Weiße Gebäude im Kolonialstil, unendlich weite Landschaften, unerforscht und unbesiedelt, pulsierende Handelszentren und reger Schiffsverkehr auf allen Gewässern.
Willkommen im Amerika der Gründerzeit, zum Ende des 18. Jahrhunderts.
Die Vereinigten Staaten, gerade erst in die Unabhängigkeit entlassen, sind nach Jahren des Krieges und der Unsicherheit nun gewollt und verpflichtet eine Ordnung zu finden, die ihnen Freiheit und Frieden, Gerechtigkeit und Individualität ermöglicht. Der Weg dorthin ist mühsam und kompromissreich, Anhänger von starken Einzelstaaten stehen Visionären einer starken Union entgegen. Anarchisten, Monarchisten, Demokraten und jedwede Staatsform vertretende Personen diskutieren breit und unnachgiebig Vorteile und Nachteile jeder Ordnung.
Letztendlich waren es starke Charaktere, die für Einigung und Ergebnis standen. Männer wie George Washington, James Madison oder Alexander Hamilton.
Ein so großes Land von Grund auf neu zu errichten ist ein ungeheuer verantwortungsvolles und ebenso beispielloses Abenteuer, auf das sich die Bürger der nun vereinigten Staaten von Amerika einließen.
Ich möchte in meiner Hausarbeit zeigen, wie Amerika seine Verfassung entdeckte, verstand und ansah, indem ich fünf wesentliche Artikel aus den Federalist Papers darlege und analysiere. Die Vorgabe der Artikel entstammt dem Programm des zugehörigen Seminares von Frau Prof. Dr. Tine Stein zum Thema „Grundtexte zur politischen Philosophie.“
Anschließend möchte ich am Beispiel des Falles Marbury versus Madison die Entwicklung der Verfassungsgerichtsbarkeit im jungen amerikanischen Rechtssystem darstellen und zuletzt beide Teile miteinander verknüpfen, um zu prüfen ob zentrale Visionen der Gründerväter, ausgedrückt unter anderem in den Federalist Papers auch in der anschließenden Geschichte verwirklicht wurden.
Die historischen Rahmenbedingungen der Federalist Papers haben nicht nur entscheidenden Einfluss gehabt, sondern bildeten im Grunde genommen überhaupt erst eine notwendige Voraussetzung für ihre Entstehung.
Als Folge der merkantilistischen Steuerpolitik Englands gegenüber den amerikanischen Kolonien steigerte sich der Ungehorsam der Neu-Amerikaner, beginnend 1773 mit der Boston Tea Party und gipfelnd im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg (1775-1783). Diesen Krieg führten die Einzelstaaten Amerikas gemeinsam, zunächst aber ohne bindende vertragliche Grundlagen.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Die Federalist Papers
- Die Rahmenbedingungen
- Der historische Kontext
- Die Autoren
- Inhalt und Struktur der Artikel 9, 10, 14, 51 und 78
- Die Union als Schutz vor Faktionen und die Vorteile der Landesgröße
- Die Gewaltenteilung und die Ausgestaltung der Judikative
- Zusammenfassung der Kernaussagen und Ideen
- Die Rahmenbedingungen
- Der Fall Marbury versus Madison
- Einordnung und Protagonisten
- Ursache und Entstehung
- Das Urteil
- Die Urteilskritik
- Die Folgen des Urteils und die Federalist Papers
- Die Konzeption des Supreme Courts in Federalist Papers und Verfassung
- Die Folgen von Marbury v. Madison und die Annäherung des Supreme Courts an die Gedanken der Federalist Papers
- Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Hausarbeit befasst sich mit der Entstehung und dem Einfluss der Federalist Papers auf die Entwicklung der Verfassungsgerichtsbarkeit in den USA. Im Zentrum steht die Analyse von fünf zentralen Artikeln, die die Kernaussagen der Federalist Papers hinsichtlich der politischen Ordnung und insbesondere der Gewaltenteilung beleuchten. Anschließend wird am Beispiel des Falles Marbury versus Madison die konkrete Ausgestaltung der Verfassungsgerichtsbarkeit im jungen amerikanischen Rechtssystem untersucht.
