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Wolframs "Willehalm" unter dem Aspekt der Gattungsfrage

Title: Wolframs "Willehalm" unter dem Aspekt der Gattungsfrage

Term Paper (Advanced seminar) , 2007 , 31 Pages

Autor:in: Christian Werner (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
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Nicht immer hat die Wolfram-Forschung dem Willehalm so viel Beachtung geschenkt, wie es heute der Fall ist. Erst in den letzten Jahrzehnten hat sich die Auseinandersetzung mit diesem Text zu einem Thema des Mainstreams altgermanistischer Forschung entwickelt. Dies ist wohl nicht zuletzt auf die mannigfaltigen Schwierigkeiten, die sich dem Willehalm-Interpreten bieten, zurückzuführen. In diesem Zusammenhang sind insbesondere der fragmentarische Charakter der Dichtung und das damit einhergehende offene Ende hervorzuheben, welcher Deutungsversuche hinsichtlich der ungeklärten Gattungsfrage erschwert. Infolge der Gattungsdiskussion haben sich mit der Zeit unterschiedliche Standpunkte herauskristallisiert. Bis heute wird häufig die Meinung vertreten, dass der Willehalm als Legende zu lesen sei. Ein entschiedener Verfechter dieser Sichtweise ist Friedrich Ohly, dessen Interpretation sich hauptsächlich auf das initiale Gebet an den Heiligen Geist (1,1-5,14) beruft. Diesem Ansatz folgend hat in jüngerer Zeit auch Franziska Wessel-Fleinghaus eine umfangreiche Interpretation des Wolfram’schen Textes vorgelegt, welchen sie aufgrund des innovativen Umgangs des Dichters mit der theologischenKernproblematik als Problemlegende qualifiziert. Demgegenüber sieht Werner Schröder im Willehalm einen „tragischen Roman“; seine Argumentation stützt sich dabei auf den Versuch
des Dichters, den ursprünglich im Umkreis der chanson de geste angesiedelten Aliscans-Stoff in romanesker Manier zu überformen. Schließlich hat es auch nicht an Versuchen gefehlt, das Werk in die Tradition der Heldenepik respektive der französischen chanson de geste zu verorten. Hierfür plädiert besonders dezidiert Walter Haug4, der den heldenepischen Duktus der Dichtung herausstellt, der mit einer verneinten höfischen aventiure-Welt kontrastiert.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Die Forschungslage zur Gattungsfrage

2. Mittelalterliches Gattungsbewusstsein

3. Aspekte der Legende im Willehalm

4. Aspekte der Chanson de geste im Willehalm

5. Aspekte des Höfischen Romans im Willehalm

6. Schlussgedanken

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht Wolframs Willehalm unter dem Aspekt der Gattungsfrage und analysiert, inwiefern das Werk den Konventionen verschiedener mittelalterlicher Literaturgattungen entspricht oder diese bewusst durchbricht.

  • Analyse des gattungsgeschichtlichen Hintergrunds des Willehalm
  • Untersuchung hagiographischer Merkmale und ihrer ironischen Brechung
  • Bewertung heldenepischer Elemente im Kontext der Chanson de geste
  • Diskussion höfischer Romanstrukturen und des Minnemotivs
  • Reflektion über die Gattungsunbestimmtheit als innovatives Gestaltungsmittel

Auszug aus dem Buch

3. Aspekte der Legende im Willehalm

Seit jeher werden Erzählungen von Lebensgeschichten vorbildlicher Menschen überliefert. Basierend auf einem historischen Substrat, bilden diese Heiligenlegenden jedoch geschichtliche Fakten nicht realiter ab, sondern werden durch fiktionale Elemente überformt. Als konstitutive Elemente dieser Erzählungen gilt daher neben der vita, dem Leben des Heiligen und der passio, dem Leid, das der Märtyrer in seinem irdischen Dasein erduldet, auch das miraculum, ein Grabwunder also, bzw. wundersame Geschehnisse aus dem Leben des Heiligen. Ehe wir weitergehende Überlegungen zur Deutung des Willehalm als Legende anstellen wollen, erscheint es sinnvoll, uns zu vergegenwärtigen, in welcher Weise diese drei Elemente in Wolframs Text ausgemacht werden können.

