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Das Bulgarienbild im Spiegel der deutschen Presse der Jahre 1912 - 1918

Titel: Das Bulgarienbild im Spiegel der deutschen Presse der Jahre 1912 - 1918

Magisterarbeit , 2007 , 147 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Patrick Schweitzer (Autor:in)

Geschichte Deutschlands - Erster Weltkrieg, Weimarer Republik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Mit Entsetzen beschrieb ein deutscher Journalist in der Frankfurter Zeitung vom 7. August 1913 seine im 2. Balkankrieg gewonnenen Erfahrungen: „Alle Minarets bis Adrianopel sind niedergelegt oder halb abgebrannt, alle Moscheen verwüstet und meist als Ställe benutzt worden.“ Als Urheber dieser „Schandtaten“ gegenüber der wehrlosen, türkischen Zivilbevölkerung benannte er die „bulgarische Soldateska und ihre viehischen Offiziere“, deren Verhalten er nur als das „bulgarischer Hunnen“ charakterisieren könne.1 Lediglich zwei Jahre später schien das Bild der bulgarischen Soldaten in der deutschen Presse ein ganz anderes zu sein, wie ein Journalist im Dresdner Anzeiger vom 23. September 1915 feststellte. Er schrieb, „[…] daß der Bulgare ein außerordentlich guter Soldat ist. Er ist tapfer, bedürfnislos, zäh und ordnet sich leicht der militärischen Disziplin unter. Infolgedessen ist der Geist und die Disziplin sowohl der Offiziere wie der Truppe außerordentlich gut.“2 Aber auch dieses positive Zeugnis war nur von kurzer Dauer. Bereits weitere drei Jahre danach schrieb der Journalist Karl Stein in der Rheinisch-Westfälischen Zeitung vom 8. Oktober 1918 über die bulgarische Armee in einem ähnlichen Tenor wie das eingangs erwähnte Zitat: „Die
demoralisierte bulgarische Soldateska brach in Makedonien und Altbulgarien ein, verbreitete hier eine starke Panik und verübte schwere Ausschreitungen.“3
Diese drei Zitate verdeutlichen schlaglichtartig die gravierenden Umschläge in der deutschen Berichterstattung über Bulgarien, seine Bewohner und sein Militär innerhalb von nur fünf Jahren – von den „bulgarischen Hunnen“ im August 1913 über die „außerordentlich guten Soldaten“ im September 1915 wieder zurück zur „bulgarischen Soldateska“ im Oktober1918. Nichtsdestotrotz stellt die Untersuchung dieses äußerst interessanten Wandels in der deutschen Bulgarienperzeption im Vorfeld und während des Ersten Weltkrieges bisher ein weitgehendes Forschungsdesiderat dar. Eine Tatsache, die schon insofern verwundert, als dass die deutsch-bulgarischen Beziehungen in dieser Zeit nicht nur massiven Veränderungen unterlagen, sondern auch, da im Laufe der Jahre 1915 – 1918 erstmals hunderttausende deutsche Soldaten in engeren Kontakt mit dieser Region und ihren Bewohnern kamen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITUNG

1.1 FRAGESTELLUNG

1.2 FORSCHUNGSSTAND UND QUELLEN

1.3 METHODIK

2 STRUKTURELLE RAHMENBEDINGUNGEN

2.1 DIE PRESSE IM DEUTSCHEN KAISERREICH IM VORFELD UND WÄHREND DES WELTKRIEGES

2.1.1 Die Presselandschaft im Kaiserreich

2.1.2 Pressekontrolle und Zensur

2.1.3 Kriegsberichterstatter

2.2 DIE BEZIEHUNGEN ZWISCHEN BULGARIEN UND DEUTSCHLAND IN DEN JAHREN 1912 – 1918

2.2.1 Die erste Phase: 1912 – 1914

2.2.2 Die zweite Phase: 1914 – 1918

3 BULGARIEN IN DER DEUTSCHEN PRESSE

3.1 DIE KRITISCHE PHASE 1912-1914

3.1.1 Statistik

3.1.2 „Seltsame Mischung aus Barbarentum und dem schon von Europa Übernommenen“

3.1.3 „Russische und bulgarische Flinten schießen nicht aufeinander“

3.1.4 „Die bulgarische Soldateska und ihre viehischen Offiziere“

3.2 DIE POSITIVE PHASE 1914 – 1918

3.2.1 Statistik

3.2.2 „Eine Umwertung des landläufigen Bulgarienbildes ist notwendig“

3.2.3 „Hier drängt eine Art Verwandtschaft zur Brüderschaft auf den Schlachtfeldern“

