Die Modulabschlussarbeit beschäftigt im systematisch-theologischen Teil mit dem Oberthema Sünde im Kontext der Ur-Geschichte aus dem Alten Testament. Dabei werden Exkurse zur Rechtfertigungslehre Luthers ebenso wie die Betrachtung des Sündenbegriffs aus sozialethischer Perspektive miteingebunden. Im religionspädagogischen Teil geht es dann darum, eine konkrete Unterrichtseinheit zum Thema "Wie Sünde das gesellschaftliche Miteinander beeinflusst" in einer 7. Klasse darzulegen. Hier ist eine sechstündige Unterrichtsreihe inkl. Kommentar vorhanden.
Die 18 Teilnehmer des Unterrichts besuchen seit der Grundschule durchgängig den Religionsunterricht (RU) und kennen schon viele biblischen Geschichten und Inhalte. Mit dem Sündenbegriff haben sie sich bisher kaum auseinandergesetzt, weswegen ein Zurückgreifen auf die Urgeschichte im Alten Testament viel Sinn macht, weil die meisten von ihnen mit Adam, Eva, Kain und Abel bereits viel anfangen können. Hierzu später mehr in meinem Unterrichtsentwurf.
Innerhalb der Klasse gibt es viele kleine Gruppen, wodurch es immer mal wieder zu Ausgrenzung und Enttäuschungen kommt, weil nicht alle einen respektvollen Umgang miteinander pflegen. Im RU machen sie dafür nahezu alle interessiert und diszipliniert mit. Die SuS nehmen motiviert am RU teil. Sie kennen diverse Methoden und sind mit der Durchführung dieser vertraut, was die Durchführung des RU wesentlich erleichtert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Bedingungsanalyse
3. Sachanalyse
3.1 Einleitung
3.2 Was bedeutet Sünde im Kontext der biblischen Urgeschichte?
3.3 Sünde im Neuen Testament: Ein Beispiel
3.4 Die Moralisierung des Sündenbegriffs: Ein Erklärungsversuch
3.5 Luther versus Brunner: Ist das „Sündigen“ Zustand oder Akt?
3.6 Exkurs: Rechtfertigungslehre
3.7 Die Sünde aus sozialethischer Perspektive
3.8 Fazit
4. Tabelle der geplanten Unterrichtseinheit
5. Didaktischer Kommentar zur geplanten Unterrichtseinheit mit Bezug auf den Lehrplan
6. Tabelle der Unterrichtsstunde
7. Didaktisch-Methodischer Kommentar zur Unterrichtsstunde
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel der vorliegenden Modulabschlussarbeit ist es, ein zeitgemäßes, theologisch fundiertes Verständnis des Sündenbegriffs für den Religionsunterricht an einer Realschule zu erarbeiten und dieses in einer konkreten Unterrichtseinheit schülerorientiert umzusetzen, um einen respektvollen Umgang im gesellschaftlichen Miteinander zu fördern.
- Systematisch-theologische Analyse des Sündenbegriffs unter Rückgriff auf die biblische Urgeschichte (Genesis 1-11).
- Entwicklung eines Unterrichtsentwurfs zur Thematik „Sünde – Menschsein, Selbstsucht, Scheitern“.
- Verknüpfung von theologischen Erkenntnissen mit der Lebenswirklichkeit von Jugendlichen der 7. Klasse.
- Reflexion der Rolle von Sozialethik und Rechtfertigungslehre im Kontext schulischer Identitätsbildung.
- Methodische Gestaltung einer Unterrichtsstunde zum Thema „Jesus und die Ehebrecherin“.
Auszug aus dem Buch
3.2 Was bedeutet Sünde im Kontext der biblischen Urgeschichte?
Über Sünde und das Sündenverständnis sind unzählige Artikel, Beträge und Bücher verfasst worden. Im Kontext der biblischen Urgeschichte wird deutlich, dass es sich bei der Sünde nicht um die „Übertretung von Vorschriften eines bestimmten Kodex, eines göttlichen und insofern letztgültigen Moralgesetzes“ handelt, sondern vielmehr um eine „Grundhaltung der Existenz“ des Menschen selbst. Klar wird dies besonders in den Ausführungen Paul Tillichs, der in seinem Buch „Systematische Theologie Band III“ folgendes schreibt und damit auch ein stark evangelisches Verständnis von der Sünde zum Ausdruck bringt, indem er sagt „[…] in der Beziehung zu Gott gibt es keine einzelnen Sünden, sondern die eine Sünde – die Trennung von Gott und den Widerstand gegen die Wiedervereinigung mit ihm. Ich teile die Ansicht von Tillich in dieser Position und bin des Weiteren der Meinung, dass dieser Widerstand gegen die Wiedervereinigung deutlich in der biblischen Urgeschichte zum Ausdruck kommt, indem sich Menschen in den Genesis Geschichten wiederholt an die Stelle Gottes setzen. Darin wird für mich ersichtlich, wie Sünde praktisch zum Ausdruck kommt: Durch die Trennung von Gott werden Menschen dazu bewegt Gottes Position einzunehmen und Macht auszuüben, Recht und Unrecht zu sprechen und vieles mehr. Sünde meint somit schlicht „Gott zu spielen“ bzw. so sein zu wollen wie Gott. Diese These will ich im Folgenden entfalten und anschließend auf die Situation der SuS anwenden, um zu zeigen, dass „Gott spielen“ eine gängige Praxis geworden ist, auch in der Lebenswirklichkeit der SuS.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit problematisiert das inflationäre Verständnis des Sündenbegriffs und begründet die Notwendigkeit, das Thema religionspädagogisch für eine 7. Jahrgangsstufe aufzubereiten.
