Die vorliegende Arbeit setzt sich mit den Berliner Abgeordnetenhauswahlen des Jahres 2001 auseinander, stellt Ergebnisse zunächst empirisch vor und wird schließlich auf der theoretischen Grundlage Schofields von 1993 mögliche Spielvorhersagen diskutieren.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 EMPIRIE
2.1 WAHLSYSTEM DER LANDTAGSWAHLEN BERLIN
2.2. ERGEBNISSE DER ABGEORDNETENHAUSWAHLEN 21. OKTOBER 2001
3 KERN UND ZYKLUSMENGE-THEORIE
4 KOALITIONSOPTIONEN
4.1 DATEN LANDESEBENE
4.2 ANALYSE
5 FAZIT
6 BIBLIOGRAPHIE
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Regierungsbildung nach den Berliner Abgeordnetenhauswahlen 2001 unter Anwendung koalitionstheoretischer Modelle. Dabei wird analysiert, inwieweit die rot-rote Koalition theoretisch vorhersagbar war und welche Rolle die ideologische Distanz der beteiligten Parteien bei der Stabilität der Koalitionsoptionen spielt.
- Koalitionstheoretische Analyse der Berliner Senatsbildung 2001
- Anwendung der Kern- und Zyklusmengen-Theorie nach Schofield
- Ideologische Einordnung der Parteien mittels Wordscore-Analyse
- Evaluation der Stabilität verschiedener Koalitionsalternativen
- Vergleich von theoretischen Modellvorhersagen mit empirischen Wahlergebnissen
Auszug aus dem Buch
3 Kern und Zyklusmenge-Theorie
Zunächst gilt es einige Prämissen einzuführen, um in die Theorie der Kern- und Zyklusmenge einsteigen zu können, wobei ich mich auf ein Minimum derselben beschränke: Lemma 0.0: Es sei, dass jeder beteiligte Akteur zwei Möglichkeiten in diesem Spiel hat: Gewinn oder Nicht-Gewinn (Beteiligung oder Nicht-Beteiligung an der Koalition); somit ist das Konzept des „einfachen kooperativen Spiels“ die Grundlage. Zudem wird vollkommene Information aller Spieler angenommen.
Lemma 0.1: Es sei, dass jede Partei an der Regierungskoalition teilnehmen möchte, um ihre eigenen Politikinhalte umsetzen zu können, d.h. es wird policy-seeking vorausgesetzt; d.h. auch, dass „die Parteien rationale Akteure [seien], die konsistente Präferenzen bezüglich der anzustrebenden Politik besitzen und danach handeln“ (Pappi 2004: 156).
Die Kerntheorie stellt somit eine Erweiterung des Ansatzes der Minimal Winning Coalition (MCW) dar und zwar eine Erweiterung um die policy-Dimension.
Lemma 0.2: Es sei zudem, dass die Parteien als unitary actors angesehen werden, also einheitlich entscheiden. (vgl. Pappi 2004: 156)
Lemma 0.3: Das Umsetzen von policy-Präferenzen erfordert das Mehrheitskriterium, welches in dieser Koalitionstheorie für die Koalitionsbildung bereits vorausgesetzt wird, wodurch diese sich als einfaches Spiel betrachten lassen. (vgl. Pappi 2004: 156)
Lemma 0.4: Policy-Präferenzen (xi) lassen sich im eindimensionalen Raum in einer linearen Skala verorten; im mehrdimensionalen Raum als „ideologische“ Achsen des Koordinatensystems, wobei hier angenommen wird, dass die Achsen unabhängig und gleichgewichtet sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Die Einleitung erläutert die Relevanz der Koalitionsanalyse in parlamentarischen Systemen und definiert das Ziel der Arbeit, die Regierungsbildung in Berlin 2001 theoretisch zu untersuchen.
2 EMPIRIE: Dieses Kapitel stellt das Wahlsystem der Berliner Landtagswahlen vor und präsentiert die Sitzverteilung sowie die Ergebnisse der Wahl von 2001.
3 KERN UND ZYKLUSMENGE-THEORIE: Hier werden die theoretischen Grundlagen nach Schofield dargelegt, insbesondere das Konzept des Kerns und der Zyklusmenge zur Vorhersage von Regierungsbildungen.
4 KOALITIONSOPTIONEN: Dieses Kapitel analysiert die rechnerischen sowie die ideologisch begründeten Koalitionsmöglichkeiten unter Einbeziehung von Wordscore-Daten und Medianlinien.
5 FAZIT: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die theoretische Vorhersagbarkeit der rot-roten Koalition sowie die Stabilität der Alternativen.
6 BIBLIOGRAPHIE: Verzeichnis der verwendeten wissenschaftlichen Literatur und Quellen.
Schlüsselwörter
Koalitionstheorie, Berlin 2001, Schofield, Kernmenge, Zyklusmenge, Regierungsbildung, Politikinhalte, Policy-seeking, Abgeordnetenhauswahlen, Ideologische Distanz, Stabilitätsanalyse, Koalitionsoptionen, Medianlegislator, Mehrheitskriterium, Wordscore.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Regierungsbildung nach den Berliner Abgeordnetenhauswahlen 2001 aus der Perspektive der Koalitionstheorie, um zu verstehen, warum die rot-rote Koalition zustande kam.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen sind die Anwendung von spieltheoretischen Modellen zur Koalitionsbildung, die ideologische Verortung von Parteien und die Stabilität von Regierungskoalitionen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Wahrscheinlichkeit der rot-roten Koalition basierend auf Schofields "political heart"-Modell zu belegen und die Stabilität alternativer Optionen kritisch zu prüfen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine Kombination aus empirischer Analyse der Wahldaten und einer theoretischen Modellierung mittels Kern- und Zyklusmengen verwendet, ergänzt durch eine ideologische Einordnung der Parteien.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Prämissen erläutert, dann die Parteipositionen auf einer Links-Rechts-Skala sowie einer progressiv-konservativen Skala analysiert und schließlich die Koalitionsmöglichkeiten grafisch und theoretisch evaluiert.
Welche Schlüsselbegriffe sind für die Arbeit prägend?
Wichtige Begriffe sind insbesondere die Kernmenge, die Zyklusmenge, die Paretomenge, policy-seeking und das Konzept der "bounding coalitions".
Warum wird die PDS in der Analyse als besonders relevant für die Regierungsbildung eingestuft?
Aufgrund ihrer in der Analyse festgestellten ideologischen Position nahe der Mitte agiert die PDS in der Theorie als entscheidender Akteur für die Regierungsbildung.
Welche Rolle spielt die "Ampelkoalition" in der theoretischen Analyse im Vergleich zur Wahrnehmung der Wähler?
Während die Wähler zum Zeitpunkt der Wahl eine Ampelkoalition favorisierten, zeigt die theoretische Analyse nach Schofield, dass diese instabiler gewesen wäre als die letztlich gebildete rot-rote Regierung.
- Arbeit zitieren
- Tobias Täuber (Autor:in), 2007, Eine koalitionstheoretische Analyse der rot-roten Koalition des Berliner Senats nach den Abgeordnetenhauswahlen 2001 , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/81518