3.2.4 „Soldaten in deutschem Sinne“

3.3 RÜCKKEHR ZUM ALTEN MUSTER? – DER BULGARISCHE ZUSAMMENBRUCH

4 RESÜMEE

Zielsetzung & Themen

Das Hauptziel dieser wissenschaftlichen Arbeit ist die Untersuchung des Bulgarienbildes in der deutschen Presse während des Ersten Weltkrieges, wobei insbesondere die diachrone Gegenüberstellung der Phasen 1912–1914 und 1914–1918 im Fokus steht, um Gemeinsamkeiten, Unterschiede und die Gründe für den Wandel in der Wahrnehmung zu analysieren.

  • Diachrone Untersuchung der deutschen Bulgarienperzeption zwischen 1912 und 1918.
  • Analyse des Einflusses politischer und militärischer Ereignisse auf die Berichterstattung.
  • Untersuchung der Rolle von Stereotypen (Autostereotypen und Heterostereotypen) in der Presse.
  • Bewertung der Berichterstattung im Kontext der deutschen Pressepolitik, Zensur und Propaganda.
  • Vergleich der Darstellung Bulgariens mit anderen Balkanstaaten und europäischen Großmächten.

Auszug aus dem Buch

3.1.4 „Die bulgarische Soldateska und ihre viehischen Offiziere“

Bereits zu Beginn der ersten Phase wurde der bulgarischen Armee aufgrund der großen Erfolge im 1. Balkankrieg von der Mehrheit der deutschen Journalisten ein äußerst positives Urteil insbesondere im Hinblick auf ihre Leistungsfähigkeit attestiert: „Intensive Ausnützung des Menschenmaterials, vorzügliche Ausbildung, ebensolche Disziplin, gewissenhafteste Vorbereitung der Mobilisierung in allen Teilen kennzeichnen das bulgarische Heerwesen. Die Armee – in stetigem Fortschritte – ist jetzt schon die beste unter den Balkanarmeen und der gewichtigste Faktor bei den kriegerischen Ereignissen am Balkan.“

Bei einigen Journalisten steigerten sich die Elogen sogar noch, wenn sie die Effizienz der Armee in Relation zu ihrem erst relativ kurzem Bestehen und ihren recht kümmerlichen Anfängen als Miliz unter weitgehend russischer Kontrolle setzten. So beschrieb Hugo von Köller, der als Kavallerieoffizier in den Jahren der Unabhängigkeitskriege Bulgariens von 1879 bis 1882 in der bulgarischen Armee gekämpft hatte, genüsslich seine amüsanten Erfahrungen mit den Soldaten des Balkanlandes. Einmal seien seine Soldaten damals, so Köller, gar bei einem selbst nur simulierten Feuerüberfall panikartig geflohen - „So war es vor dreißig Jahren! Wie anders ist es heute!“

Nichtsdestominder offenbarten viele Autoren bei der Beurteilung der Vorgänge über die gesamte erste Untersuchungsphase doch eine gewisse Ambivalenz, die maßgeblich aus dem Glauben an die eigene Überlegenheit resultierte. So gestand z.B. ein Autor in der Kölnischen Volkszeitung vom 20. Juni 1913 den Balkanslawen durchaus zu, dass sie fähige Feldherren besessen hätten, „ [...] ob sie aber gegen europäische Heerführer erfolgreich kämpfen würden, bleibe dahingestellt.“ Schon die Verwendung des Begriffes „europäische Heerführer“ in Abgrenzung zu den bulgarischen Generälen zeigt deutlich, dass der Autor nicht nur vom eigenen Überlegenheitsgefühl geprägt war, sondern dass er unter Benutzung eines klassischen Heterostereotyps „die Bulgaren“ nur bedingt zu Europa zählte.

