Einschätzungen und Wertungen über das Schaffen des Nobelpreisträgers Heinrich Böll (1917-1985) hatten zurecht wie im folgenden einen in hohen Maße lobenden Charakter: „Er war, alles in allem, der meistgelesene und –diskutierte, auch im Ausland bekannteste und geachtetste, kurz der ´erfolgreichste` Schriftsteller der Bundes-republik.“ In den USA galt er als „most interesting German writer“ und auch in den ehemals sozialistischen Ländern war Böll der meistgelesene Autor der BRD . Kontinuierlich begleitete er seit seinen ersten Veröffentlichungen von 1947 kritisch-produktiv die westdeutsche Gesellschaft, und sein gesamtes Werk lässt sich am besten als ein fortlaufender Kommentar zur Geschichte Nachkriegsdeutschlands und der Bundesrepublik verstehen.
Meine Hausarbeit stützt sich auf die These, dass Heinrich Böll in seiner satirischen Erzählung „Nicht nur zur Weihnachtszeit“ in erster Linie die Restaurationstendenzen innerhalb der westdeutschen Nachkriegsgesellschaft kritisieren wollte. H. M. Maidson hat dies, in nähe zu den oben genannten Schwarz und Korn, folgendermaßen auf den Punkt gebracht: „ Bölls Satire richtet sich gegen den Geist der Restauration, (...), gegen die Sehnsucht, in die ´gute alte Zeit` zurückzukehren und jeder moralischen Verpflichtung gegenüber den Erinnerungen [der Nazizeit] (...) auszuweichen.“ In dem Hauptteil werde ich in diesem Sinne die Verarbeitung der Kritikpunkte in der Kurzgeschichte anhand einer Charakteristik des Rollenensembles darlegen. Des Weiteren gehe ich in aller Kürze auf Bölls Satirebegriff ein.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Heinrich Bölls Kritik an den Restaurationstendenzen innerhalb der westdeutschen Nachkriegsgesellschaft am Beispiel von Nicht nur zur Weihnachtszeit. Eine Interpretation unter Akzentuierung des Rollenensembles
- Inhaltsangabe
- Charakteristik des Rollenensembles
- Der Erzähler
- Tante Milla
- Vetter Franz
- Onkel Franz, Johannes, Lucie
- Schluss
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit analysiert Heinrich Bölls Kurzgeschichte "Nicht nur zur Weihnachtszeit" und untersucht darin die Kritik an den Restaurationstendenzen in der westdeutschen Nachkriegsgesellschaft. Besonderer Fokus liegt auf der Interpretation des Rollenensembles und der jeweiligen Charakterisierung der Figuren.
- Die Kritik an Restaurationstendenzen in der westdeutschen Nachkriegsgesellschaft
- Die Darstellung der Figuren und deren Rollen im Kontext der gesellschaftlichen Verhältnisse
- Die Verwendung von Satire als Mittel der Kritik und die Darstellung der moralischen Verfehlungen der Figuren
- Die Analyse der literarischen Sprache und Stilmittel Bölls in "Nicht nur zur Weihnachtszeit"
- Die Einordnung der Kurzgeschichte in das Gesamtwerk Bölls und seine Auseinandersetzung mit dem Nachkriegsdeutschland
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung
Die Einleitung stellt Heinrich Böll als bedeutenden und erfolgreichen Schriftsteller der Bundesrepublik Deutschland vor, dessen Werk sich als Kommentar zur Geschichte Nachkriegsdeutschlands verstehen lässt. Der Schwerpunkt liegt auf Bölls kritischer Auseinandersetzung mit der unmittelbaren Nachkriegszeit und der anschließenden Entwicklung der westdeutschen Gesellschaft. Die Arbeit beleuchtet, wie Böll die literarische Form der Satire einsetzt, um die Scheinheiligkeit und die Missstände der Nachkriegsgesellschaft aufzudecken.
Heinrich Bölls Kritik an den Restaurationstendenzen innerhalb der westdeutschen Nachkriegsgesellschaft am Beispiel von Nicht nur zur Weihnachtszeit
Dieser Abschnitt bietet eine detaillierte Analyse der Kurzgeschichte "Nicht nur zur Weihnachtszeit". Zunächst wird die Handlung zusammengefasst, bevor das Rollenensemble im Detail beleuchtet wird. Jede Figur wird einzeln charakterisiert und deren Rolle in der Gesellschaft und im Kontext der Handlung der Geschichte analysiert. Es werden die kritischen Punkte und die satirenen Elemente der Geschichte aufgezeigt, die Bölls Kritik an den Restaurationstendenzen und den moralischen Verfehlungen der Figuren verdeutlichen.
Schlüsselwörter
Heinrich Böll, Nicht nur zur Weihnachtszeit, Westdeutsche Nachkriegsgesellschaft, Restaurationstendenzen, Satire, Rollenensemble, Figurencharakterisierung, Moral, Kritik, Gesellschaft, Nachkriegsdeutschland, Literaturwissenschaft.
Häufig gestellte Fragen
Was kritisiert Heinrich Böll in "Nicht nur zur Weihnachtszeit"?
Böll kritisiert vor allem die Restaurationstendenzen der westdeutschen Nachkriegsgesellschaft und die Sehnsucht, zur „guten alten Zeit“ zurückzukehren, um der moralischen Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit auszuweichen.
Welche Rolle spielt die Figur der Tante Milla?
Tante Milla steht im Zentrum der Satire; ihr Beharren auf einer täglichen Weihnachtsfeier symbolisiert das zwanghafte Festhalten an hohlen Traditionen und die Verdrängung der Realität.
Wie setzt Böll Satire als Mittel der Kritik ein?
Durch die groteske Übersteigerung alltäglicher Situationen entlarvt Böll die Scheinheiligkeit und den moralischen Verfall des Bürgertums in der frühen Bundesrepublik.
Warum wird Böll als "erfolgreichster" Schriftsteller der BRD bezeichnet?
Er war nicht nur Nobelpreisträger, sondern auch im In- und Ausland der meistgelesene und meistdiskutierte Autor, dessen Werk die Geschichte Nachkriegsdeutschlands kontinuierlich kommentierte.
Welche Bedeutung hat der Erzähler in der Kurzgeschichte?
Der Erzähler fungiert als beobachtendes Mitglied der Familie, dessen scheinbar sachliche Schilderung die Absurdität der Ereignisse für den Leser erst richtig greifbar macht.
- Quote paper
- Stefan Lochner (Author), 2001, Heinrich Bölls Kritik an den Restaurationstendenzen der Nachkriegszeit. Die Figurenkonstellation in der Kurzgeschichte "Nicht nur zur Weihnachtszeit", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/77627