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Gefühlte Geschichte unterm Skalpell

Die Familienromane "Nach den Kriegen" von Dagmar Leupold und "Am Beispiel meines Bruders" von Uwe Timm

Titel: Gefühlte Geschichte unterm Skalpell

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2007 , 19 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Carolina Franzen (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Der vorliegende Aufsatz zeigt an zwei Familienromanen, Uwe Timms "Am Beispiel meines Bruders" (2003)und Dagmar Leupolds "Nach den Kriegen" (2004), wie kritisch und distanziert zeitgenössische Autoren mit den Wünschen nach Genealogie und den damit aufkommenden Problemen umgehen. Analysiert wird die den Werken immanente Sicht der Autoren auf die eigene Familie und der Diskurs über Täter und Täterschaft im dritten Reich.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Deutsche Reflexion

Gefühlte Geschichte erkennen

Der Krieg nach den Kriegen

Belebende Tode

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht, wie zeitgenössische Familienromane – konkret „Nach den Kriegen“ von Dagmar Leupold und „Am Beispiel meines Bruders“ von Uwe Timm – kritisch mit dem Erbe der Tätergeneration und den Mechanismen der „gefühlten Geschichte“ umgehen, um eine authentische Auseinandersetzung mit der Vergangenheit jenseits von Mythenbildung zu ermöglichen.

  • Die kritische Reflexion des Begriffs der „gefühlten Geschichte“ nach Harald Welzer.
  • Die literarische Dekonstruktion von Täter-Identitäten und Familiengeschichten.
  • Der Umgang mit Leerstellen und Mythen in der familiären Erinnerungskultur.
  • Die Spannung zwischen persönlicher genealogischer Verbindung und historischer Verantwortung.
  • Die Funktion von Literatur als Medium der Geschichtsschreibung und psychologischen Analyse.

Auszug aus dem Buch

Der Krieg nach den Kriegen

Das Missverhältnis zwischen dem Verlangen nach Genealogie und historischer Schönmalerei einerseits, und der Wahrheit über den eigenen Vater andererseits näherzukommen, stellt Dagmar Leupold in ihrem Buch Nach den Kriegen. Roman eines Lebens bereits auf der ersten Seite dar. Als symbolisches Mittel dient ein Stempel, den ihr Vater anfertigen ließ, um damit eine Autobiographie zu beschließen, die er nie schrieb. Im alltäglichen Gebrauch dient der Stempel einer institutionellen Absegnung; sei es ein Poststempel, der einen Brief zur Weiterleitung freigibt, ein ärztliches Rezept, das nur durch den Apothekenstempel bei der Krankenkasse eingereicht werden kann, oder ein Amtstempel im Pass, der einem die eigene rechtmäßige Existenz und Identität bescheinigt. Er wird von einem Individuum vergeben, doch bezeugt sein Abdruck eine überindividuelle, meist institutionelle und damit allgemeingültige Richtigkeit. Leupolds Vater wollte sich der eigenen gefühlten Geschichte offiziell versichern – im Selbstbetrug. Das Bedürfnis nach Anerkennung der eigenen Wahrheit über Tun und Handeln ließ selbst einen bilingualen, mathematisch hochbegabten Intellektuellen diesen Betrug ignorieren. Da das Dokument jedoch nicht existiert, und damit auch kein bezeugender Abdruck, bleibt ungewiss, was sich Vater Leupold bescheinigt hätte – „die Brücke“ zur Nachkriegsgeneration (die Wahrheit?!) oder „die Lüge schlechthin“ (S. 7)?.

Mit „Der Stempel gehört nun mir“ beginnt Dagmar Leupold ihr Buch. Was bedeutet das? Es bedeutet nicht, dass sie den Stempel für Ihren Vater setzten wird. Sie besitzt die Absegnung des Vaters über dessen Leben, doch ihrem Roman eines Lebens lässt sie keinen Abdruck dessen folgen. Sie versucht nicht festzuhalten, was und wie er schreiben wollte. Sie sucht nicht nach seiner Zustimmung. Mit dem Stempel erbt sie das Verlangen, „eine Form und ein Format“ (ebd.) für das Leben des Vaters zu finden. Sie übernimmt diese Aufgabe in der Rolle des beurteilenden Analytikers.

