Einleitung +++ Um 1900 begann sich die Fotografie langsam von der Kunstmalerei abzugrenzen. Fortschritte in Technik und Kommunikation ebenso wie der immer komplexere und schnellere Lebenswandel der westlichen Gesellschaft trugen dazu bei, dass die Vorzüge der Fotografie gegenüber der althergebrachten Kunst erkannt und geschätzt wurden. Mitte der Zwanziger Jahren traf sich in Berlin, einer der bedeutendsten Kulturmetropole der Epoche, eine Elite von jungen, innovativen Künstlern, darunter viele Fotografen, die in der Tradition des Neuen Sehens eine neue Form des Bildjournalismus prägten. Die Fotografie wurde zum Mittel der Dokumentation, ein Instrument, das die Realität so wiedergeben sollte, wie sie geschehen war. Dies stand in starken Gegensatz zu Gebrauch der Kamera in den gesetzten Gesellschaftskreisen, wo man versuchte Fotografien herzustellen, welche eine möglichst grosse Ähnlichkeit mit Gemälden aufwiesen. +++ Martin Munkacsi, gebürtigter Ungar, war einer dieser jungen Fotografen, die den Bildjournalismus mit revolutionären Bildern nachhaltig beeinflussten. Er begann in den Zwanziger Jahren in Ungarn als Pressefotograf und machte mit ungewohnt spontanen und dynamischen Bildern auf sich aufmerksam. Nachdem er in Berlin als Pressefotograf für den Ullsteinverlag gearbeitet hatte, wanderte er 1933 in die USA aus, wo er zu den gefragtesten Modefotografen der Zeit zählte. +++ In der vorliegenden Arbeit wird nach einer theoretischen Einleitung zur Bildanalyse kurz auf die technischen und gesellschaftlichen Entwicklungen in der Zeit von 1900 – 1933 eingegangen, um dann im dritten Kapitel Martin Munkacsi, seine Arbeit sowie die verschieden Stationen seines Leben zu charakterisieren. Anhand der Analyse verschiedener Bilder, welche er im Zeitraum zwischen 1926 – 1935 aufgenommen hatte, wird versucht, die Frage zu klären, ob seine Arbeit als Bildjournalist die Modefotografie oder die Modefotografie seinen Bildjournalismus beeinflusst hat. Das methodische Vorgehen werde ich im Kapitel eins näher erläutern.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- 1.1. Das Bild
- 1.2. Das Dreischrittschema nach Erwin Panofsky:
- 1.3. Visuelle Kommunikationsforschung nach Marion G. Müller:
- 1.4. Methode
- 2. Entwicklung in Fotografie und Gesellschaft
- 2.1. Piktorialismus
- 2.2. Die Neue Sachlichkeit
- 2.3. Technik
- 2.4. Die Mode- und Gesellschaftsfotografie
- 2.5. Der Bildjournalismus_
- 3. Martin Munkacsi
- 3.1. Biografisches:
- 3.2. 1912-1928 Budapest:
- 3.3. 1928-1934 Berlin:
- 3.4. 1934-1963 New York
- 3.5. Think while you shoot:
- 4. Bildanalyse
- 4.1. Ungarn 1926 - 1929
- 4.2. Deutschland 1929 – 1933
- 4.3. Anfänge in den USA 1933 - 1935
- 5. Schlussinterpretation
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Seminararbeit untersucht die Rolle des Bildjournalismus im Wandel der Fotografie und analysiert das Werk von Martin Munkacsi. Der Fokus liegt auf der Frage, inwiefern Munkacsis journalistische Arbeit die Modefotografie beeinflusst hat und umgekehrt.
