In dieser Arbeit soll der Frage nachgegangen werden, ob und inwieweit sich die Theorie der Schweigespirale und der öffentlichen Meinung von Noelle-Neumann im Social-Media-Zeitalter übertragen lässt. Die Arbeit greift dabei auf im englischsprachigen Raum befindenden empirischen Studien zurück. Es handelt sich somit hauptsächlich um einen Ergebnisvergleich zwischen den Sozialforschungen, um das Phänomen der Schweigespirale im Online-Kontext klarer zu verdeutlichen.
Die öffentliche Meinung gilt sowohl schon in den antiken Stadtstaaten als auch in der heutigen modernen Gesellschaft als ein ausschlaggebender Faktor im politischen Geschehen, zumal sie einen erheblichen Einfluss auf die freie individuelle Meinungsbildung der Menschen in der Demokratie ausübt. Zu den Meilensteinen der Forschung des öffentlichen Meinungsbildungsprozesses zählt sicherlich das 1974 erschienene Standardwerk "The Spiral of Silence - A Theory of Public Opinion" von Elisabeth Noelle-Neumann, welches einen Paradigmenwechsel in der Medienwirkungsforschung darstellte. Die Autorin fand aus Anlass der Gelegenheitsbeobachtung der Bundestagswahlkämpfe zum ersten Mal das Phänomen heraus und forschte in weiteren Untersuchungen den Ansatz nach.
Die schon seit mehr als 40 Jahren entstandene Schweigespirale war inhaltlicher und methodischer Kritik von den damaligen Wissenschaftlern ausgesetzt und ist gegenwärtig weiterhin ein umstrittenes Thema. Es gab zahlreiche empirische Studien, die das Konzept Noelle-Neumanns nachzuweisen versuchten, insbesondere im Kontext der computervermittelten Kommunikation. Mit dem nachhaltigen Entwicklungstempo des Internets fungieren heutzutage schon die sozialen Netzwerkseiten als Plattform sowohl für die Wissensvermittlung als auch für die Meinungsäußerung des Individuums. Ihm fällt es wesentlich leichter, nicht nur in den traditionellen Medien, sondern auch in virtuellen Diskussionsforen seine persönliche Meinung zu äußern. Daher hat die Frage nach der Rolle der elektronischen Massenmedien im politischen System, insbesondere die Frage nach der erfolgreichen Anwendung der Schweigespirale auf dem Social Web schon seit Ende des 20. Jahrhunderts ihre Anhänger und ihre Kritiker angefeuert, in der Hoffnung, dass Online-Kommunikationskanäle dabei helfen, Medienpluralismus und Meinungsvielfalt neugestalten zu können.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Die Theorie der Schweigespirale nach Noelle-Neumann
- Theoretischer und empirischer Hintergrund
- Weiterentwicklungen des Ansatzes in virtuellen Kommunikationsräumen
- Die Schweigespirale im Social-Media-Zeitalter
- Die Meinungsklimawahrnehmung
- Die Redebereitschaft
- Die Isolationsfurcht
- Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Frage, ob und inwieweit sich die Theorie der Schweigespirale von Elisabeth Noelle-Neumann im Social-Media-Zeitalter übertragen lässt. Sie untersucht den theoretischen und empirischen Hintergrund der Schweigespirale und analysiert die Weiterentwicklungen des Ansatzes in virtuellen Kommunikationsräumen. Die Arbeit vergleicht verschiedene empirische Studien hinsichtlich der Kerngedanken der Theorie und bewertet die Übertragbarkeit der Schweigespirale auf das Social Web.
- Die Schweigespirale als Theorie der öffentlichen Meinung
- Die Rolle der Medien in der Meinungsbildung
- Die Wahrnehmung des Meinungsklimas
- Die Redebereitschaft und die Isolationsfurcht im Social Web
- Die Übertragbarkeit der Schweigespirale auf das Social-Media-Zeitalter
Zusammenfassung der Kapitel
Das erste Kapitel führt in die Theorie der Schweigespirale nach Noelle-Neumann ein und beleuchtet den theoretischen und empirischen Hintergrund des Ansatzes. Es werden die zentralen Annahmen der Theorie und deren Weiterentwicklungen in virtuellen Kommunikationsräumen dargestellt. Das zweite Kapitel analysiert die öffentliche Meinung im Social-Media-Zeitalter und stellt Vergleiche zwischen verschiedenen empirischen Studien in Bezug auf die Kerngedanken der Theorie an. Das dritte Kapitel setzt sich mit der Beantwortung der Frage auseinander, ob die Theorie der Schweigespirale im Social-Media-Zeitalter überhaupt übertragbar ist.
Schlüsselwörter
Die wichtigsten Schlüsselwörter und Themengebiete dieser Arbeit sind die Schweigespirale, öffentliche Meinung, Social Media, Meinungsbildung, Redebereitschaft, Isolationsfurcht, Meinungsklima, virtuelle Kommunikationsräume, empirische Studien, Medienwirkung, Online-Kommunikation.
Häufig gestellte Fragen
Was ist die Theorie der Schweigespirale?
Die von Elisabeth Noelle-Neumann entwickelte Theorie besagt, dass Menschen ihre Meinung eher verschweigen, wenn sie glauben, damit in der Minderheit zu sein, aus Angst vor Isolation.
Gilt die Schweigespirale auch in sozialen Medien?
Die Arbeit untersucht, ob das Phänomen online fortbesteht oder ob die Anonymität und Vielfalt im Netz die Redebereitschaft erhöhen.
Was ist Isolationsfurcht im Online-Kontext?
Auch im Internet fürchten Nutzer soziale Ausgrenzung oder „Shitstorms“, was dazu führen kann, dass sie kontroverse Meinungen in sozialen Netzwerken nicht äußern.
Wie nehmen Nutzer das „Meinungsklima“ auf Social Media wahr?
Die Wahrnehmung wird oft durch Algorithmen und Echokammern verzerrt, was die Einschätzung der tatsächlichen Mehrheitsmeinung erschweren kann.
Fördert das Internet den Medienpluralismus?
Theoretisch bieten Online-Kanäle Raum für Meinungsvielfalt; die Arbeit analysiert jedoch, ob die Mechanismen der Schweigespirale diese Vielfalt faktisch einschränken.
Wer war Elisabeth Noelle-Neumann?
Sie war eine bedeutende deutsche Kommunikationswissenschaftlerin, die 1974 das Standardwerk zur Theorie der Schweigespirale veröffentlichte.
- Arbeit zitieren
- Minh Mai (Autor:in), 2016, Die Theorie der Schweigespirale im Social-Media-Zeitalter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/906731