Zusammenfassung der Kapitel

Deutsche Reflexion: Dieses Kapitel führt in den zeitgenössischen Diskurs über Familienromane ein und beleuchtet das Spannungsfeld zwischen dem kollektiven Gedächtnis und dem Bedürfnis, die eigene Familiengeschichte und Vätergeneration kritisch zu hinterfragen.

Gefühlte Geschichte erkennen: Hier wird der theoretische Rahmen von Harald Welzer analysiert, der die „gefühlte Geschichte“ als privat-nostalgische Vergangenheitsbewältigung kritisiert, und dem die literarische Herangehensweise der untersuchten Autoren entgegengesetzt wird.

Der Krieg nach den Kriegen: In diesem Kapitel wird Dagmar Leupolds „Nach den Kriegen“ untersucht, wobei insbesondere die analytische Demaskierung des Vaters und die symbolische Aufarbeitung familiärer Legenden im Fokus stehen.

Belebende Tode: Das abschließende Kapitel resümiert, dass erst der Tod der betroffenen Familienmitglieder den nötigen Freiraum für eine ehrliche und authentische literarische Aufarbeitung der Familiengeschichte schafft.

Schlüsselwörter

Familienroman, Vätergeneration, gefühlte Geschichte, Nationalsozialismus, Erinnerungskultur, Genealogie, Dagmar Leupold, Uwe Timm, Harald Welzer, Vergangenheitsbewältigung, Identität, Täterdiskurs, Autobiographie, Familiengedächtnis, Literaturanalyse.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit?

Die Arbeit analysiert, wie moderne deutsche Familienromane die NS-Vergangenheit der Vätergeneration kritisch aufarbeiten, anstatt sie in privaten Mythen zu beschönigen.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Im Zentrum stehen die Erinnerungskultur, das Verhältnis zwischen persönlicher Identität und nationaler Geschichte sowie die psychologischen Mechanismen der Verdrängung in deutschen Familien.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es zu zeigen, dass Literatur wie die von Leupold und Timm über eine bloße „gefühlte Geschichte“ hinausgeht und eine distanzierte, analytische Wahrnehmung der Tätergeneration ermöglicht.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die durch sozialwissenschaftliche Konzepte (v.a. von Harald Welzer und Helmut Lethen) gestützt wird, um die Romane als Medium der Geschichtsschreibung zu deuten.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der theoretischen Konzepte von Harald Welzer und die detaillierte Untersuchung der Romane von Dagmar Leupold und Uwe Timm im Hinblick auf deren Umgang mit familiären Leerstellen und Schuld.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Familienroman, Vätergeneration, gefühlte Geschichte, Erinnerungskultur und Vergangenheitsbewältigung.

Welche Rolle spielt der „Stempel“ bei Dagmar Leupold?

Der Stempel fungiert als Symbol für den Versuch des Vaters, sich im Selbstbetrug eine offizielle Identität zu bescheinigen, während die Tochter diesen als Instrument der analytischen Dekonstruktion umdeutet.

Wie unterscheidet sich Uwe Timms Ansatz von dem Leupolds?

Während Leupold stark analytisch-chirurgisch vorgeht, beginnt Timm mit einer persönlich-affektiven Erinnerung an seinen Bruder, nutzt diese aber als Ausgangspunkt für eine kritische Hinterfragung des militärischen und familiären Idealbildes.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Gefühlte Geschichte unterm Skalpell
Untertitel
Die Familienromane "Nach den Kriegen" von Dagmar Leupold und "Am Beispiel meines Bruders" von Uwe Timm
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Deutsche Philologie)
Veranstaltung
Die Sehnsucht nach Tradition: Generationenkonflikte in zeitgenössischen, deutschen Familienromanen
Note
1,3
Autor
Carolina Franzen (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2007
Seiten
19
Katalognummer
V87135
ISBN (eBook)
9783638012744
ISBN (Buch)
9783638916905
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gefühlte Geschichte Skalpell Sehnsucht Tradition Generationenkonflikte Familienromanen
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Carolina Franzen (Autor:in), 2007, Gefühlte Geschichte unterm Skalpell, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/87135
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Leseprobe aus  19  Seiten
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