Die Geschichte, wie Jesus seinen Jüngern die Füße wäscht (Joh 13,1-20), ist „die Geschichte der vollendeten Liebe“ (Blank 1977:36). Nur wenige Texte der Bibel zeigen die Erniedrigung, der sich Jesus Christus selbst unterworfen hat, deutlicher. Dies macht diese Geschichte so eindrücklich.
Diese Geschichte als evangelistische Predigt für eine Zielgruppe von Nichtchristen zu vermitteln, bringt aber gewisse Schwierigkeiten mit sich. Ein Problem besteht darin, dass sich der Skopus des Textes (V. 15) an Christen wendet. Desweiteren enthält der Text so manche Formulierung, die für Menschen, die nicht christlich sozialisiert sind, unverständlich oder gar anstößig sind. Die Bedingungen, aus diesem Text eine evangelistische Predigt zu formulieren, sind also alles andere als ideal. Dass es aber dennoch gelingen kann, soll diese Arbeit zeigen. Das Thema der Evangelisationspredigt ist in der wissenschaftlichen Theologie ein umstrittenes Thema, wie Bub in seiner bedeutenden Dissertation zu diesem Thema schon im Untertitel hervorhebt (1990). Manche verschweigen das Thema gänzlich. So sucht man es z.B. vergeblich in Rösslers Kapitel zur Homiletik in seinem „Grundriß der Praktischen Theologie“ (1994:346-406). Winter gesteht demgegenüber der missionarischen Verkündigung jedoch einen wichtigen Raum im Gemeindeleben zu (1979:279f.), was er mit dem deutlichen Satz „Ohne das missionarische Zeugnis ist eine Kirche keine lebendige Kirche“ (:282) am klarsten zum Ausdruck bringt. Im „Handbuch der Praktischen Theologie“ von Bloth u.a. werden dem Thema der Evangelisation sogar zwei Kapitel gewidmet (1987:79- 89). Diese drei exemplarischen Beispiele sollen genügen, um zu zeigen, welchen unterschiedlichen Stellenwert der Evangelisationspredigt innerhalb der Praktischen Theologie zugemessen wird.
Der erste Teil dieser Arbeit beinhaltet eine ausführliche Exegese. Im zweiten Hauptteil wird zunächst der Hörerkreis und die Predigtsituation dargestellt (Kap. 2.1), woraus sich die weiteren Überlegungen ergeben, wie die Geschichte der Fußwaschung speziell auf diesen Hörerkreis und diese Predigtsituation hin gestaltet werden kann (Kap. 2.2). Zuletzt folgt die evangelistische Predigt (Kap. 2.3).
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- 1. Exegese zu Joh 13,1-20
- 1.1 Der Text
- 1.1.1 Gliederung
- 1.1.2 Erläuterungen zur Gliederung
- 1.2 Einzelexegese
- 1.3 Joh 13 im Kontext
- 1.3.1 Joh 13 im Kontext des Johannes-Evangeliums
- 1.3.2 Joh 13 im Kontext der Evangelien
- 1.1 Der Text
- 2. Die Textvermittlung
- 2.1 Hörerkreis und Predigtsituation
- 2.2 Probleme der Vermittlung des Textes
- 2.3 Evangelistische Predigt über die Fußwaschung
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit befasst sich mit der Geschichte der Fußwaschung Jesu (Joh 13,1-20) und ihrer Bedeutung für die evangelistische Predigt. Sie untersucht die exegetischen Aspekte des Textes, analysiert die Herausforderungen seiner Vermittlung an Nichtchristen und präsentiert eine evangelistische Predigt, die auf diesen Text basiert.
- Exegese des Textes Joh 13,1-20
- Herausforderungen der Evangelisationspredigt
- Die Fußwaschung als Symbol der Liebe und Erniedrigung Jesu
- Die Bedeutung von Vergebung und Dienst für die evangelistische Botschaft
- Anpassung des Textes an die Bedürfnisse eines nichtchristlichen Hörerkreises
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung stellt die Thematik der Arbeit vor und beleuchtet die besondere Bedeutung des Textes der Fußwaschung. Kapitel 1 bietet eine detaillierte Exegese des Textes Joh 13,1-20, inklusive Gliederung, Einzelexegese und Einordnung in den Kontext des Johannes-Evangeliums sowie der anderen Evangelien. Kapitel 2 widmet sich der Textvermittlung. Hier werden der Hörerkreis und die Predigtsituation betrachtet, bevor die Herausforderungen der Vermittlung des Textes an Nichtchristen analysiert werden. Schließlich präsentiert dieses Kapitel die evangelistische Predigt über die Fußwaschung.
Schlüsselwörter
Evangelisation, Predigt, Fußwaschung, Johannes-Evangelium, Exegese, Textvermittlung, Hörerkreis, Predigtsituation, Liebe, Erniedrigung, Vergebung, Dienst, Nichtchristen.
Häufig gestellte Fragen
Was ist die theologische Bedeutung der Fußwaschung in Joh 13?
Die Fußwaschung symbolisiert die vollendete Liebe und die extreme Erniedrigung Jesu Christi, der sich als Herr zum Diener seiner Jünger macht.
Welche Schwierigkeiten gibt es bei einer evangelistischen Predigt über diesen Text?
Ein Problem ist, dass der Text sich primär an Christen wendet (V. 15). Zudem enthalten manche Formulierungen Begriffe, die für kirchenferne Menschen unverständlich oder anstößig wirken können.
Was ist der Fokus einer evangelistischen Auslegung von Joh 13?
Der Fokus liegt auf der Vermittlung der Botschaft von Vergebung, Dienstbereitschaft und der bedingungslosen Liebe Gottes an eine Zielgruppe, die nicht christlich sozialisiert ist.
Welche Rolle spielt die missionarische Verkündigung in der Kirche?
Wie im Text zitiert wird: „Ohne das missionarische Zeugnis ist eine Kirche keine lebendige Kirche“. Sie ist ein wesentlicher Bestandteil des Gemeindelebens, auch wenn sie in der wissenschaftlichen Theologie unterschiedlich gewichtet wird.
Wie ist die Arbeit gegliedert?
Die Arbeit besteht aus einer ausführlichen Exegese von Joh 13,1-20, einer Analyse der Predigtsituation und des Hörerkreises sowie dem Entwurf einer konkreten evangelistischen Predigt.
- Arbeit zitieren
- Dirk Fuisting (Autor:in), 2008, Exegese und evangelistische Predigt über die Fußwaschung (Joh 13), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/93328