In diesem Essay sollen die Kernkategorien des regulationstheoretischen Ansatzes, welche sich unter den Begriffen Akkumulationsregime und Regulationsweise zusammenfassen lassen, erklärt und die gesellschaftsanalytische Brauchbarkeit der Regulationstheorie dargestellt werden. In diesem Kontext soll zunächst der regulationstheoretische Ansatz vorgestellt werden, um dann näher auf diese Kernkategorien eingehen zu können. Im zweiten Teil dieser Arbeit soll die Theorie dann auf ihre Praktikabilität hin überprüft werden.
Die Regulationstheorie ist kein klar abgrenzbarer, monotheoretischer Ansatz, sondern stellt vielmehr ein empirisch und methodisch-theoretisch unabgeschlossenes Forschungsprogramm bzw. eine heuristische Konzeption dar. Dennoch lassen sich einige grundlegende Merkmale darstellen. Das Konzept dient der kritischen Hinterfragung kapitalistischer Strukturen und insbesondere der Beantwortung der Frage, wie es möglich ist, dass der Kapitalismus trotz seiner inhärenten Widersprüche bisher fortbestehen konnte.
Diese Widersprüche drücken sich vor allem in hegemonialen Strukturen aus. Also solchen Strukturen, in welchen eine Gruppe über andere Gruppen herrscht und somit die eigenen Rahmenbedingungen festlegt und festigt, unter welchen sie den eigenen Profit weiter steigern kann. Der Begriff der Regulation knüpft deshalb an folgende Frage an: Wie ist eine auf arbeitsteiliger Privatproduktion und Warentausch beruhende Gesellschaft überhaupt möglich und was gewährleistet ihre Reproduktions- und Bestandsfähigkeit trotz des im Lohnarbeitsverhältnis wurzelnden Antagonismus?
Der Begriff der Regulation verdeutlicht also vor allem das Überwinden der Vorstellung, der Markt sei einer Selbstregulation unterlegen, welche zu einem ökonomischen Gleichgewicht im Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage führe, wie es in neoklassischen Gleichgewichtstheorien gedacht wird.
Inhaltsverzeichnis
- Die Kernkategorien des regulationstheoretischen Ansatzes
- Der regulationstheoretische Ansatz
- Akkumulationsregime
- Regulationsweise
- Die Brauchbarkeit der Regulationstheorie
- Die Regulationstheorie als kritische Analyse
- Soziale Verhältnisse und Regulation
- Reproduktion sozialer Verhältnisse
- Die Rolle des Nationalstaates
- Dynamik ökonomischer und gesellschaftlicher Prozesse
- Akkumulationsregime und Regulationsweise
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Dieser Essay hat zum Ziel, die Kernkategorien des regulationstheoretischen Ansatzes – Akkumulationsregime und Regulationsweise – zu erklären und die gesellschaftliche Brauchbarkeit der Regulationstheorie zu bewerten. Dazu wird zunächst der Ansatz selbst vorgestellt, um anschließend die Kernkategorien genauer zu analysieren. Im zweiten Teil wird die Theorie auf ihre Praktikabilität überprüft.
- Vorstellung des regulationstheoretischen Ansatzes und seiner Kernkategorien
- Analyse der gesellschaftsanalytischen Brauchbarkeit der Regulationstheorie
- Kritik an der neoklassischen Gleichgewichtstheorie
- Bedeutung sozialer Verhältnisse und ihrer Reproduktion
- Rolle des Nationalstaates in der Regulation
Zusammenfassung der Kapitel
- Der Essay beginnt mit einer Einführung in den regulationstheoretischen Ansatz und seiner Entstehung als Reaktion auf die gesellschaftlichen Umbrüche der 1970er Jahre. Die Theorie wird als ein kritisches Forschungsprogramm dargestellt, das die Funktionsweise des Kapitalismus und seine Fähigkeit, trotz inhärenter Widersprüche fortzubestehen, erklärt.
