Wenn man von den vergleichsweise geringen Semesterbeitragszahlungen absieht, war das Erststudium an einer öffentlichen deutschen Hochschule in der Vergangenheit gebührenfrei. Als Folge des zu Beginn des Jahres 2005 ergangenen Bundesverfassungsgerichtsurteils zur Unzulässigkeit des bundesweiten Studiengebührenverbots in § 27 IV des Hochschulrahmengesetzes wurden im Wintersemester 2006/07 in den ersten beiden Bundesländern (Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen) Studiengebühren eingeführt. Die in den kontrovers geführten Diskussionen vorgebrachten Argumente für und gegen Studiengebühren an deutschen Hochschulen sind dabei vielschichtig.
Die Gegner von Studiengebühren berufen sich in der öffentlichen Debatte beispielsweise auf das Recht auf Bildung unabhängig von der finanziellen Leistungsfähigkeit oder sozialen Herkunft und stellen eine Verbesserung der Lehre und Studienbedingungen in Frage. Befürworter hingegen argumentieren u.a., dass zielgerichteter und kürzer studiert werde. Sie sind zudem der Auffassung, dass ein monetarisiertes Gut im Gegensatz zu einem freien Gut effizienter genutzt würde. Diese Gründe legitimieren demnach eine stärkere Beteiligung der Studierenden an den Kosten ihrer Hochschulausbildung.
Zu Beginn der Arbeit wird ein Überblick über die Studiengebühren der Bundesländer gegeben. Untersuchungsgegenstand sind dabei die einheitliche bzw. die dezentrale Gebührensetzung sowie die Maßnahmen zur Sozialverträglichkeit. In den unterschiedlichen Reaktionen auf das Bundesverfassungsgerichtsurteil sind sowohl verteilungspolitische als auch effizienzorientierte Erwägungen zum Ausdruck gekommen. Die vorliegende Arbeit fokusiert sich auf die effizienzorientierten Argumente, da sie die öffentliche Debatte weniger stark durchdrungen haben, für die Analyse des für und wider von Studiengebühren aus volkswirtschaftlicher Sichtweise aber ebenso bedeutsam sind. Im vierten Kapitel ist die Möglichkeit der Verbesserung von Lehre und Studienbedingungen durch Studiengebühren Gegenstand der weiteren Untersuchung. In diesem Zusammenhang soll dem positiven Finanzierungseffekt und dem Wettbewerbseffekt von Studiengebühren besonderes Augenmerk geschenkt werden.
Als Fazit der vorliegenden Arbeit soll die Frage beantwortet werden, ob die öffentliche Hochschulbildung auf Basis der Ergebnisse dieser Arbeit gebührenfrei bleiben sollte, oder ob das nicht gerechtfertigt erscheint.
Inhaltsverzeichnis
- 1 Einleitung
- 2 Die Studiengebühren der Bundesländer im Überblick
- 2.1 Einheitsgebühren versus dezentrale Gebührensetzung
- 2.2 Maßnahmen der Sozialverträglichkeit
- 3 Effizienz-Effekte durch Studiengebühren?
- 3.1 Marktversagenstatbestände
- 3.1.1 Hochschulbildung - ein öffentliches Gut?
- 3.1.2 Positive externe Effekte durch Hochschulbildung?
- 3.1.3 Unvollkommene Kapitalmärkte
- 3.2 Effizientere Studienentscheidungen
- 3.3 Bildung als Signalfunktion
- 4 Möglichkeit der Verbesserung von Lehre und Studienbedingungen durch Studiengebühren
- 4.1 Positiver Finanzierungseffekt
- 4.2 Wettbewerbseffekt
- 5 Schlussbemerkungen
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Arbeit analysiert die Einführung von Studiengebühren an deutschen Hochschulen aus volkswirtschaftlicher Sicht. Sie beleuchtet die Effizienz- und Verteilungseffekte von Studiengebühren und untersucht, ob diese die Qualität der Lehre und die Studienbedingungen verbessern können.
- Die Effizienz-Effekte von Studiengebühren
- Die Auswirkungen von Studiengebühren auf die Studienentscheidungen
- Die Rolle von Studiengebühren zur Verbesserung von Lehre und Studienbedingungen
- Die verteilungspolitischen Aspekte von Studiengebühren
- Die Frage, ob die öffentliche Hochschulbildung gebührenfrei bleiben sollte.
Zusammenfassung der Kapitel
Das erste Kapitel bietet eine Einleitung in die Thematik der Studiengebühren und stellt den historischen Kontext dar. Es werden die Argumente für und gegen Studiengebühren vorgestellt, sowie die Forschungsfragen der Arbeit formuliert.
Kapitel 2 gibt einen Überblick über die Studiengebühren der Bundesländer. Es werden die unterschiedlichen Gebührenmodelle und die Maßnahmen zur Sozialverträglichkeit verglichen. Die Bundesländer mit und ohne Studiengebühren werden einander gegenübergestellt.
Kapitel 3 befasst sich mit den Effizienz-Effekten von Studiengebühren. Es werden die verschiedenen Marktversagenstatbestände im Bereich der Hochschulbildung analysiert und die potenziellen Effekte von Studiengebühren auf die Studienentscheidungen und die Bildung als Signalfunktion diskutiert.
Kapitel 4 untersucht, ob Studiengebühren die Lehre und die Studienbedingungen verbessern können. Es wird der positive Finanzierungseffekt und der Wettbewerbseffekt von Studiengebühren beleuchtet.
Schlüsselwörter
Studiengebühren, Hochschulbildung, Effizienz, Verteilung, Marktversagen, Signalfunktion, Lehre, Studienbedingungen, Wettbewerb.
Häufig gestellte Fragen
Warum wurden in Deutschland 2006/07 Studiengebühren eingeführt?
Die Einführung erfolgte infolge eines Urteils des Bundesverfassungsgerichts von 2005, das das bundesweite Verbot von Studiengebühren im Hochschulrahmengesetz für unzulässig erklärte.
Was sind die Hauptargumente der Befürworter von Studiengebühren?
Befürworter argumentieren mit einer effizienteren Nutzung des „Gutes“ Bildung, kürzeren Studienzeiten und einer direkten Verbesserung der Lehre durch zusätzliche Finanzmittel.
Warum lehnen Gegner Studiengebühren ab?
Gegner sehen das Recht auf Bildung gefährdet und befürchten eine soziale Selektion, bei der der Zugang zum Studium von der finanziellen Leistungsfähigkeit abhängt.
Was versteht man unter dem „Wettbewerbseffekt“ bei Studiengebühren?
Durch Gebühren könnten Hochschulen stärker um Studierende konkurrieren, was theoretisch zu einer Qualitätssteigerung der Studienbedingungen führen soll.
Welche Rolle spielt Marktversagen in der Diskussion?
Die Arbeit untersucht, ob Hochschulbildung ein öffentliches Gut ist, positive externe Effekte erzeugt oder ob unvollkommene Kapitalmärkte eine staatliche Finanzierung notwendig machen.
Was ist der Unterschied zwischen Einheitsgebühren und dezentraler Gebührensetzung?
Einheitsgebühren sind landesweit festgelegt, während dezentrale Modelle den einzelnen Hochschulen Spielraum bei der Festlegung der Gebührenhöhe lassen.
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- Achim Steffan (Author), 2007, Pro und Kontra Studiengebühren, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/88151