Zusammenfassung der Kapitel

1 EINLEITUNG: Die Einleitung beleuchtet die gravierenden Umschläge in der deutschen Bulgarienberichterstattung zwischen 1912 und 1918 und definiert das Forschungsdesiderat sowie die zentrale Fragestellung der Arbeit.

2 STRUKTURELLE RAHMENBEDINGUNGEN: Dieses Kapitel analysiert die Entwicklung der deutschen Presselandschaft im Kaiserreich sowie die politischen Beziehungen zwischen Deutschland und Bulgarien in den untersuchten Jahren.

3 BULGARIEN IN DER DEUTSCHEN PRESSE: Im Hauptteil werden die Berichterstattung über Bulgarien in den zwei Phasen 1912-1914 und 1914-1918 anhand statistischer Auswertungen sowie inhaltlicher Analysen auf kultureller, politischer und militärischer Ebene untersucht.

4 RESÜMEE: Das Resümee fasst die Ergebnisse zusammen und hebt den Zusammenhang zwischen realpolitischer Entwicklung, Medienecho und den zugrundeliegenden Wahrnehmungsfiltern der deutschen Presse hervor.

Schlüsselwörter

Bulgarien, Deutsches Kaiserreich, Erster Weltkrieg, Balkankriege, Presseberichterstattung, Bulgarienbild, Stereotypenforschung, Mediengeschichte, Propaganda, Zensur, Kriegsberichterstatter, Außenpolitik, Fremdwahrnehmung, Mittelmächte, Orient.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?

Die Arbeit untersucht das Bild, das die deutsche Presse im Zeitraum von 1912 bis 1918 über Bulgarien zeichnete, und wie sich dieses Bild im Verlauf der politischen Ereignisse veränderte.

Welches sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Schwerpunkte liegen auf der Analyse der deutschen Presselandschaft, den deutsch-bulgarischen politischen Beziehungen, der Berichterstattung über den bulgarischen Volkscharakter, die Politik und das Militär sowie der Nutzung von Stereotypen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist eine diachrone Gegenüberstellung der Berichterstattung in den Jahren 1912–1914 und 1914–1918, um zu klären, ob und warum sich das deutsche Bild von „den Bulgaren“ vor dem Hintergrund der veränderten militärischen und politischen Beziehungen änderte.

Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit angewendet?

Die Arbeit basiert primär auf einer systematischen Auswertung von Zeitungsartikeln und Karikaturen aus den wichtigsten deutschen Tages- und Satirezeitungen der Zeit, basierend auf bibliografischen Verzeichnissen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine kritische Phase (1912–1914) und eine positive Phase (1914–1918). Er behandelt statistische Daten zum Medieninteresse und analysiert die Darstellung auf kultureller, politischer und militärischer Ebene.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Bulgarien, Deutsches Kaiserreich, Erster Weltkrieg, Presseberichterstattung, Bulgarienbild, Mediengeschichte und Stereotypenforschung.

Wie bewerteten deutsche Journalisten die bulgarische Armee in der ersten Phase?

In der ersten Phase wurde der bulgarischen Armee trotz einiger Vorbehalte aufgrund ihrer Erfolge im ersten Balkankrieg eine hohe Leistungsfähigkeit attestiert, jedoch blieb eine gewisse Ambivalenz bestehen, da die bulgarischen Generäle oft nicht als „europäische Heerführer“ betrachtet wurden.

Welche Rolle spielte die Wahrnehmung des Zaren Ferdinand für das Bulgarienbild?

Ferdinand wurde anfangs in Karikaturen oft negativ dargestellt, wandelte sich aber während des Krieges in der Berichterstattung zu einer positiven Figur, die oft als „Schmied von Sofia“ und tatkräftiger Staatslenker idealisiert wurde, um die Bündnistreue zu unterstreichen.

Ende der Leseprobe aus 147 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Das Bulgarienbild im Spiegel der deutschen Presse der Jahre 1912 - 1918
Hochschule
Universität Potsdam
Note
1,0
Autor
Patrick Schweitzer (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2007
Seiten
147
Katalognummer
V93375
ISBN (eBook)
9783638063067
ISBN (Buch)
9783638952248
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bulgarienbild Spiegel Presse Jahre
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Patrick Schweitzer (Autor:in), 2007, Das Bulgarienbild im Spiegel der deutschen Presse der Jahre 1912 - 1918, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/93375
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