1 Einleitung
„Das Gebiet zwischen Saale und Elbe ist in sehr hohem Maße von interkulturellen Beziehungen geprägt [...] Italien, das auf die sächsische Hofkultur und Architektur sowie das Musikleben und den Handel wesentlichen Einfluß ausübte [...] Sachsens Identität als Durchmischungszone in einem multikonfessionellen und multikulturellen deutschen Territorienverband wurde durch die vielfältigen Beziehungen zu nichtdeutschen Territorien verstärkt und kam in ihnen zum Ausdruck.“ (Middell 1995: 19)
In diesem Zitat wird schon deutlich, dass die sächsische Geschichte immer durch kulturelle oder politische Fremdeinflüsse bestimmt worden ist. Insbesondere zur Zeit des Barocks prägten italienische Künstler, Architekten, Handwerker und Musiker das Bild Dresdens.
Die vorliegende Hausarbeit geht speziell auf den italienischen Einfluss in der Sakralarchitektur Sachsens ein. Die Katholische Hofkirche ist eines der umstrittensten Bauwerke Sachsens gewesen. 1753 wurde sie eingeweiht, doch erst 1806 formal durch den Frieden von Posen anerkannt.
Wie konnte es zum Bau einer katholischen Hofkirche im protestantischen Sachsen kommen? Warum wurde ein italienischer Architekt mit dem Bau beauftragt? Das sind Fragen, die ich in dieser Arbeit zu beantworten versuche.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Historischer Hintergrund
3 Gaetano Chiaveri
4 Die Katholische Hofkirche
4.1 Vorbereitungen
4.2 Äußere Baugestaltung
4.3 Matiellis Heiligenfiguren
4.4 Innenraum
4.4.1 Innengestaltung
4.4.2 Hochaltarbild
4.4.3 Silbermannorgel
4.4.4 Die Gruft
4.5 Die Katholische Hofkirche seit 1945
5 Hofkirche vs. Frauenkirche
6 Schlussbetrachtungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den italienischen Einfluss auf die Sakralarchitektur Sachsens im Barock, fokussiert auf die Entstehungsgeschichte und Bedeutung der Katholischen Hofkirche in Dresden als Antwort auf das protestantische Umfeld.
- Politische und konfessionelle Hintergründe des Kirchenbaus unter August dem Starken.
- Die Rolle des Architekten Gaetano Chiaveri bei der Planung und Errichtung.
- Architektonische Besonderheiten, Innenausstattung und kunsthistorische Bedeutung.
- Vergleichende Betrachtung von Katholischer Hofkirche und protestantischer Frauenkirche.
- Wiederaufbau und Status der Hofkirche nach 1945.
Auszug aus dem Buch
4.2 Äußere Baugestaltung
Zuerst plante Chiaveri die Hofkirche im Zusammenhang mit der Erweiterung des Residenzschlosses. Hier bediente er sich der schon vorhanden Schlossbauplänen von Dietze, Pöppelmann, Longuelune und Knöffel. Erst nach weiteren Überlegungen kam ihm der Gedanke einer frei stehenden Kirche mit einem Turm auf der nordöstlichen Seite. Die Planung dieses spätbarocken Sandsteinbauwerkes römischer Prägung wurde geheim durchgeführt. Ihr Bautyp lehnte sich an den der französischen Hofkirche in Versailles an. Die Festungswerke bestimmten die Einordnung der Kirche in das Gelände zwischen Brücke und Schloss. Chiaveri richtete die Hofkirche an der Front des Residenzschlosses aus. Damit wich sie von der üblichen Ost-West-Orientierung ab, da der Hochaltar sich im Südwesten statt im Osten befindet.
Die Grundmauern stiegen empor und im Frühjahr 1740 konnte mit der Innenausstattung begonnen werden. Die Hofkirche besteht aus einer dreischiffigen Basilika mit überhöhtem Mittelschiff und einen getrennten 85,5 m hohen Turm, der den Stil eines Campanile zeigt. Er ist nur im Hauptstockwerk mit dem Kirchenschiff verbunden und ragt in durchbrochenen und nach oben leichter werdenden Stockwerken bis zur abschließenden Zwiebelkuppel empor.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung des Themas und der Forschungsfrage bezüglich der kulturellen Fremdeinflüsse und der Sakralarchitektur im barocken Sachsen.
2 Historischer Hintergrund: Analyse der politisch-religiösen Voraussetzungen in Sachsen, insbesondere der Konversion Augusts des Starken zum Katholizismus.
3 Gaetano Chiaveri: Biografische Darstellung des Architekten und sein Weg von St. Petersburg über Warschau nach Dresden.
4 Die Katholische Hofkirche: Detaillierte Untersuchung der Planungsphase, der äußeren Architektur, der künstlerischen Ausgestaltung sowie des Wiederaufbaus nach 1945.
5 Hofkirche vs. Frauenkirche: Vergleich der beiden konfessionell geprägten Monumente und deren unterschiedlicher Wirkung auf das Dresdner Stadtbild.
6 Schlussbetrachtungen: Fazit zur Bedeutung der Hofkirche als barockes Meisterwerk und Symbol der sächsischen Glaubensgeschichte.
Schlüsselwörter
Dresden, Katholische Hofkirche, Gaetano Chiaveri, Barock, August der Starke, Architektur, Sakralbau, Gegenreformation, Frauenkirche, Kirchenbau, Italienischer Einfluss, Konfession, Sakralkunst, Stadtbild, Geschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Entstehungsgeschichte und dem italienischen Einfluss auf die Katholische Hofkirche in Dresden im Kontext der barocken sächsischen Geschichte.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind der politische Hintergrund der Konversion Augusts des Starken, die architektonische Planung unter Gaetano Chiaveri und der Vergleich zur Frauenkirche.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Es soll erklärt werden, wie es im protestantisch geprägten Sachsen zum Bau einer katholischen Hofkirche kommen konnte und warum dabei ein italienischer Architekt gewählt wurde.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer historischen und kunsthistorischen Analyse unter Auswertung von Fachliteratur und historischen Quellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Biografie des Architekten, die baulichen Vorbereitungen, die Beschreibung von Architektur, Ausstattung (Matielli, Mengs, Silbermann) und den Wiederaufbau.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Dresden, Gaetano Chiaveri, Katholische Hofkirche, Barock, Architektur, Konfession und August der Starke.
Warum wich die Ausrichtung der Hofkirche von der klassischen Ostung ab?
Die Ausrichtung wurde durch die topografischen Gegebenheiten der Festungswerke und die Lage des Residenzschlosses bestimmt.
Welche Rolle spielt die Frauenkirche als Vergleichsobjekt?
Die Frauenkirche dient als protestantisches Prestigeobjekt und architektonischer Antagonist, der gemeinsam mit der Hofkirche das Dresdner Stadtpanorama prägt.
Wie sicherte man die Kunstschätze der Hofkirche während des Zweiten Weltkriegs?
Der damalige Probst Wilhelm Beier veranlasste rechtzeitig die Auslagerung wertvoller Gegenstände wie das Hochaltarbild und die Silbermannorgel.
- Arbeit zitieren
- Marcus Fellert (Autor:in), 2006, Gaetano Chiaveri und die katholische Hofkirche, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/87397