2. Bedingungsanalyse: Dieses Kapitel beschreibt die sozio-kulturellen und psychologischen Voraussetzungen der Lerngruppe, um den Religionsunterricht optimal auf die Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler abzustimmen.
3. Sachanalyse: Hier wird systematisch-theologisch der Sündenbegriff anhand der biblischen Urgeschichte, des Neuen Testaments sowie sozialethischer und rechtfertigungstheologischer Perspektiven analysiert.
4. Tabelle der geplanten Unterrichtseinheit: Die Übersicht präsentiert den methodisch-didaktischen Aufbau der sechsstündigen Unterrichtsreihe von der Initialphase bis zum Abschluss.
5. Didaktischer Kommentar zur geplanten Unterrichtseinheit mit Bezug auf den Lehrplan: Das Kapitel legitimiert die Unterrichtsreihe durch den Abgleich mit den Kompetenzerwartungen des Kernlehrplans NRW für evangelische Religionslehre.
6. Tabelle der Unterrichtsstunde: Dieses Kapitel bietet einen detaillierten Verlaufsplan für die spezifische Unterrichtsstunde zum Thema „Jesus und die Ehebrecherin“.
7. Didaktisch-Methodischer Kommentar zur Unterrichtsstunde: Hier erfolgt die wissenschaftliche Begründung der gewählten Methoden, Sozialformen und Medien für die konkrete Unterrichtsstunde.
Schlüsselwörter
Sünde, Religionspädagogik, biblische Urgeschichte, Genesis, Rechtfertigungslehre, Sozialethik, Unterrichtsentwurf, Evangelischer Religionsunterricht, Menschsein, Selbstsucht, Scheitern, Gott spielen, Didaktik, Lebenswirklichkeit, Identitätsbildung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die religionspädagogische Erschließung des Sündenbegriffs für eine siebte Klasse, wobei ein kritischer Fokus auf der Abgrenzung von bloßer Moralisierung hin zu einem tiefgründigen Verständnis von Menschsein und Gottesbeziehung liegt.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Felder sind die biblische Urgeschichte (Genesis), die Rezeption des Sündenbegriffs bei Theologen wie Paul Tillich und Emil Brunner, die Rechtfertigungslehre sowie die Anwendung in Form von sozialethischen Fragestellungen.
Was ist das primäre Ziel der Unterrichtseinheit?
Die Schülerinnen und Schüler sollen das biblische Sündenverständnis kennenlernen und verstehen, dass Gott sich einen respektvollen und friedlichen Umgang der Menschen untereinander wünscht, ohne dabei in eine moralisierende Haltung zu verfallen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer fachwissenschaftlichen systematisch-theologischen Analyse, die mit fachdidaktischen Modellen (insbesondere dem ganzheitlich-analytischen Verfahren nach Hanisch) zur Unterrichtsplanung verknüpft wird.
Welcher Inhalt steht im Fokus des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in eine systematische Klärung des Sündenbegriffs, einen Exkurs zur Rechtfertigungslehre sowie die konkrete didaktische Planung und Reflexion einer Unterrichtsreihe inklusive eines speziellen Entwurfs zur Jesus-Erzählung von der Ehebrecherin.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen gehören unter anderem „Sünde als Grundhaltung“, „Gott spielen“, „Soziale Sünde“, „Rechtfertigung durch Gnade“ und „religiöse Identitätsbildung“.
Warum spielt die Geschichte von „Jesus und der Ehebrecherin“ eine besondere Rolle?
Sie dient als exemplarisches Beispiel im Neuen Testament, um den Schülern aufzuzeigen, dass Jesus allen Menschen – ungeachtet ihrer Vergangenheit – mit Respekt begegnet, was als Gegenentwurf zur moralisierenden Ausgrenzung fungiert.
Wie wird das Problem der „Moralisierung“ in der Arbeit gelöst?
Durch einen Perspektivwechsel: Nicht das bloße Fehlverhalten steht im Vordergrund, sondern das Verständnis des Menschen als „sündiges Wesen“, das auf die Vergebung und Gnade Gottes angewiesen ist, wodurch die Eigenverantwortung gestärkt wird.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2019, Das "neue" Verständnis des Sündenbegriffs und seine Auswirkungen auf das gesellschaftliche Miteinander, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/911322