Was, wenn die Art und Weise, wie Kinder die Welt verstehen, nicht einfach eine schwächere Version unseres Denkens ist, sondern eine faszinierende, stufenweise Entdeckungsreise? Diese tiefgründige Analyse der kognitiven Entwicklung nach Jean Piaget enthüllt, wie sich das kindliche Denken von den ersten sensomotorischen Erfahrungen bis hin zum abstrakten, hypothetischen Denken des Jugendlichen entfaltet. Tauchen Sie ein in Piagets bahnbrechende Theorie, die die Entwicklung in vier Hauptperioden unterteilt: die sensomotorische Phase, in der Kinder durch Handeln und Sinneserfahrungen lernen; die voroperationale Phase, geprägt von Symbolfunktionen und intuitivem Denken; die konkret-operationale Phase, in der logisches Denken an konkrete Objekte gebunden ist; und schließlich die formal-operationale Phase, in der abstraktes und hypothetisches Denken möglich wird. Entdecken Sie die Schlüsselkonzepte der Assimilation und Akkommodation, die den dynamischen Anpassungsprozess des kindlichen Geistes an seine Umwelt beschreiben. Erfahren Sie, wie Kinder aktiv Wissen konstruieren, indem sie ihre Erfahrungen interpretieren und neue Schemata entwickeln. Diese umfassende Darstellung bietet nicht nur einen klaren Überblick über Piagets Stadienmodell, sondern beleuchtet auch die Bedeutung von Reversibilität, Gruppierungen und Dezentrierung für die kognitive Reifung. Egal, ob Sie Student der Psychologie, Pädagoge oder einfach nur neugierig auf die Entwicklung des menschlichen Geistes sind, dieses Buch bietet Ihnen einen unschätzbaren Einblick in die faszinierende Welt des kindlichen Denkens und seine tiefgreifenden Auswirkungen auf Lernen und Erziehung. Verstehen Sie, wie sich Intelligenz entwickelt und wie die Welt durch die Augen eines Kindes aussieht. Ergründen Sie die Prinzipien der kognitiven Entwicklung, von der Objektpermanenz bis hin zur Fähigkeit, abstrakte Konzepte zu verstehen. Lassen Sie sich von Piagets revolutionären Ideen inspirieren, die unser Verständnis von Lernen und Entwicklung nachhaltig geprägt haben, und entdecken Sie, wie diese Erkenntnisse genutzt werden können, um Bildung und Erziehung effektiver zu gestalten und Kinder optimal in ihrer kognitiven Entfaltung zu fördern. Von den ersten Reflexen bis zur formalen Logik – eine Reise durch die Entwicklung des Denkens.
Proseminar: Entwicklungsverläufe in Längsschnitten
Dr. Rosemarie Gauger
WS 97/ 98
Referat: Entwicklung nach Piaget
Referent: Matthias Werner
Jena, d. 11.12. 1997
Piaget (9.8.1896-16.9.1980)
Problem: Piaget ist, obwohl aus der Verhaltensbiologie kommend, zunächst erst einmal Epistemologe. Kinder- und Jugendpsychologie sind "nur" Aufhänger für erkenntnistheoretisches Interesse.
Starke Orientierung an Kant; Erkenntnis im Vollzug von Urteilen. Was für Klassen von Urteilen gibt es?
-analytische Urteile a priori:
Attribut ist im Objekt impliziert, bloße Explikation.
-synthetische Urteile a posteriori:
Attribut ist nicht im Objekt impliziert. Zuordnung auf Grund von sinnlich vermittelter Erfahrung.
-synthetische Urteile a priorie:
Grenze menschlichen Erkenntnisvermögens. Sinnliche Erkenntnis der absoluten/ methaphysischen Grundlagen.
Fällt Erkenntnisvermögen vom Himmel, oder gibt es Entwicklungsprozeße? Wie sehen sie aus?
Biologisch-strukturalistischer Ansatz
- exogenetische Grundannahmen
- Mensch als Gestalter seiner Entwicklung
- postuliert Ontogenese von Bewußtseinsstrukturen
- organismische Theorie
- Entwicklung als Konstruktionsschrittfolge
-Selbstorganisation in Richtung auf Effizienz und Widerspruchsfreiheit der Systeme
- neurophysiologische Reifung
- Beschreibung struktureller und formaler Merkmale
- HIRARCHIE; SYSTEM; SELBSTORGANISATION
Ein Kontinuum von grundlegendsten bis zu höchsten Erkenntnisvermögen wird angenommen!
Funktionale Invarianten des Kontinuums
Äußerer Aspekt
- Kräftemodell, Adaption:
- Akkomodation (Umwelt, Schema. Vergleichbar mit "Bottom up"* - Proze ß.)
- Assimilation (Schema, Umwelt. Vergleichbar mit "Top down"* - Prozez.)
*Verläuft immer gleichzeitig und gegensinnig.
- Mensch: Spontane und konstruktive Aktivität; im GS zu inneren (Psychoanalyse) und äußeren Kräften (Behaviorismus).
-Reife Adaption setzt optimale Balance zwischen Assimilations- und Akkomodationsaspekten voraus.