- Entwicklung der Fotografie im Kontext gesellschaftlicher Veränderungen
- Das Verhältnis von Bildjournalismus und Modefotografie
- Martin Munkacsis Werdegang und seine Bildsprache
- Analyse ausgewählter Bilder aus verschiedenen Perioden seines Schaffens
- Einfluss von Technik und gesellschaftlichen Konventionen auf die Bildgestaltung
Zusammenfassung der Kapitel
- Einleitung: Die Arbeit stellt die Bedeutung der Fotografie im frühen 20. Jahrhundert dar, die sich von der Malerei emanzipierte und neue Ausdrucksformen fand, insbesondere im Bereich des Bildjournalismus.
- Kapitel 1: Das Bild: Dieses Kapitel beleuchtet verschiedene Ansätze zur Bildanalyse, insbesondere das Dreischrittschema von Erwin Panofsky und die visuelle Kommunikationsforschung nach Marion G. Müller.
- Kapitel 2: Entwicklung in Fotografie und Gesellschaft: Hier wird die Entwicklung der Fotografie im Kontext von Piktorialismus und Neuer Sachlichkeit sowie den technischen Fortschritten und gesellschaftlichen Veränderungen der Zeit dargestellt. Das Kapitel beleuchtet auch die Entstehung der Mode- und Gesellschaftsfotografie und des Bildjournalismus.
- Kapitel 3: Martin Munkacsi: Dieses Kapitel behandelt Munkacsis Lebensweg und Karriere, von seinen Anfängen in Ungarn über seinen Aufenthalt in Berlin bis hin zu seinem Erfolg als Modefotograf in den USA.
- Kapitel 4: Bildanalyse: Dieses Kapitel widmet sich der Analyse ausgewählter Bilder von Munkacsi aus den Jahren 1926-1935. Die Analyse soll Erkenntnisse über seinen Stil und die Wechselwirkungen zwischen Bildjournalismus und Modefotografie liefern.
Schlüsselwörter
Bildjournalismus, Modefotografie, Martin Munkacsi, Fotografiegeschichte, visuelle Kommunikation, Bildanalyse, Neue Sachlichkeit, Piktorialismus, Erwin Panofsky, Marion G. Müller, Produktionsanalyse, Produkteanalyse, Wirkungsanalyse, Ungarn, Berlin, New York
Häufig gestellte Fragen
Wer war Martin Munkacsi?
Martin Munkacsi war ein ungarischer Fotograf, der den Bildjournalismus und die Modefotografie durch seine dynamischen und spontanen Aufnahmen revolutionierte. Er arbeitete in Budapest, Berlin und später als Starfotograf in New York.
Wie beeinflusste Munkacsis Bildjournalismus die Modefotografie?
Munkacsi brachte die Bewegung und Spontaneität des Journalismus in das damals statische Genre der Modefotografie. Er befreite die Models aus den Studios und fotografierte sie in natürlichen, aktiven Situationen.
Was bedeutet Munkacsis Motto „Think while you shoot“?
Es beschreibt seine Arbeitsweise, bei der die geistige Vorbereitung und das schnelle Erfassen des Augenblicks entscheidend sind, um trotz der Schnelligkeit der Aufnahme eine präzise Bildaussage zu treffen.
Welche Rolle spielte Berlin für die Entwicklung der Fotografie um 1930?
Berlin war eine Kulturmetropole, in der junge Künstler das „Neue Sehen“ prägten. Die Fotografie entwickelte sich hier weg von der Malerei hin zu einem eigenständigen Dokumentationsinstrument der Realität.
Was ist das Dreischrittschema nach Erwin Panofsky?
Es ist eine Methode der Bildanalyse, die Munkacsis Werk untersucht. Sie gliedert sich in die vor-ikonographische Beschreibung, die ikonographische Analyse und die ikonologische Interpretation.
Was unterscheidet den Piktorialismus von der Neuen Sachlichkeit?
Der Piktorialismus versuchte, Fotografien wie Gemälde aussehen zu lassen. Die Neue Sachlichkeit hingegen betonte die technischen Vorzüge der Kamera zur sachlichen und scharfen Abbildung der Realität.
- Citar trabajo
- Corinne Leuenberger (Autor), 2007, Martin Munkacsi - Vom Bildjournalismus zur Modefotografie, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/93055