Mit dem Begriff der Handlungsorientierung im Geschichtsunterricht werden zwei unterschiedliche Aspekte bezeichnet, die sich aus der Reformpädagogik und der Kognitionspsychologie entwickelt haben, die jedoch letztlich ineinander greifen. Handlungsorientierung umfasst zum einen eine schüleraktivierende Unterrichtsmethode, zum anderen ein Prinzip historischen Lernens. Der Begriff der Handlungsorientierung gilt in der neueren Forschung der Allgemeindidaktik als Modeerscheinung, die sich erst vor kurzer Zeit auch im Bereich der Fachdidaktiken etabliert hat. Dies lässt sich u.a. darauf zurückführen, dass sich das deutsche Schulwesen im Laufe seiner Entwicklung von den starren Unterrichtsstrukturen voriger Jahrhunderte entfernte, dessen Geschichtsunterrichtsgestaltung auf einem fast rein kognitiven System aufgebaut war. Die Brücke zwischen Denken und Handeln, die seit jeher in jedem Menschen besteht, sollte besser genutzt werden, da das Handeln nicht nur als bloßes Tätigsein verstanden wird, sondern in einem umfassenden Sinn als Ursprung des Denkens. Daneben wird vermutet, dass viele Schüler nicht mehr die Vorstellungskraft besitzen, die es ihnen ermöglichen würde, das Geschehen der Vergangenheit interessant und ansehnlich werden zu lassen. Ein Grund dafür ist in dem erfahrungsarmen Lernangebot zu finden.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung und Definition
II. Nutzen im Geschichtsunterricht
III. Vorstellung eines unterrichtspraktischen Beispiels
IV. Schlussbetrachtung
V. Literaturverzeichnis
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das Konzept des handlungsorientierten Geschichtsunterrichts, erörtert dessen theoretische Grundlagen sowie praktischen Nutzen und demonstriert anhand eines konkreten Unterrichtsbeispiels zur deutschen Einheit 1989, wie Schüleraktivität und historische Lernprozesse sinnvoll miteinander verknüpft werden können.
- Grundlagen der Handlungsorientierung (Reformpädagogik und Kognitionspsychologie)
- Bedeutung der Schüleraktivität und Selbstorganisation im Unterricht
- Konkretisierung von Lernergebnissen durch Handlungsprodukte
- Die Rolle der Lehrperson als Initiator und Berater
- Reflexion als zentraler Bestandteil des Lernprozesses
Auszug aus dem Buch
III. Vorstellung eines unterrichtspraktischen Beispiels
Die Einstiegsphase beginnt der Lehrer mit der Präsentation einiger prägnanter Bilder der Deutschen Einheit, wie beispielsweise einem Bild der vollbesetzten Berliner Mauer nach der Öffnung am 9. November 1989; fakultativ könnte auch ein kurzer Film mit einigen Szenen aus dieser Nacht gezeigt werden. Darauf aufbauend tragen die Schüler im Unterrichtsgespräch ihr Wissen über die Deutsche Einheit zusammen; dies kann beispielsweise durch ein Brainstorming erfolgen, ggf. ergänzt durch kurze Erklärungen und Erläuterungen des Lehrers. Um bereits jetzt handelnd einzugreifen, können die Schüler auf die Frage des Lehrers, welche Bedeutung die Deutsche Einheit für eine spezielle der betrachteten Gruppe hatte (z.B. für die ostdeutsche Bevölkerung), ihre Meinung äußern und auch Was-wäre-wenn-Szenarien entwerfen, die der Lehrer impulsiv anstößt.
Nach dem Unterrichtseinstieg erfolgt die Aufgabenstellung des Lehrers, die das Handlungsprodukt erklärt, das mit den Schülern zusammen erarbeitet werden soll. In diesem speziellen Fall legt der Lehrer fest, dass die Schüler an einem fiktiven runden Tisch teilnehmen sollen, der zwischen den Parteien der USA, UdSSR, West- und Ostdeutschland stattfindet. Zu diesem Zweck wird die Klasse in vier Gruppen eingeteilt, die die verschiedenen Parteien darstellen sollen. Der Lehrer gibt die Aufgabenstellung, dass sich jede Partei Argumente zusammensuchen soll, wieso eine Verschmelzung der beiden deutschen Staaten stattfinden sollte oder nicht. Hierzu haben die Schüler zu Hause und in der nächsten Stunde Zeit, sich durch ausgewählte Quellen und Sekundärtexte über die Fronten zu informieren und die Positionen der jeweiligen Parteien zu betrachten. Zur tiefer gehenden Recherche werden vom Lehrer Materialien ausgegeben, auch das Internet und andere Medien können in der Vorbereitungszeit genutzt werden, sofern sie vorhanden sind.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung und Definition: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Wurzeln der Handlungsorientierung aus der Reformpädagogik und Kognitionspsychologie und definiert sie als schüleraktivierende Unterrichtsmethode sowie Prinzip historischen Lernens.
II. Nutzen im Geschichtsunterricht: Hier wird der Mehrwert handlungsorientierten Unterrichts beschrieben, insbesondere die Steigerung der Identifikation der Schüler mit dem Stoff sowie die Förderung von Methodenkompetenz durch die Erstellung von Produkten.
III. Vorstellung eines unterrichtspraktischen Beispiels: Anhand des Themas "Deutsche Einheit 1989" wird konkret aufgezeigt, wie eine Einstiegs-, Erarbeitungs- und Reflexionsphase methodisch gestaltet werden kann.
IV. Schlussbetrachtung: Das Kapitel resümiert, dass Handlungsorientierung ein qualitativ hochwertiger Ansatz ist, der jedoch ein breites pädagogisches Kompetenzspektrum von der Lehrkraft fordert.
V. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten fachdidaktischen Quellen und Standardwerke.
Schlüsselwörter
Handlungsorientierung, Geschichtsunterricht, Schüleraktivität, Reformpädagogik, Kognitionspsychologie, Handlungsprodukt, Projektarbeit, historische Erkenntnis, Reflexion, Methodenkompetenz, Selbstständigkeit, historische Lernprozesse, Unterrichtsgestaltung, Sachlogik, Lernlogik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt das Konzept und die Anwendung des handlungsorientierten Geschichtsunterrichts im schulischen Kontext.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die theoretische Herleitung der Handlungsorientierung, der praktische Nutzen für Lernprozesse und die methodische Umsetzung in verschiedenen Unterrichtsphasen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie durch eine gezielte Handlungsorientierung das historische Lernen effektiver gestaltet und die Schüleraktivität gesteigert werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse aktueller fachdidaktischer Werke sowie der methodischen Konzeption eines unterrichtspraktischen Beispiels.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Definition, die Analyse des Nutzens für den Geschichtsunterricht und die detaillierte Darstellung eines Projektbeispiels zur Deutschen Einheit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Handlungsorientierung, Schüleraktivität, Handlungsprodukt, Projektarbeit, Reflexion und Methodenkompetenz.
Wie definiert der Autor das "Arbeitsbündnis" im Unterricht?
Das Arbeitsbündnis beschreibt die Phase, in der sich Lehrer und Schüler über das anzustrebende Handlungsprodukt und die zu lösende Aufgabenstellung einigen.
Warum ist die Reflexionsphase laut Autor so bedeutend?
Die Reflexion ist essenziell, um die durch Aktionen gewonnenen Erfahrungen in den historischen Erkenntnisprozess und die Sachebene zu überführen.
- Arbeit zitieren
- Alexander Müsegades (Autor:in), 2008, Handlungsorientierter Geschichtsunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/91622