- Die historischen Rahmenbedingungen für die Entstehung der Federalist Papers
- Die Kernaussagen der Federalist Papers in Bezug auf die politische Ordnung und die Gewaltenteilung
- Die Bedeutung des Falls Marbury versus Madison für die Entwicklung der Verfassungsgerichtsbarkeit in den USA
- Die Folgen des Urteils für die Verfassungsgerichtsbarkeit und die Frage, inwieweit sich die Visionen der Gründerväter in der anschließenden Geschichte verwirklicht haben
- Die Relevanz der Federalist Papers für das Verständnis der amerikanischen Verfassung und der Verfassungsgerichtsbarkeit
Zusammenfassung der Kapitel
- Einleitung: Das Kapitel führt in die Thematik der Hausarbeit ein und stellt den historischen Kontext dar, in dem die Federalist Papers entstanden sind. Es werden die Ziele der Arbeit sowie der methodische Ansatz erläutert.
- Die Federalist Papers: Dieses Kapitel befasst sich mit den historischen Rahmenbedingungen der Federalist Papers, insbesondere dem Kontext der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung und der Ratifizierung der Verfassung. Die Autoren der Federalist Papers und ihre Motive werden vorgestellt. Des Weiteren wird eine Analyse der zentralen Artikel 9, 10, 14, 51 und 78 durchgeführt, die die zentralen Ideen der Federalist Papers in Bezug auf die politische Ordnung, die Gewaltenteilung und die Notwendigkeit einer starken Union beleuchten.
- Der Fall Marbury versus Madison: Dieses Kapitel analysiert den Fall Marbury versus Madison, der als Meilenstein in der Entwicklung der Verfassungsgerichtsbarkeit in den USA gilt. Es werden die Protagonisten des Falls, die Ursachen und die Entstehung des Rechtsstreits sowie das Urteil und dessen Kritik dargestellt.
- Die Folgen des Urteils und die Federalist Papers: Dieses Kapitel setzt sich mit den Folgen des Marbury-Urteils für die Verfassungsgerichtsbarkeit auseinander. Es werden die Konzeption des Supreme Courts in den Federalist Papers und in der Verfassung sowie die Annäherung des Supreme Courts an die Gedanken der Federalist Papers im Laufe der Geschichte beleuchtet.
Schlüsselwörter
Die zentralen Schlüsselwörter der Hausarbeit umfassen die Federalist Papers, Verfassungsgerichtsbarkeit, Gewaltenteilung, politische Ordnung, Marbury versus Madison, amerikanische Verfassung, Gründerväter, historischer Kontext, Staatenbund, Union, Supreme Court, Rechtsprechung, Rechtsentwicklung, und die Entwicklung der Verfassungsgerichtsbarkeit in den USA.
Häufig gestellte Fragen
Was sind die Federalist Papers?
Die Federalist Papers sind eine Serie von 85 Artikeln, die Ende des 18. Jahrhunderts verfasst wurden, um die Bürger des Staates New York von der Ratifizierung der US-Verfassung zu überzeugen. Sie gelten als einer der wichtigsten Texte zur politischen Philosophie der USA.
Wer waren die Autoren der Federalist Papers?
Die Hauptautoren waren Alexander Hamilton, James Madison und John Jay, die unter dem gemeinsamen Pseudonym "Publius" schrieben.
Welche Bedeutung hat der Fall Marbury versus Madison?
Dieser Fall aus dem Jahr 1803 ist ein Meilenstein der US-Rechtsgeschichte, da er das Prinzip der verfassungsrechtlichen Prüfung (Judicial Review) durch den Supreme Court begründete. Er gab dem Gericht die Macht, Gesetze für verfassungswidrig zu erklären.
Wie hängen die Federalist Papers mit der Verfassungsgerichtsbarkeit zusammen?
Insbesondere Artikel 78 der Federalist Papers legte die theoretische Basis für die Rolle der Judikative und deren Befugnis zur Prüfung der Verfassungsmäßigkeit von Gesetzen, was später im Fall Marbury v. Madison realisiert wurde.
Welche Themen werden in den analysierten Artikeln 9, 10, 14, 51 und 78 behandelt?
Die Artikel behandeln den Schutz der Union vor Faktionen, die Vorteile einer großen Republik, das System der Gewaltenteilung ("Checks and Balances") sowie die Ausgestaltung und Unabhängigkeit der Judikative.
Was war das Ziel der Gründerväter bei der Errichtung der USA?
Ziel war es, eine neue Ordnung zu finden, die Freiheit, Frieden, Gerechtigkeit und Individualität ermöglicht, während gleichzeitig ein Gleichgewicht zwischen starken Einzelstaaten und einer handlungsfähigen Union geschaffen wird.
- Citar trabajo
- Jannis Frech (Autor), 2006, Die Federalist Papers und die Entwicklung der Verfassungsgerichtsbarkeit (der Fall Marbury versus Madison) in den USA, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/86684