„Olympia, und das Glück der Stadt ist gemacht“. Dieser Ausspruch des stellvertretenden Leiters der Stadtexekutive Manchesters symbolisiert die Hoffnungen, die eine Stadt in Zusammenhang mit der Ausrichtung der Olympischen Spiele hegt. In der Regel benötigen städtebauliche Maßnahmen durch Bürokratisierung und Demokratisierung der zur Planung gehörigen Prozesse eine lange Planungs- und Bauzeit. Viele heute realisierte Projekte sind vor Jahrzehnten geplant worden. Durch den Zeitdruck im Zusammenhang mit Großereignissen, wie beispielsweise den Olympischen Spielen scheint, es jedoch möglich, auch groß angelegte Projekte der Stadtentwicklung innerhalb kürzester Zeit zu verwirklichen, da sich die Stadt zum Zeitpunkt des Ereignisses von ihrer „besten Seite“ zeigen möchte. Durch die Ausrichtung derartiger Projekte kann dieser Planungsakt um ein Vielfaches beschleunigt werden.
Die katalanische Provinzhauptstadt Barcelona ist ein Vorbild für eine erfolgreiche Stadtentwicklung durch große Projekte. Die Olympischen Spiele im Jahre 1992 brachten der Metropole Stadtentwicklungsimpulse, die der Stadt nachhaltig dienten. Um einen weiteren „Schub“ für die Stadtentwicklung zu erreichen, richtete die Stadt im Jahre 2004 ein neues internationales Festival aus, das so genannte Forum 2004.
Die Olympischen Spiele 2004 in Athen stellen das jüngste Ereignis dieser Art dar. Durch die Ausrichtung dieses großen Projektes ist die Hauptstadt Griechenlands in den Fokus des Interesses der stadtgeographischen Forschungen gerückt. Vor diesem Hintergrund muss die Frage erörtert werden, inwieweit Athen den Beschleunigungseffekt für die Stadtentwicklung durch die Ausrichtung der Olympischen Spiele genutzt hat. Hierbei ist vor allem interessant, welche Veränderungen die Agglomeration durch das Ereignis erfahren hat. Zudem müssen die wirtschaftlichen Vorteile und Risiken dargelegt und die Finanzierung des Ereignisses untersucht werden.
Aus diesem Grund sollen zunächst die Begriffe der „Stadtentwicklung“ und die „Politik der großen Projekte“ bzw. die „Festivalisierung der Politik“ erörtert werden, um anschließend die Olympischen Spiele als großes Ereignis zu betrachten. In Kapitel 4 wird schließlich auf die Veränderungen in Athen im Zuge der Olympischen Spiele 2004 eingegangen. Hierbei sollen die Veränderungen der Verkehrsinfrastruktur, der urbanen Räume und der Wirtschaft untersucht werden. Zudem soll die wirtschaftliche Grundlage des großen Projektes erfasst und analysiert werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Stadtentwicklung durch große Projekte
2.1 DIE THEORIE DER STADTENTWICKLUNG
2.2 DIE THEORIE DER FESTIVALISIERUNG
2.2.1 Merkmale großer Projekte
2.2.2 Die Rolle der Großprojekte in der Politik
2.2.2.1 Argumente für die Politik der Festivalisierung
2.2.2.2 Argumente gegen die Politik der Festivalisierung
3 Die Olympischen Spiele als Großereignis
3.1 DIE OLYMPISCHEN SPIELE IN MÜNCHEN IM JAHRE 1972
3.2 DIE OLYMPISCHEN SPIELE IN BARCELONA IM JAHRE 1992
4 Die Auswirkungen der Olympischen Spiele auf die Stadtentwicklung Athens
4.1 DIE UNTERSUCHUNGSMETHODE
4.2 DIE ENTWICKLUNG ATHENS BIS ZU DEN OLYMPISCHEN SPIELEN
4.3 HYPOTHESENFORMULIERUNG
4.4 UNTERSUCHUNG DER HYPOTHESEN
4.4.1 Hypothese 1: Infrastruktur
4.4.2 Hypothese 2: Integration benachteiligter Stadtgebiete
4.4.3 Hypothese 3: Finanzierung
4.4.4 Hypothese 4: Tourismus und Image
4.4.5 Hypothese 5: Ökonomische Entwicklung
4.5 EVALUATION DER ERGEBNISSE
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht, inwieweit die Olympischen Spiele 2004 in Athen als Katalysator für eine beschleunigte Stadtentwicklung genutzt wurden. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob durch das Großereignis nachhaltige städtebauliche Veränderungen erreicht wurden und welche politischen sowie ökonomischen Strategien diesem Prozess zugrunde lagen.
- Analyse der "Theorie der Festivalisierung" in der Stadtpolitik.
- Vergleichende Betrachtung vorangegangener Großereignisse (München 1972, Barcelona 1992).
- Untersuchung der infrastrukturellen und wirtschaftlichen Auswirkungen auf den Großraum Athen.
- Evaluation von Chancen und Risiken durch die Politik der großen Projekte.
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Merkmale großer Projekte
Ein neuer Typus von Politik wird sichtbar: Die Politik der großen Ereignisse. Dabei werden kampagneartig Gelder, Menschen und Medien auf ein möglichst klar umrissenes Ziel hin mobilisiert (HÄUßERMANN und SIEBEL 1993, S. 8).
