet.

Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Strukturproblem von Hilfe und Kontrolle. Zuerst wird der Ursprung von Hilfe und Kontrolle näher erläutert. Daran anschließend werden die Begriffe Hilfe und Kontrolle definiert und die drei Formen sozialer Kontrolle kurz vorgestellt. Der vierte Punkt “Das Strukturproblem von Hilfe und Kontrolle” stellt dar, warum der doppelte Auftrag von Hilfe und Kontrolle überhaupt ein Problem darstellt und worin dieses besteht. Als nächstes wird der Begriff ‘doppeltes Mandat’ erläutert und anschließend die Schwierigkeit der Definition von Kindeswohlgefährdung und die daraus resultierenden Konsequenzen veranschaulicht. Punkt 6 stellt die Arbeit der Jugendämter im Spannungsfeld von Hilfe und Kontrolle dar. Anschließend wird die Gefahr der Entwicklung der Kinder- und Jugendhilfe als Dienstleistungssektor betrachtet.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Ursprung von Hilfe und Kontrolle

3. Begriffsklärung- was ist Hilfe, was ist Kontrolle?

4. Das Strukturproblem von Hilfe und Kontrolle

5. Was ist Kindeswohlgefährdung?

6. Die Arbeit des Jugendamtes im Spannungsfeld von Hilfe und Kontrolle

7. Dienstleistungscharakter vs. Kontrollaufgabe

8. Wie gehen die Fachkräfte des Jugendamtes mit dem Strukturproblem von Hilfe und Kontrolle um?

8.1 Studie von Ulrike Urban

8.1.1 Durchführung

8.1.2 Ergebnis

8.1.3 Fazit

8.2 Studie von Maja Heiner

8.2.1 Die Bedeutung von Reflexivität

8.2.2 Durchführung

8.2.3 Umgang und Wahrnehmung von Hilfe und Kontrolle

8.2.4 Einordnung der Interviewten in Handlungsmodelle

9. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das strukturelle Spannungsfeld von Hilfe und Kontrolle in der Sozialen Arbeit, insbesondere im Kontext der Jugendhilfe. Dabei wird analysiert, wie Fachkräfte des Jugendamtes dieses systemimmanente Paradoxon in ihrer täglichen Praxis bewältigen und welche professionellen Handlungsmodelle dabei zum Einsatz kommen.

  • Strukturprobleme professionellen Handelns in der Sozialen Arbeit
  • Das Spannungsverhältnis zwischen Kinderschutzauftrag und Unterstützung
  • Empirische Untersuchung professioneller Handlungsweisen und Selbstbilder
  • Analyse der Qualität und Wirksamkeit von Hilfeleistungen

Auszug aus dem Buch

8.1.2.1 Kontrolle als Voraussetzung für den Kinderschutz

Die Mitarbeiter des ASD vertreten eindeutig das Selbstbild des Helfers. Sie sehen ihr Handeln als Verfolgung der Interessen des Kindes. “Kontrollhandeln wird nicht als Eingriff gegen die Eltern, sondern als Hilfe für die Kinder und die Familie gedeutet.”17 Dennoch wird gleichzeitig die Kontrolle als Voraussetzung des Kinderschutzes anerkannt und als selbstverständlicher Bestandteil des Aufgabenbereichs angesehen. Die Interviewten verdeutlichen, dass sie ihre Verantwortung für den Kinderschutz nicht ohne Kontrollmöglichkeiten wahrnehmen können, deshalb stellen sie diesen nicht in Frage.

Diese Einstellung wird auch im Interview mit Frau Keller deutlich, die sich bezüglich der Kontrolle des Kinderschutzes wie folgt äußert : “[…] oder auch, dass die überhaupt nicht mit uns zusammenarbeiten, aber regelmäßig Meldungen reinkommen, also Verdacht auf Vernachlässigung, also dann sage ich auch, ich bin dazu verpflichtet. Ob sie mir sympathisch sind oder nicht. Weil hier habe ich einen gesellschaftlichen Auftrag […] zu gucken wie geht es dem Kind.” 18

Auch Herr Rakel sieht Kontrolle als selbstverständlichen Bestandteil seiner Tätigkeit an: “Wir haben eine Doppelrolle. Wir sind solange freundlich, bis es nicht mehr geht, und dann werden wir sehr schnell völlig unfreundlich.” 19

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert die Herausforderungen an Sozialarbeiter im Jugendamt im Lichte öffentlicher Kinderschutz-Debatten und führt in das Strukturproblem von Hilfe und Kontrolle ein.

2. Der Ursprung von Hilfe und Kontrolle: Das Kapitel beleuchtet den historischen Grundwiderspruch von Hilfe und Kontrolle in der Sozialen Arbeit, der zwischen individueller Hilfe und gesellschaftlicher Normierung steht.