Innere Aspekte
+Organisation
+ Ganzheitlichkeit
+ Transformation
+ Selbstregulation
= Strukturcharakteristika
Instrumentelle Strukturen des Kontinuums
-sind variabel zwischen Entwicklungsstufen
-sind invariant innerhalb von speziellen Entwicklungsstufen
Inhalte des Kontinuums
-kulturelle/ individuelle Variablen innerhalb derselben Enteicklungsstufen
Entwicklung nach Piaget
Beschreibung als Perioden der kognitiven Ontogenese des Menschen:
(1) Periode der sensomotorischen Intelligenz; bis ca. 4 Jahre.
- erste kognitive Orientierung (cognoscere = erkennen)
- Umgang mit den konkreten Dingen im äußeren realen Anschauungs- und Wirkraum
- sensomotorische Schemata ( im Vollzug stetig wiederholter Realisierung /reproduktive Assimilation)
Reflexe oder Instinktkoordinationen »liberalisieren« sich, werden zu anwendbaren sensomotorischen Erkenntnisorganen
Koordination von Sinnes- und motorischen Aktivitäten zu immer umfassenderen und komplexer organisierten Gesamteinheiten (reziproke Assimilation)
- Vorform der später immer allgemeineren Organisations- und Korrdinationsformen
6 Unterstadien der sensomotorischen Entwicklungsperiode:
1 - angeborene Reflexe (0.- 1. Monat)
2 - Bildung erster Gewohnheiten/ primäre Zirkulärreaktionen(1 )/ erste Koordination sensomotorischer Schemata (ca. 1.-4. Monat)
3 - sekundäre Zirkulärreaktionen. (Stabilisierung nach Baldrin, 1925.); verstärkte Hinwendung zur Außenwelt; Vorstufen intentionalen Verhaltens (ca. 4- 8 Monate)
4 - Intentionales (Zielgerichtetes) Verhalten; Anwendung von Schemata (ca. 8-12 Monate)
5 - tertiäre(2 )Zirkulärreakrionen; experimentelles Vorgehen; Suche und Entdeckung neuer Mittel- Schemata
6 - Übergangsstadium: Beginnende Interiorisation und Entwicklung der Symbolfunktion; Objektpermanenz (ca. 18-24 Monate)
(2) Periode des voroperationalen Denkens: ca. 2 -7 Jahre, mit den beiden Unterperioden
I.- Entwicklung der Symbolfunktion, der Sprache, des vorbegrifflichen und transduktiven(3 )Denkens (ca. 2-4 Jahre)
- Fähigkeit mit Repräsentationen zu arbeiten; Reversibilität der Anschauung
- Unterscheidung von Zeichen und Bezeichnetem
- Nachahmungs-und Symbolspiele
zunehmend komplexere Sachverhalte, die räumlich/ zeitlich außer "Reichweite" sind, können repräsentiert werden
VERDOPPLUNG DER KINDLICHEN WELT (Dichotomie verläuft im Wesentlichen analog zu Descartes "res cogitans" und "res extensae".)
- Symbolfunktionen eröffnen neuen Kommunikationshorizont
- ausgeprägte Konkretheit des voroperationalen Denkens
II.- anschauliches (noch stark der Wahrnehmung verhaftetes) irreversibles Denken (ca. 4- 7 Jahre)
- spontane Zuordnung von Gegenständen
- optischer Eindruck bestimmt Glauben an Äquivalenz
- keine Kompensation von Wahrnehmungsaspekten (Ümschüttversuche; "Mogelpackungseffekt")
(3) Periode der konkreten Operationen: Reversibilität, Gruppierungen, aber noch stark der konkret-anschaulichen Realität verhaftet (ca. 7- 11 Jahre)
Erkennen als Tätigkeit, zunehmende Systematisierung, Dezentrierung (Erkennen von Invarianzen möglich (Umschüttversuch))
- Strukturmodell der Gruppierung A+B=C;
- Assoziativität 2+(3+4)=(2+3)+4
- Klassifikation
- infralogische Operationen (räumlich/ zeitliche Ordnung von Ereignissen)
- Hirarchisierung moralischer Werte
(4) Periode der formalen Operationen: formales, abstraktes hypothetisches Denken (ab ca. 11 Jahre)
- Überwindung des konkret-operatorischen Denkens ab 11 J.
- Wechsel vom Konkret-Wirklichen zum Hypothetisch-Möglichen
- zunehmende Abstraktion
- Systematisierung und Integration zu immer umfassenderen Gesamtstrukturen
- Identifizierung des Wirklichen als Sonderfall des Möglichen (Wenn ..., dann ... - Sätze)/ Kalkulation stochastischer Prinzipien
- Kombinatorik, Kausalanalyse
- formal-operatorische Schemata: Proportionalität, Wahrscheinlichkeit und Korrelation
- Egozentrismus
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Fußnoten
[...]
(1 ) Stabilisierung nach Baldwin, 1925. Vergleichbar mit Lernen nach Thorndike: operantes Konditionieren, "trail and error". Aber im Gegensatz zu verhaltensbiologischen Ansätzen sind generalisierte Schemata universell anwendbar.