Neben dem in diesem Zitat angeführten Merkmal weisen Großereignisse noch weitere Besonderheiten auf. So finden sie in Regionen statt, die sich in einem Auswahlverfahren gegen andere Mitbewerber durchgesetzt haben. Daher unterscheidet man zwischen Weltausstellungen und Olympischen Spielen auf internationaler Ebene, der Ernennung zur Kulturhauptstadt auf europäischer Ebene oder die Ausrichtung von Bundes- bzw. Landesgartenschauen auf bundesdeutscher Ebene (vgl. HUNING und PETERS 2003).
Daneben bedarf ein Ereignis jahrelanger Vorlaufzeit, da viele infrastrukturelle Veränderungen und sonstige Entwicklungsmaßnahmen von Nöten sind, um sich über die regionalen Grenzen hinaus zu präsentieren. Die spanische Provinzstadt Sevilla beispielsweise hat bereits im Jahre 1976 verkündet, dass sie eine Weltausstellung in der Stadt ausrichten möchte. Nach dem Verfahren der Bewerbung Sevillas entwickelte man erst im Jahre 1987 einen Generalplan für die Stadt, der die Planung für die Weltausstellung und die Realisierung der weiteren Nutzung beinhaltete. Die Maßnahmen der Stadtentwicklung wurden in den letzten vier bis fünf Jahren vor der EXPO `92 in Sevilla durchgeführt. (vgl. MEYER-KÜNZEL 2001, S. 379f).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung erläutert die Hoffnung, die Städte mit der Ausrichtung von Großereignissen verbinden, und stellt die Forschungsfrage zur Beschleunigung der Stadtentwicklung durch die Olympischen Spiele in Athen.
2 Stadtentwicklung durch große Projekte: Dieses Kapitel führt in die "Theorie der Festivalisierung" ein, die als planungstheoretische Grundlage dient, und diskutiert Chancen sowie Risiken politisch forcierter Großprojekte.
3 Die Olympischen Spiele als Großereignis: Hier werden die Spiele von München 1972 und Barcelona 1992 als historische Paradebeispiele für erfolgreiche Stadtentwicklung durch Großevents analysiert.
4 Die Auswirkungen der Olympischen Spiele auf die Stadtentwicklung Athens: Der Hauptteil untersucht anhand von fünf Hypothesen, wie sich Infrastruktur, Integration, Finanzierung, Tourismus und ökonomische Entwicklung in Athen verändert haben.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Olympischen Spiele als Mittel zur infrastrukturellen Beschleunigung, warnt jedoch vor den finanziellen Belastungen und der Notwendigkeit einer klaren Nachnutzungsstrategie.
Schlüsselwörter
Stadtentwicklung, Olympische Spiele, Festivalisierung, Athen, Infrastruktur, Großereignisse, Stadtplanung, Wirtschaftsförderung, Standortpolitik, Nachhaltigkeit, Finanzierung, Tourismus, Public Private Partnership, Stadtpolitik, Strukturwandel
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Auswirkungen der Olympischen Spiele 2004 auf die Stadtentwicklung von Athen vor dem Hintergrund der "Festivalisierung der Politik".
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die Stadtplanung, die Politik der Großereignisse, wirtschaftliche Standortentwicklung sowie infrastrukturelle Transformationen in Metropolen.
Was ist die primäre Zielsetzung der Untersuchung?
Ziel ist es zu ergründen, ob und wie Athen durch das Ereignis der Olympischen Spiele städtebaulich modernisiert wurde und welche politischen Ziele dabei verwirklicht werden konnten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um einen qualitativen Forschungsansatz, der Literaturanalysen mit leitfadenorientierten Experteninterviews kombiniert.
Welche Inhalte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die Prüfung von fünf spezifischen Hypothesen zur Infrastruktur, Integration, Finanzierung, zum Tourismus und zur allgemeinen ökonomischen Entwicklung Athens.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit beschreiben?
Die wichtigsten Schlagworte umfassen Stadtentwicklung, Festivalisierung, Olympische Spiele, Infrastruktur, Standortpolitik und ökonomischer Strukturwandel.
Welche Rolle spielten die "Task Forces" bei den Olympischen Spielen in Athen?
Die Task Forces wurden zur effizienten Organisation der Spiele außerhalb der regulären Verwaltung gebildet, entzogen sich jedoch teils der demokratischen Rechenschaftslegung.
Warum war der Bau des Flughafens "Eleftherios Venizelos" so entscheidend?
Der Flughafen war essenziell für die internationale Wettbewerbsfähigkeit Athens, wobei das Projekt maßgeblich durch Public Private Partnerships realisiert wurde.
Wie wurde die Integration benachteiligter Gebiete im Rahmen der Spiele bewertet?
Die Integration erfolgte primär entlang der Küstenregion, jedoch war eine flächendeckende nachhaltige Integration über das gesamte Stadtgebiet nur teilweise nachweisbar.
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- Benedikt Laumann (Author), 2005, Stadtentwicklung durch große Projekte - Das Beispiel Olympische Spiele 2004 in Athen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/72159