3. Begriffsklärung- was ist Hilfe, was ist Kontrolle?: Hier werden die theoretischen Grundlagen der Begriffe Hilfe und Kontrolle sowie deren unterschiedliche Ausprägungen im sozialen Kontext definiert.

4. Das Strukturproblem von Hilfe und Kontrolle: Das Kapitel erläutert das doppelte Mandat der Sozialen Arbeit und warum die beiden Handlungslogiken in der Praxis kaum widerspruchsfrei zu vereinen sind.

5. Was ist Kindeswohlgefährdung?: Der Abschnitt behandelt die rechtliche Unbestimmtheit des Begriffs Kindeswohl und die damit verbundenen Interpretationsspielräume für Fachkräfte.

6. Die Arbeit des Jugendamtes im Spannungsfeld von Hilfe und Kontrolle: Hier wird der Druck auf Jugendämter zwischen wachsenden Anforderungen, Sparpolitik und dem gesetzlichen Auftrag zur Kontrolle und Hilfe dargestellt.

7. Dienstleistungscharakter vs. Kontrollaufgabe: Das Kapitel diskutiert kritisch die Tendenz, die Jugendhilfe als reinen Dienstleistungssektor zu betrachten, und weist auf die Unvereinbarkeit mit dem Schutzauftrag hin.

8. Wie gehen die Fachkräfte des Jugendamtes mit dem Strukturproblem von Hilfe und Kontrolle um?: Dieser Hauptteil analysiert durch die Auswertung zweier Studien (Urban und Heiner), wie Fachkräfte im Alltag mit den Widersprüchen ihres Berufes umgehen.

9. Fazit: Die Arbeit fasst zusammen, dass das Spannungsfeld paradox ist, nicht aufgelöst werden kann und eine ständige Reflexion durch die Fachkräfte erfordert.

Schlüsselwörter

Soziale Arbeit, Jugendamt, Hilfe, Kontrolle, Kindeswohlgefährdung, Strukturproblem, Reflexivität, Professionelles Handeln, Doppeltes Mandat, Sozialpädagogik, Hilfeplanung, Kinderschutz, Handlungsmodell, Beratung, Intervention.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert das strukturelle Paradoxon von Hilfe und Kontrolle, das den Berufsalltag von Sozialarbeitern im Jugendamt prägt.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Fokus stehen das doppelte Mandat, das Kindeswohl, die Reflexivität professionellen Handelns sowie die Einordnung der Sozialen Arbeit zwischen Dienstleistung und staatlicher Aufsicht.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die zentrale Frage lautet, wie Fachkräfte im Jugendamt mit den widersprüchlichen Anforderungen von Hilfe und Kontrolle im Arbeitsalltag praktisch umgehen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse sowie die sekundäre Auswertung von zwei empirischen Studien (von Ulrike Urban und Maja Heiner), die narrative Interviews mit Sozialarbeitern auswerteten.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil widmet sich der Definition der Begriffe, der Darstellung der rechtlichen und sozialen Rahmenbedingungen sowie der detaillierten Auswertung der beiden genannten Studien zu den Arbeitsweisen und Selbstkonzepten der Fachkräfte.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Kernbegriffe sind Soziale Arbeit, Jugendamt, Strukturproblem, Hilfe, Kontrolle, Kindeswohlgefährdung und Reflexivität.

Was ist das zentrale Ergebnis bezüglich der professionellen Haltung?

Die Arbeit zeigt, dass professionelles Handeln eine hohe Reflexionsbereitschaft erfordert, um die Widersprüche zwischen helfendem und kontrollierendem Auftrag auszuhalten und dennoch eine passgenaue Intervention zu leisten.

Wie bewerten die Studien den Dienstleistungsansatz im Jugendamt?

Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die Idee der Jugendhilfe als reiner Dienstleistungssektor den Kernauftrag (Kinderschutz/Integration) gefährdet und daher nicht praktikabel ist.

Was unterscheidet das Dominanzmodell vom Passungsmodell?

Während das Dominanzmodell eine defizitorientierte Haltung gegenüber Klienten einnimmt und Verantwortung auf diese abwälzt, zeichnet sich das Passungsmodell durch eine ressourcenorientierte Haltung und eine ständige Reflexion der Passung zwischen Angebot und Bedarf aus.

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Details

Title
Wie gehen die Fachkräfte im Jugendamt mit dem Strukturproblem von Hilfe und Kontrolle um?
College
University of Dortmund
Course
Professionstheorien
Grade
1,7
Author
Manuela Siegel (Author)
Publication Year
2008
Pages
25
Catalog Number
V113287
ISBN (eBook)
9783640138111
ISBN (Book)
9783668142619
Language
German
Tags
Fachkräfte Jugendamt Struktuproblme Hilfe Kontrolle Professionstheorien
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Manuela Siegel (Author), 2008, Wie gehen die Fachkräfte im Jugendamt mit dem Strukturproblem von Hilfe und Kontrolle um?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/113287
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