Viele Firmen besitzen belastete Grundstücke, auf denen sie ihre Betriebe unterhalten. Auf sie kommen in den nächsten Jahren aufgrund des wachsenden Umweltbewusstseins und der damit verbundenen gesetzlichen Neuregelungen enorme finanzielle Belastungen zu. Diese Aufwendungen müssen deshalb in einer geeigneten Art und Weise steuerlich erfassbar sein. Erste Maßnahmen fanden bereits Anfang der Neunziger Jahre im Rahmen der Privatisierung von ehemaligen volkseigenen Betrieben (VEB) statt. So wurden allein in den DM-Eröffnungsbilanzen, für die Großunternehmen der ehemaligen Treuhandanstalt, Rückstellungen für ökologische Altlasten in Höhe von 45 Mrd. DM gebildet.
Durch eine neue umweltfreundlichere Gesetzgebung, einer neuen Rechtssprechung und aktuellen Statistiken erfährt diese Materie ein neues Diskussionspotential. Das Themengebiet Altlasten umfasst eine Vielzahl von Einzelfragen der bilanzsteuerlichen Behandlung, die für betroffene Konzerne, Körperschaften und Einzelkaufleute von immenser Bedeutung sein werden. Für die Unternehmen gilt es zunächst zu klären, ob ein gesetzlicher Zwang zur Sanierung von Grundstücken besteht. In einem zweiten Schritt soll untersucht werden, ob es Möglichkeiten gibt, die zukünftigen Ausgaben im Jahresabschluss zu berücksichtigen. Es stellt sich dabei die Frage, in welcher Art und Weise eine Bilanzierung der Aufwendungen erfolgen muss. Hierbei soll insbesondere auf die Bildung von Sanierungsrückstellungen eingegangen werden. Geklärt wird, unter welchen Voraussetzungen eine solche Rückstellung gebildet werden kann.
Außerdem steht die Frage nach der Bewertung dieses Bilanzpostens im Raum. Ein weiterer Punkt in der Bilanzierung von Altlasten ist die damit verbundene Bewertung der einzelnen Grundstücke. Es stellt sich die Frage, inwieweit für derartig belastete Grundstücke Abschreibungsmöglichkeiten bestehen. Das Augenmerk wird dabei auf der Möglichkeit der Teilwertabschreibung liegen. Darüber hinaus gilt es im Zuge neuester Rechtssprechung zu untersuchen, inwieweit ein Zusammenspiel von Sanierungsrückstellung auf der einen und einer Teilwertabschreibung auf der anderen Seite möglich ist. Die soll zusätzlich am Beispiel der Betriebsaufspaltung gezeigt werden, die für diese Problematik ein ganz eigenes Lösungsmuster beinhaltet.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung
- 2. Bundes-Bodenschutzgesetz
- 2.1 Bundes-Bodenschutzgesetz im Überblick
- 2.2 Begriffsdefinitionen im Bundes-Bodenschutzgesetz
- 2.3 Verpflichtung zur Sanierung
- 2.3.1 Betroffener Personenkreis
- 2.3.2 Kosten der Sanierung
- 3. Berücksichtigung von Altlasten als Rückstellungen
- 3.1 Begriff der Rückstellung
- 3.2 Abgrenzung Verbindlichkeits- oder Aufwandsrückstellung bei Altlasten
- 3.3 Altlasten als Verbindlichkeitsrückstellung
- 3.3.1 Öffentlich-rechtliche Verpflichtung bei Altlasten
- 3.3.1.1 Konkretisierungserfordernisse und die Wahrscheinlichkeit der Inanspruchnahme
- 3.3.1.2 Kritische Betrachtungsweise der Literatur zur Wahrscheinlichkeit der Inanspruchnahme
- 3.3.1.3 Mein Standpunkt zur Problematik der Inanspruchnahme
- 3.3.1.4 Sanktionsmaßnahmen bei öffentlich-rechtlichen Sanierungsverpflichtungen von Altlasten
- 3.3.2 Privatrechtliche Verpflichtung
- 3.4 Besonderheiten bei einer Betriebsaufspaltung
- 3.5 Wirtschaftliche Verursachung bei einer Altlastenrückstellung
- 3.6 Bewertung und Abzinsung von Rückstellungen für Umweltaltlasten
- 3.6.1 Bewertung der Altlastenrückstellung
- 3.6.2 Abzinsung von Rückstellungen
- 3.7 Auflösung der Rückstellung
- 3.8 Erfassung von staatlichen Fördermitteln
- 4. Bewertung von Altlastenflächen mit dem Teilwert
- 4.1 Allgemeine Aussagen zum Teilwert
- 4.2 Dauerhaftigkeit der Wertminderung
- 4.3 Wertaufholung bei Altlasten
- 5. Konkurrenz zwischen Rückstellung und Teilwertabschreibung
- 5.1 Unterschiedliche Ansichten in Literatur und Rechtssprechung
- 5.2 Konkurrenz der Rückstellungsbildung im Rahmen einer Betriebsaufspaltung
- 6. Zusammenfassung
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Diplomarbeit befasst sich mit der bilanzsteuerlichen Behandlung von Altlasten. Im Fokus steht dabei die Klärung der Frage, unter welchen Voraussetzungen und in welcher Form Altlasten in der Bilanz berücksichtigt werden müssen.
- Die rechtlichen Grundlagen des Bundesbodenschutzgesetzes (BBodSchG) und die Definition von Altlasten
- Die rechtlichen Verpflichtungen zur Sanierung von Altlasten und die Bestimmung des verantwortlichen Personenkreises
- Die Bildung von Rückstellungen für Altlasten und die Abgrenzung von Verbindlichkeits- und Aufwandsrückstellungen
- Die Bewertung von Altlastenflächen im Rahmen der Teilwertabschreibung
- Die mögliche Konkurrenz zwischen Rückstellungsbildung und Teilwertabschreibung
Zusammenfassung der Kapitel
Kapitel 1 bietet eine Einleitung in das Thema der Altlasten und erläutert deren Relevanz im Kontext der bilanzsteuerlichen Behandlung. Kapitel 2 analysiert das Bundesbodenschutzgesetz und dessen Auswirkungen auf die Sanierungspflicht von Unternehmen. Kapitel 3 befasst sich mit den verschiedenen Formen von Rückstellungen und beleuchtet, unter welchen Voraussetzungen Altlasten als Verbindlichkeitsrückstellungen berücksichtigt werden können. Kapitel 4 beleuchtet die Teilwertabschreibung als Bewertungsmethode für Altlastenflächen. Kapitel 5 untersucht die mögliche Konkurrenz zwischen Rückstellungsbildung und Teilwertabschreibung.
Schlüsselwörter
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der bilanzsteuerlichen Behandlung von Altlasten, wobei insbesondere die Bildung von Rückstellungen für ungewisse Verbindlichkeiten im Vordergrund steht. Wesentliche Themengebiete sind die rechtlichen Grundlagen des Bundes-Bodenschutzgesetzes, die Abgrenzung von Verbindlichkeits- und Aufwandsrückstellungen sowie die Bewertung von Altlastenflächen mit dem Teilwert.
- Citar trabajo
- Michael Stets (Autor), 2005, Die bilanzsteuerliche Behandlung von Altlasten, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/84237