- Im zweiten Teil werden die Kernkategorien des Ansatzes, Akkumulationsregime und Regulationsweise, näher beleuchtet. Es wird erläutert, wie die Kapitalakkumulation durch die Veränderung der Produktionsmittel beeinflusst wird und wie sich daraus verschiedene Akkumulationsregime entwickeln.
- Der Essay zeigt, dass jedes Akkumulationsregime eine spezifische Regulationsweise benötigt, um die gesellschaftliche Stabilität und die Reproduktion sozialer Verhältnisse zu gewährleisten. Die Regulationsweise umfasst institutionelle Formen, Normen und Netzwerke, die die Vereinbarkeit der gesellschaftlichen Verhältnisse im Rahmen eines Akkumulationsregimes sichern.
- Die Rolle des Nationalstaates als Akteur der Regulation wird diskutiert, wobei betont wird, dass Regulation nicht allein durch staatliche Akteure, sondern durch den "Gesamtzusammenhang sozialer Verhältnisse und gesellschaftlicher Akteure" erfolgt.
- Der Essay betrachtet die Dynamik ökonomischer und gesellschaftlicher Prozesse im Rahmen der Regulationstheorie. Es wird argumentiert, dass die Geschichte kapitalistischer Systeme eine Aneinanderreihung von sozialen Innovationen ist, die aus sozialen Konflikten und Kompromissen hervorgehen und die Anpassung der kapitalistischen Produktionsweise an gesellschaftliche Widersprüche ermöglichen.
Schlüsselwörter
Die zentralen Begriffe und Konzepte dieses Essays sind: Regulationstheorie, Akkumulationsregime, Regulationsweise, soziale Verhältnisse, Reproduktion, Kapitalismus, Krise, Nationalstaat, soziale Innovation, Produktionsweise, Klassen, Kapital, Arbeit, Profit, Lohn, Konsum, Produktionsnorm, Konsumnorm.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der zentrale Gegenstand der Regulationstheorie?
Die Regulationstheorie untersucht, wie kapitalistische Gesellschaften trotz inhärenter Widersprüche und Krisen stabil bleiben können. Sie analysiert das Zusammenspiel von ökonomischen Prozessen und gesellschaftlichen Institutionen.
Was versteht man unter einem Akkumulationsregime?
Ein Akkumulationsregime beschreibt eine über einen längeren Zeitraum stabile Aufteilung des Sozialprodukts zwischen Konsum und Investition, die eine kontinuierliche Kapitalakkumulation ermöglicht.
Welche Funktion hat die Regulationsweise?
Die Regulationsweise umfasst die Gesamtheit von Institutionen, Normen und Netzwerken, die das individuelle Verhalten und ökonomische Prozesse so koordinieren, dass sie mit dem herrschenden Akkumulationsregime kompatibel bleiben.
Wie grenzt sich der Ansatz von der Neoklassik ab?
Im Gegensatz zur neoklassischen Theorie lehnt die Regulationstheorie die Vorstellung einer automatischen Selbstregulation des Marktes ab und betont stattdessen die Notwendigkeit gesellschaftlicher und institutioneller Einbettung.
Welche Rolle spielt der Nationalstaat in der Regulationstheorie?
Der Nationalstaat fungiert als wichtiger Akteur der Regulation, indem er institutionelle Rahmenbedingungen schafft, jedoch erfolgt Regulation immer im Gesamtzusammenhang aller sozialen Verhältnisse und Akteure.
Was sind soziale Innovationen im Kontext dieses Ansatzes?
Soziale Innovationen sind das Ergebnis von Konflikten und Kompromissen, die es dem Kapitalismus ermöglichen, sich an neue Bedingungen anzupassen und Krisen temporär zu überwinden.
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- Malte Scholz (Author), 2020, Die Kernkategorien des regulationstheoretischen Ansatzes. Akkumulationsregime und Regulationsweise, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/974800