Im Mittelpunkt der Arbeit steht ein auf dem Konzept des komparativen Vorteils erklärendes Modell von den Ökonomen Brezis, Krugman und Tsiddon (1993). Mit diesem wird in der ‚Neuen Wachstumstheorie’ erläutert, weshalb es trotz Produktivitätswachstum zu wechselnden Marktführerschaften zwischen verschiedenen Nationen kommt. Der Grund hierfür ist das Phänomen des Leapfroggings, bei welchem die Einführung neuer Technologien dem bis zu diesem Zeitpunkt gering erfahrenen Marktteilnehmer die Führerschaft in seinem Sektor verschafft. Das Motiv für diese Übernahme liegt in der höheren Produktivität neuer Technologien und den niedrigeren Kosten bei der Einführung der Technologien.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Basismodell
2.1. Die Grundlagen
2.2. Die kurze Frist
2.3. Dynamische Prozesse
2.4. Leapfrogging
2.5. Kritische Würdigung
3. Simulation
3.1. Erweiterung und Annahmen
3.2. Berechnung und Auswertung
4. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Ursachen für wechselnde wirtschaftliche Führungsrollen zwischen Nationen. Auf Basis eines ökonomischen Modells nach Brezis, Krugman und Tsiddon wird analysiert, wie asynchrones Produktivitätswachstum durch technologische Innovationen und Lerneffekte zu Verschiebungen im komparativen Vorteil und damit zu Einkommenszyklen führt.
- Analyse des Einflusses von Lerneffekten auf das Produktivitätswachstum.
- Erklärung des Phänomens "Leapfrogging" bei der Technologieeinführung.
- Untersuchung von Verschiebungen in Spezialisierungsmustern zwischen Ländern.
- Simulation des relativen Lohnverhältnisses bei technologischem Wandel.
- Diskussion der Dynamik zwischen Industrie- und Stagnationssektoren.
Auszug aus dem Buch
2.4. Leapfrogging
In der Modellwelt besteht derzeit das Handelsmuster (s3), bei der Großbritannien mit der Technologie der ersten Generation Industriegüter produziert während die USA sowohl Stagnationsgüter als auch technische Güter mit der neuen Technologiegeneration herstellt. Diese Situation kehrt sich um, sobald im Zeitpunkt Z die Produktivität der USA absolut größer ist als die Großbritanniens: A2*(Z) > A1(Z). Ab diesem Moment produziert die USA ausschließlich Industriegüter. Großbritannien stellt weiterhin Güter in diesem Sektor mit der alten Technologie her, beginnt aber zugleich Stagnationsgüter herzustellen. In diesem Moment ist der Prozess des Leapfroggings abgeschlossen.17
Die Produktivität beider Länder im Zeitpunkt Z divergiert durch die unterschiedlich eingesetzten Technologien immer weiter und führt zu der Ungleichung (26). Ab fortan existiert in der BKT-Modellwelt erneut das Handelsmuster (s2) - Vollspezialisierung, wobei die beiden Länder ihr Produktionsgut getauscht haben.
A2*/A1 > mu/(1-mu) (26)
Der Titel der Basisliteratur wird in dem Augenblick der erneuten Vollspezialisierung deutlich. Das gegenseitige Aufholen in Wachstumsprozessen hinsichtlich der Produktivität wiederholt sich immer wieder in Kreisläufen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die historische Beobachtung wechselnder wirtschaftlicher Führungspositionen ein und stellt die Relevanz der Untersuchung mittels des Modells von Brezis, Krugman und Tsiddon dar.
2. Das Basismodell: Hier werden die theoretischen Grundlagen des Modells dargelegt, einschließlich der Annahmen zu Produktivitätswachstum, Lerneffekten und der Spezialisierungsszenarien zwischen zwei Volkswirtschaften.
3. Simulation: Dieses Kapitel spezifiziert das Modell durch Annahmen zu Parametern und führt eine computergestützte Simulation durch, um die Auswirkungen technologischen Wandels auf Lohnverhältnisse und Beschäftigung zu visualisieren.
4. Zusammenfassung: Die abschließenden Bemerkungen rekapitulieren die zentralen Erkenntnisse über asymmetrische Wachstumsentwicklungen und den Mechanismus des Leapfroggings in offenen Volkswirtschaften.
Schlüsselwörter
Einkommenszyklen, offene Volkswirtschaften, Leapfrogging, komparativer Vorteil, Neue Wachstumstheorie, Lerneffekte, Arbeitsproduktivität, Industriegüter, Stagnationsgüter, Spezialisierung, Technologiegeneration, Lohnverhältnis, Simulation, Produktivitätswachstum, BKT-Modell.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert ökonomische Gründe für das zyklische Auftreten wechselnder Führungsrollen zwischen Industrienationen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Dynamik des technologischen Fortschritts, der Einfluss von Lerneffekten auf die Produktivität sowie die Handelsbeziehungen in einer Modellwelt mit zwei Ländern.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, auf theoretischer Basis zu erklären, warum es trotz Produktivitätswachstum zu Verschiebungen bei den komparativen Vorteilen und damit zu wechselnden Marktführerschaften kommt.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Der Verfasser nutzt das theoretische Modell von Brezis, Krugman und Tsiddon (1993) und erweitert dieses durch eine numerische Simulation, um den Verlauf ökonomischer Kennzahlen zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung des Basismodells, die Beschreibung der kurz- und langfristigen dynamischen Prozesse sowie die quantitative Simulation dieser Prozesse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind Leapfrogging, Neue Wachstumstheorie, komparativer Vorteil und Produktivitätswachstum.
Was versteht man in diesem Modell unter dem "Leapfrogging"-Phänomen?
Leapfrogging beschreibt den Prozess, bei dem ein bis dahin technologisch weniger erfahrener Akteur durch die Einführung einer neuen, produktiveren Technologie den Marktführer überholt.
Warum spielt die Unterscheidung zwischen Industrie- und Stagnationsgütern eine so wichtige Rolle?
Diese Unterscheidung erlaubt es, die verschiedenen Wachstumsdynamiken abzubilden, da technologische Fortschritte primär im Industriesektor stattfinden, während der Sektor der Stagnationsgüter (z.B. Nahrungsmittel) durch konstante Produktivität gekennzeichnet ist.
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- Robert Bernhardt (Author), 2008, Einkommenszyklen offener Volkswirtschaften, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/112199