In seinem Werk „Die Welt der Dienstleistung“ äußerte sich MANGOLD (1998) wie folgt: „Die Entwicklung der Dienstleistungsgesellschaft ist neben dem Trend der Globalisierung und Informationsorientierung der Trend, der die Wirtschaft am meisten prägen wird“. In diesem Zuge hat sich auch die Bedeutung der deutschen Industrie beachtlich verändert. Galt diese früher als Basis des wirtschaftlichen Wohlstands, wird sie in den öffentlichen Debatten häufig als veralteter und überholter Sektor betrachtet, der in hoch entwickelten Volkswirtschaften keine Zukunft mehr hat. Von den 10 größten Konzernen weltweit haben lediglich 3 ihren Fokus auf die Güterproduktion gelegt. Weltweit dominieren Handelskonzerne (z.B. WAL MART), Raffineriekonzerne sowie Banken die internationale Wirtschaft.
In der Literatur wird die Industriegesellschaft häufig mit den ökonomischen und gesellschaftlichen Verhältnissen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts verglichen, die der heutigen „Informations- und Wissensgesellschaft“ weichen mussten. Die Öffentlichkeit registriert den Abbau der reinen Industriearbeitertätigkeit in der Werkhalle; zum einen durch Abbau und Verlagerung der Industrie, zum anderen durch Veränderung der Tätigkeiten innerhalb der Unternehmen. Dieses Phänomen ist in den 18 reichsten Demokratien seit 1960 mal stärker, mal schwächer zu beobachten.
Für Deutschland zeigt sich, dass zwischen 1960 und 2007 der Anteil des produzierenden Gewerbes an der Bruttowertschöpfung (BWS) zu den jeweiligen Preisen von 53,2% auf knapp 30% zurückgegangen ist. Im Bereich des produzierenden Gewerbes sank die Beschäftigung zwischen 1991 und 2007 um fast 4 Mio. Arbeitsplätze. Im selben Zeitraum schuf der Dienstleistungsbereich annähernd 6 Mio. neue Arbeitsplätze und wuchs in der BWS im Jahr 2007 auf etwa 69,1 % der Gesamtwirtschaft an.
1 Einleitung
1.1 einheitliche Begriffsdefinitionen für die Arbeit
1.1.1 Deutsche Wirtschaft
1.1.2 Strukturwandel und dessen Messung
1.1.3 De-Industrialisierung und Tertiarisierung
1.1.4 Dienstleistung
1.2 Die Relevanz des Themas
1.3 Ziele und Aufbau der Arbeit
2 Strukturwandel der deutschen Wirtschaft
2.1 Gründe für den Strukturwandel
2.1.1 Der Strukturwandel nach Fourastié
2.1.2 Eine kritische Betrachtung der Theorie
2.2 Konjunkturelle Einwirkungen auf den Strukturwandel
2.3 Der Einfluss von Wechselkursen und produktivtätswachstum auf den Strukturwandel
2.4 Problem der statistischen Erfassung
2.5 Steht Deutschland an der Schwelle einer Industrialisierung?
2.6 Der Strukturwandel anderer Staaten
2.6.1 Das vermeintliche britische Erfolgsmodell
2.6.1.1 Die Entwicklung der De-Industrialisierung
2.6.1.2 Fazit
2.6.2 Eine Betrachtung Amerikas Politik der De-Industrialisierung
2.6.2.1 Ursachen und Folgen der Sektorenentwicklung
2.6.2.2 Fazit
3 Untersuchung des Strukturwandels innerhalb der Sektoren
3.1 Gliederung und Unterscheidung verschiedener Dienstleistungen
3.1.1 Die Erfassung unternehmensorientierter Dienstleistungen
3.1.2 Eine Arbeitsdefinition für Unternehmensdienstleister
3.2 Industrie und Dienstleistung in Deutschland
3.2.1 Die Bedeutung der Industrie für die Wirtschaft
3.2.2 Die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie
3.3 Die Industrie als Dienstleister
3.4 Produktbegleitende Dienstleistungen
4 Die positive Korrelation von Industrie und Dienstleistung
4.1 Die Verflechtung zwischen Industrie und Dienstleistung
4.1.1 Technologische Koeffizienten der Input-Output-Tabelle
4.1.2 Der Einfluss einer Endnachfrageerhöhung auf die Makrosektoren
4.1.3 Internationaler Einfluss auf die Sektorenverflechtung
4.2 Einfluss von externen Komponenten auf die Outputentwicklung
4.3 Technologieverflechtung zwischen Industrie und Dienstleistungen
5 Strukturwandel der Unternehmen und der Beschäftigung
5.1 Konzerne
5.1.1 IBM
5.1.2 Von der PREUSSAG zur TUI
5.1.3 SIEMENS
5.2 Strukturelle Anpassung im Mittelstand anhand der WEINIG Gruppe
5.3 Die Zukunft der Industriebeschäftigten
6 Schlussbetrachtung
6.1 Welchen Weg wird die Industrie in Zukunft gehen?
6.2 Ausblick auf die EU - Dienstleistungsrichtlinie
6.3 Fazit und ausblick
7 Quellen und Anhang
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht den Strukturwandel der deutschen Wirtschaft und geht der zentralen Forschungsfrage nach, ob der Dienstleistungssektor unterentwickelt ist und welche Auswirkungen dieser Wandel auf Industrie und Beschäftigung hat.