(2 ) tertiär: 3-er Schritt zur Erfindung neuer Mittel.
1. -bekanntes Mittel versuchen
2. -Variationen bekannter Mittel
3. -Transformation eines alten zu einem neuen Schema
Häufig gestellte Fragen
Was ist das Hauptthema des Dokuments "Proseminar: Entwicklungsverläufe in Längsschnitten Referat: Entwicklung nach Piaget"?
Das Dokument ist ein Referat über die Entwicklungstheorie von Jean Piaget. Es beleuchtet Piagets biologisch-strukturalistischen Ansatz, seine epistemologischen Interessen und seine Stadien der kognitiven Entwicklung.
Wer war Jean Piaget und wann lebte er?
Jean Piaget war ein Schweizer Entwicklungspsychologe und Philosoph, der vom 9. August 1896 bis zum 16. September 1980 lebte.
Was sind Piagets Hauptideen zur Erkenntnisentwicklung?
Piaget orientierte sich stark an Kant und betrachtete Erkenntnis als Vollzug von Urteilen. Er unterschied zwischen analytischen Urteilen a priori, synthetischen Urteilen a posteriori und synthetischen Urteilen a priori. Er postulierte eine Ontogenese von Bewusstseinsstrukturen und sah Entwicklung als Konstruktionsschrittfolge, die durch Selbstorganisation in Richtung auf Effizienz und Widerspruchsfreiheit der Systeme voranschreitet.
Was sind die funktionalen Invarianten des Kontinuums nach Piaget?
Piaget unterscheidet äußere und innere Aspekte. Äußerlich Adaptation durch Akkommodation (Anpassung an die Umwelt) und Assimilation (Anpassung der Umwelt an Schemata). Innerlich Organisation, Ganzheitlichkeit, Transformation und Selbstregulation, was zu Strukturcharakteristika führt.
Was sind die Stadien der kognitiven Entwicklung nach Piaget?
Piaget beschreibt vier Hauptperioden:
- Periode der sensomotorischen Intelligenz (bis ca. 4 Jahre): Entwicklung sensomotorischer Schemata und Koordination von Sinnes- und motorischen Aktivitäten.
- Periode des voroperationalen Denkens (ca. 2-7 Jahre): Entwicklung der Symbolfunktion, Sprache und des vorbegrifflichen Denkens, gefolgt von anschaulichem, irreversiblem Denken.
- Periode der konkreten Operationen (ca. 7-11 Jahre): Erwerb von Reversibilität und Fähigkeit zu Gruppierungen, aber noch stark an die konkrete Realität gebunden.
- Periode der formalen Operationen (ab ca. 11 Jahre): Entwicklung formalen, abstrakten und hypothetischen Denkens.
Was sind Zirkulärreaktionen in der sensomotorischen Phase?
Zirkulärreaktionen sind Verhaltensweisen, die wiederholt werden. Piaget unterscheidet: primäre Zirkulärreaktionen (erste Gewohnheiten), sekundäre Zirkulärreaktionen (Hinwendung zur Außenwelt), tertiäre Zirkulärreaktionen (experimentelles Vorgehen und Suche nach neuen Mitteln).
Was versteht man unter Objektpermanenz?
Objektpermanenz ist das Verständnis, dass Objekte auch dann existieren, wenn sie nicht sichtbar sind. Sie entwickelt sich im Übergangsstadium der sensomotorischen Periode.
Was bedeutet die Entwicklung der Symbolfunktion?
Die Symbolfunktion ist die Fähigkeit, mit Repräsentationen zu arbeiten, die Unterscheidung von Zeichen und Bezeichnetem und die Entwicklung von Nachahmungs- und Symbolspielen. Sie ermöglicht die Repräsentation von räumlich und zeitlich entfernten Sachverhalten.
Was bedeutet transduktives Denken?
Transduktives Denken ist ein Analogieschluss von Einzelfall zu Einzelfall.
Was sind Gruppierungen in der Periode der konkreten Operationen?
Gruppierungen sind Strukturmodelle wie A+B=C oder Assoziativität 2+(3+4)=(2+3)+4, die Klassifikation und die Hirarchisierung moralischer Werte ermöglichen.
Was bedeutet formales Denken in Piagets Theorie?
Formales Denken beinhaltet die Überwindung des konkret-operatorischen Denkens, den Wechsel vom Konkret-Wirklichen zum Hypothetisch-Möglichen, zunehmende Abstraktion und Systematisierung zu umfassenderen Gesamtstrukturen. Es ermöglicht Kalkulationen stochastischer Prinzipien, Kombinatorik und Kausalanalyse.
Welche Literatur wird im Dokument zitiert?
Das Dokument zitiert eine umfangreiche Liste von Werken von und über Jean Piaget, darunter Werke von Buggle, Flavell, Ginsburg & Opper, Gruber & Voneche, Kesselring, Piaget selbst und viele andere.
- Citation du texte
- Matthias Werner (Auteur), 1997, Entwicklung nach Piaget, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/95893