Kein Zweifel besteht daran, dass Graf Wilhelm von Toulouse als historisches Vorbild für den Protagonisten zu betrachten ist. Dieser zeichnete sich in zahlreichen Schlachten gegen heidnische Heere im heutigen Spanien aus, bevor er 804 dem weltlichen Leben den Rücken kehrte und in das Kloster Aniane bei Montpellier eintrat. Seinen Lebensabend verbrachte er ab 806 in dem von ihm gestifteten Kloster Gellone, wo er 812 verstarb. Sein frommes Leben wird uns legendarisch in der Vita sancti Wilhelmi überliefert, die neben seinem Klosterleben auch Wunder des Heiligen sowie Grabwunder bezeugt. Es ist offensichtlich, dass Wolframs Willehalm vor dieser vorbildlichen Folie nicht bestehen kann.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Die Forschungslage zur Gattungsfrage: Darstellung der kontroversen Forschungsmeinungen, die den Willehalm entweder als Legende, tragischen Roman oder Heldenepik einordnen.

2. Mittelalterliches Gattungsbewusstsein: Analyse der theoretischen Voraussetzungen und der Dynamik mittelalterlicher Gattungskonstitutionen bei Autoren und Publikum.

3. Aspekte der Legende im Willehalm: Prüfung des Werks auf hagiographische Elemente wie vita, passio und miraculum sowie deren teilweise ironische oder problematische Darstellung.

4. Aspekte der Chanson de geste im Willehalm: Untersuchung der heroischen Motive und der Transformation heldenepischer Traditionen durch den Autor.

5. Aspekte des Höfischen Romans im Willehalm: Analyse der Minnekonzeption und der höfischen Zivilisationswerte im Kontrast zur Darstellung des negativen Königshofes.

6. Schlussgedanken: Synthese der Untersuchungsergebnisse, die den Willehalm als gattungsübergreifendes, innovatives und einzigartiges Werk charakterisiert.

Schlüsselwörter

Willehalm, Wolfram von Eschenbach, Gattungsfrage, Legende, Chanson de geste, Höfischer Roman, Minne, Martyrium, Heldentum, Gattungsbewusstsein, Literaturgeschichte, Mittelalter, Epik, Intertextualität, Erzählstruktur.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit analysiert Wolframs Willehalm hinsichtlich seiner gattungsgeschichtlichen Einordnung und der Frage, wie Wolfram verschiedene literarische Genres miteinander kombiniert.

Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?

Die Themenfelder umfassen das mittelalterliche Gattungsbewusstsein, die Legendentradition, die heldenepische Chanson de geste sowie Elemente des höfischen Romans.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die Gattungsambivalenz des Textes aufzuzeigen und zu ergründen, ob der Willehalm als Legende, Heldenepik oder Roman verstanden werden kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer literaturwissenschaftlichen Analyse des Textes unter Berücksichtigung der Forschungsliteratur zur mittelalterlichen Gattungspoetik.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in drei zentrale Analysen, die jeweils die Aspekte der Legende, der Chanson de geste und des höfischen Romans am konkreten Textbeispiel erörtern.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Untersuchung?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Gattungsmischung, hagiographischer Charakter, Minne, Heldenzorn und die kritische Distanz zur höfischen Gesellschaft.

Warum spielt das Minnemotiv eine so große Rolle für die Gattungsfrage?

Die Minne fungiert als Bindeglied zwischen Leid und Kampfhandlungen und stellt ein zentrales Element dar, das den Text von einer rein hagiographischen Legende abgrenzt.

Wie bewertet der Autor die Rolle des höfischen Umfelds im Willehalm?

Der Autor zeigt, dass der Willehalm ein ambivalentes Bild des Hofes zeichnet: Während höfischer Anstand idealisiert wird, wird der historische Königshof kritisch als dekadent und feindselig porträtiert.

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Details

Title
Wolframs "Willehalm" unter dem Aspekt der Gattungsfrage
College
University of Würzburg
Author
Christian Werner (Author)
Publication Year
2007
Pages
31
Catalog Number
V87222
ISBN (eBook)
9783638014922
Language
German
Tags
Wolframs Willehalm Aspekt Gattungsfrage
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christian Werner (Author), 2007, Wolframs "Willehalm" unter dem Aspekt der Gattungsfrage, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/87222
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