- Analyse des sektoralen Strukturwandels anhand von Bruttowertschöpfung und Erwerbstätigkeit.
- Untersuchung der Verflechtung von Industrie und Dienstleistung durch Input-Output-Tabellen.
- Vergleich der deutschen Sektorentwicklung mit dem Vereinigten Königreich und den USA.
- Betrachtung struktureller Anpassungsprozesse in Konzernen und im Mittelstand.
- Diskussion der Bedeutung von produktbegleitenden Dienstleistungen für die industrielle Wettbewerbsfähigkeit.
Auszug aus dem Buch
1.1.2 Strukturwandel und dessen Messung
Als „Struktur“ wird im Folgendem die Disaggregation einer volkswirtschaftlichen Gesamtgröße in homogene Teilgrößen, in diesem Fall in Wirtschaftssektoren, bezeichnet. Der Strukturwandel beschreibt den relativen Bedeutungsverlust und Abbau der Produktionskapazitäten eines Sektors im Vergleich zu den anderen. Dieser Wandel vollzog sich von dem extraaktiven Industriesektor, der Land- und Forstwirtschaft, dem Wasser- und Energiebereich sowie dem Bergbau - dem so genannten primären Bereich - zum sekundären Bereich des verarbeitenden Gewerbes sowie des Baugewerbes, und zuletzt vom sekundären in den tertiären Dienstleistungssektor.
Struktureller Wandel kann mikroökonomisch damit erklärt werden, dass jedes Unternehmen seine Faktorallokation so anpasst, dass es sich optimal am Markt behaupten kann. Einflussfaktoren können eine Änderung des Nachfrageverhaltens, gepaart mit einer Veränderung der relativen Preise, sein und bzw. oder auf der Angebotsseite z.B. die Veränderung der Faktorausstattung bzw. technischer Fortschritt.
Die makroökonomische Erklärung sieht den Strukturwandel besonders von dem Konjunkturverlauf beeinflusst. Daraus folgt, dass speziell in konjunkturellen Extremlagen der Strukturwandel besonders stark ausfällt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Definiert die zentralen Begriffe und erläutert die Relevanz des Themas sowie den Aufbau der Arbeit.
2 Strukturwandel der deutschen Wirtschaft: Analysiert Gründe für den Strukturwandel, konjunkturelle Einflüsse und vergleicht die Entwicklung mit Großbritannien und den USA.
3 Untersuchung des Strukturwandels innerhalb der Sektoren: Differenziert Dienstleistungen und beleuchtet die Rolle der Industrie als Dienstleister sowie produktbegleitende Dienstleistungen.
4 Die positive Korrelation von Industrie und Dienstleistung: Untersucht die Verflechtung der Sektoren mithilfe von Input-Output-Tabellen und belegt eine komplementäre statt substituierende Beziehung.
5 Strukturwandel der Unternehmen und der Beschäftigung: Illustriert Anpassungsprozesse an Beispielen wie IBM, TUI und der WEINIG Gruppe.
6 Schlussbetrachtung: Fasst die Kernergebnisse zusammen und diskutiert die Auswirkungen der EU-Dienstleistungsrichtlinie.
7 Quellen und Anhang: Bietet das Literaturverzeichnis und zusätzliche Tabellen/Datenanhänge.
Schlüsselwörter
Strukturwandel, De-Industrialisierung, Tertiarisierung, Dienstleistungssektor, deutsche Industrie, Input-Output-Tabelle, Bruttowertschöpfung, produktbegleitende Dienstleistungen, Beschäftigung, Wettbewerbsfähigkeit, Export, technologische Verflechtung, KMU, Humankapital, Hybridunternehmen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Strukturwandel der deutschen Wirtschaft von einer Industriegesellschaft hin zu einer Dienstleistungsgesellschaft und hinterfragt dabei die Wahrnehmung des Dienstleistungssektors.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen die Gründe für den Strukturwandel, die Verflechtung zwischen Industrie und Dienstleistung, die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie sowie die Bedeutung von produktbegleitenden Dienstleistungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es zu analysieren, ob der deutsche Dienstleistungssektor unterentwickelt ist und ob der Rückgang der Industrie tatsächlich eine Gefahr für den wirtschaftlichen Wohlstand darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es werden empirische Daten wie Input-Output-Tabellen, sektorale Beschäftigungsstatistiken und Bruttowertschöpfungszahlen analysiert, ergänzt durch eine Literaturanalyse.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die theoretischen Grundlagen des Strukturwandels, die sektorale Verflechtung, die Rolle von Dienstleistungen in Industrieunternehmen sowie Fallbeispiele zur Unternehmensanpassung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Strukturwandel, Tertiarisierung, Industrie, Dienstleistungssektor, Input-Output-Analyse, Wettbewerbsfähigkeit.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle der deutschen Industrie?
Die Arbeit bewertet die deutsche Industrie als weiterhin sehr leistungsfähig, exportstark und als essenzielle Basis für den Erfolg des Dienstleistungssektors.
Welche Bedeutung haben "produktbegleitende Dienstleistungen"?
Sie dienen als Differenzierungsmerkmal im Wettbewerb, verstärken die Kundenbindung und transformieren traditionelle Industrieunternehmen zunehmend in "Hybridunternehmen".
- Arbeit zitieren
- Sebastian Gerling (Autor:in), 2008, Strukturwandel der deutschen Wirtschaft - Ist der Dienstleistungssektor unterentwickelt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92833