Das Jahr 2009 wurde weltweit von einer der größten Finanz- und Wirtschaftskrisen geprägt. In der Öffentlichkeit wurden insbesondere „Manager“ als Hauptverantwortliche der Krise ausgemacht. Darüber hinaus stand dieses Jahr ebenfalls im Zeichen von politischen Wahlen. Die Presse sprach vom „Superwahljahr 2009“, da neben der Bundestagswahl, acht Kommunalwahlen, vier Landtagswahlen, die Bundespräsidentenwahl und eine Europawahl durchgeführt wurden.1 Die Hoffnung, aus der Finanzkrise im „Superwahljahr 2009“ politisches Kapital zu schlagen, könnte erklären, wieso der Gesetzgeber ein schnelles Inkrafttreten des „Gesetzes zur Angemessenheit der Vorstandsvergütung“ (VorstAG) vorantrieb.
Eine Regelung des VorstAG sieht einen Pflichtselbstbehalt für die Directors & Officers Liability (D&O-Versicherung) vor.2 Allerdings hat die Legislative nicht alle Fragen zum Pflichtselbstbehalt abschließend beantwortet, was im Zusammenhang mit dem schnellen Inkrafttretens des VorstAG stehen könnte. Beispielsweise bleiben Fragen nach der Bezugsgröße des Selbstbehaltes oder der Versicherbarkeit des Selbstbehaltes zunächst offen.
Diese Regelungslücken und besonders die Versicherbarkeit des Selbstbehaltes sind Schwerpunkt dieser Arbeit. Ziel ist es eine Hilfestellung zum Umgang mit dem Pflichtselbstbehalt und dessen Versicherbarkeit zu geben.
Inhaltsverzeichnis
- Kurzfassung
- Abkürzungsverzeichnis
- 1 Einleitung
- Haftung in einer Aktiengesellschaft
- Entwicklung der Organhaftung
- Organhaftung
- Innenhaftung
- Außenhaftung
- 2 Die D&O-Versicherung
- Geschichte und Marktsituation
- Gegenstand der D&O-Versicherung und rechtliche Gestaltung
- Versicherungsnehmer und versicherte Personen in der D&O-Versicherung
- Claims-Made-Prinzip / Verstoßprinzip
- Rückwärtsversicherung
- Nachhaftung / Nachmeldefrist
- Ausschlüsse
- Versicherungssumme und der Selbstbehalt
- Deutscher Corporate Governance Kodex
- 3 Das Gesetz zur Angemessenheit der Vorstandvergütung (VorstAG)
- Inhalte und Ziele des Gesetzgebers
- Der gesetzlich vorgeschriebene Pflichtselbstbehalt in der D&O-Versicherung
- Welche D&O-Versicherungen sind betroffen?
- Höhe des Pflichtselbstbehaltes?
- Selbstbehalt für Abwehrkosten?
- Selbstbehalt für Innen- und Außenhaftung?
- Rechtsfolgen bei Nichtumsetzung
- 4 Die Selbstbehaltsversicherung
- Versicherbarkeit des Pflichtselbstbehaltes?
- Praktische Umsetzung und Probleme
- Verschiedene Versicherungsmodelle
- Anrechnungsmodell
- Kumulmodell
- Reine Individualversicherung
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit befasst sich mit den Folgen des zwingenden Selbstbehaltes in der D&O-Versicherung, der durch das Gesetz zur Angemessenheit der Vorstandvergütung (VorstAG) eingeführt wurde. Ziel ist es, die Auswirkungen dieses neuen gesetzlichen Regelungsrahmens auf die D&O-Versicherung zu analysieren und Handlungsempfehlungen für die Praxis zu geben.
- Die Auswirkungen des Pflichtselbstbehaltes auf die D&O-Versicherung
- Die Versicherbarkeit des Pflichtselbstbehaltes
- Verschiedene Versicherungsmodelle für die Selbstbehaltsversicherung
- Praktische Umsetzung und Probleme bei der Selbstbehaltsversicherung
- Handlungsempfehlungen für den Umgang mit dem Pflichtselbstbehalt in der D&O-Versicherung
Zusammenfassung der Kapitel
Die Arbeit beginnt mit einer Einleitung, die die Bedeutung der D&O-Versicherung im Kontext der Organhaftung in Aktiengesellschaften erläutert. Im zweiten Kapitel wird die Geschichte und die Marktsituation der D&O-Versicherung beleuchtet. Es werden die wichtigsten Elemente der D&O-Versicherung, wie der Gegenstand, die rechtliche Gestaltung, die Versicherungsnehmer und versicherten Personen, das Claims-Made-Prinzip und die Ausschlüsse, behandelt. Das dritte Kapitel befasst sich mit dem VorstAG und analysiert dessen Inhalte und Ziele.
Schlüsselwörter
D&O-Versicherung, Pflichtselbstbehalt, Vorstandvergütung, VorstAG, Organhaftung, Aktiengesellschaft, Versicherbarkeit, Selbstbehaltsversicherung, Anrechnungsmodell, Kumulmodell, Reine Individualversicherung.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Pflichtselbstbehalt in der D&O-Versicherung?
Durch das VorstAG (2009) wurde ein zwingender Selbstbehalt für Vorstände in der D&O-Versicherung eingeführt, um die persönliche Verantwortung zu stärken.
Welches Gesetz regelt die Vorstandsvergütung und den Selbstbehalt?
Es handelt sich um das "Gesetz zur Angemessenheit der Vorstandsvergütung" (VorstAG), insbesondere § 93 Abs. 2 S. 3 AktG.
Kann der gesetzliche Pflichtselbstbehalt versichert werden?
Die Arbeit untersucht genau diese Frage der Versicherbarkeit und stellt Modelle wie das Anrechnungsmodell oder die Individualversicherung vor.
Was ist das Claims-Made-Prinzip?
Es besagt, dass der Versicherungsschutz davon abhängt, wann der Anspruch gegen den Versicherten geltend gemacht wird, nicht wann der Verstoß stattfand.
Welche Rechtsfolgen hat eine Nichtumsetzung des Selbstbehaltes?
Die Arbeit analysiert die rechtlichen Konsequenzen für Aktiengesellschaften, wenn die Vorgaben des VorstAG nicht korrekt implementiert werden.
- Quote paper
- Christian Dietrich (Author), 2010, Neuerungen in der Directors & Officers Liability (D&O-Versicherung). Die Folgen des zwingenden Selbstbehaltes (§ 93 Abs. 2 S. 3 AktG), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/935271