„Wahlverwandtschaften“, von Goethe selbst als sein bestes Buch beschrieben, enthält ähnliche weltanschaulichen Fragestellungen wie seit dem Ende des Kalten Krieges. So wurde der Roman schon auf vielseitiger Weise zeitgenössischen oder enthistorisierend interpretiert und analysiert, da sich kaum ein zweiter Roman finden lässt, der solch eine Anzahl Analogien und Metaphern beinhaltet und somit eine der wichtigsten Umbruchszeiten der Geschichte widerspiegelt. Nicht nur in der Geschichte stellt die Zeit um 1800, mit dem US Unabhängigkeitskrieg, der frz. Revolution und den Eroberungen Napoleons ein wichtiges Zeitalter dar. Die Wissenschaft beginnt erkenntnisorientiert und losgelöst vom christlichen Dogma die Natur kategorisch zu erschließen. J. W. v. Goethe, sowohl Dichter als auch Wissenschaftler, soll durch den von Schelling angenommenen Polaritätsgedanken angeregt worden sein, den Roman „Wahlverwandtschaften“ zu schreiben. Daneben bedachte er in diesem Roman die neusten chem., sozio. und phys. Forschungsergebnisse seiner Zeit, um sie in Verbindung zu einander zu bringen.
Die angesprochene Aktualität der Geschichte beinhaltet gleichzeitig eine Attraktivität für den gymnasialen Deutschunterricht. Da sich das Buch relativ schwer lesen lässt, bedarf es besonderer Lesestrategien, den Schülern die ausgereifte Bildsprache Goethes näher zu bringen. Das „Spurenlesen“ ist eine Möglichkeit, dies zu ermöglichen. In dieser Arbeit soll eine Bestandsaufnahme mit verschiedenen Zitaten dieser „Spur“, deren Interpretation durch zeitgenössische Wissenschaftserkenntnissen, sowie der Versuch, diese in einem didaktischen Konzept zu verankern, vorgelegt werden.
Methodisch soll die Arbeit folgendermaßen aufgebaut sein. Im 1. Abschnitt werden die wissenschaftlichen Zitate aus dem Werk aufgeführt und kurz interpretiert. Hierbei wird sich aufgrund der Akzentuierung dieser Arbeit darauf beschränkt, Deutungsmöglichkeiten kurz aufzuzeigen. Im 2. Teil wird die Verbindung zwischen der wissenschaftlichen Spur und dem Selbstverständnis der Gesellschaft zur Jahrhundertwende 1800 gezeigt. In den meisten Naturwissenschaften war dies die Zeit, in der überalterte Tabus gebrochen wurden. Gleichfalls Goethe war neben seiner lit. Arbeit ein Wissenschaftler, welcher sich beispielsweise mit vielen Experimenten der Farbenlehre widmete. Im letzten Abschnitt soll der Versuch unternommen werden, das Spurenlesen als Unterrichtsbeispiel für die 10. gymnasiale Klasse literaturdidaktisch zu verwerten.
Inhaltsverzeichnis
- EINLEITUNG
- BESTANDSAUFNAHME UND INTERPRETATION DES SPURENLESEN
- DIE BEDEUTUNG DER WISSENSCHAFT FÜR DAS SELBSTVERSTÄNDNIS GOETHES UND DER GESELLSCHAFT AN DER WENDE ZUM 19. JAHRHUNDERT.
- Haus und Welt – das Gegen- und Zusammenspiel zeitlosen friedlichen Daseins mit der Welt im Umbruch.....
- LITERATURDIDAKTIK UND DIE LESESTRATEGIEN – ZWEI SICH ERGÄNZENDE SYSTEMATIKEN FÜR DEN LITERATURUNTERRICHT.
- VORSCHLAG ZUR DIDAKTISCHEN VERARBEITEN DES SPURENLESENS IM GYMNASIALEN DEUTSCHUNTERRICHT DER 10. KLASSE.
- SCHLUSSBEMERKUNG....
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit analysiert Goethes Roman „Wahlverwandtschaften“ unter dem Aspekt des „Spurenlesens“ und untersucht die Einbindung wissenschaftlicher Erkenntnisse in den Text. Ziel ist es, die Bedeutung der Wissenschaft für Goethes Selbstverständnis und die Gesellschaft der Jahrhundertwende zu beleuchten und ein didaktisches Konzept für den Einsatz des „Spurenlesens“ im gymnasialen Deutschunterricht zu entwickeln.
- Die Integration von wissenschaftlichen Erkenntnissen in „Wahlverwandtschaften“
- Die Rolle der Wissenschaft im gesellschaftlichen Umbruch der Jahrhundertwende
- Das „Spurenlesen“ als Lesestrategie für den Literaturunterricht
- Didaktische Ansätze für die Vermittlung von „Wahlverwandtschaften“ im Deutschunterricht
- Die Verbindung zwischen Literatur und Wissenschaft in Goethes Werk
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung beleuchtet die Aktualität von Goethes „Wahlverwandtschaften“ und erläutert die Bedeutung des „Spurenlesens“ für die Analyse des Romans. Kapitel 2 präsentiert eine Bestandsaufnahme und Interpretation der wissenschaftlichen Zitate im Text, während Kapitel 3 die Bedeutung der Wissenschaft für Goethes Selbstverständnis und die Gesellschaft der Jahrhundertwende thematisiert. Kapitel 4 stellt die „Lesestrategien“ und die „Literaturdidaktik“ als zwei sich ergänzende Systeme für den Literaturunterricht vor und führt in Kapitel 5 ein didaktisches Konzept für die Verwendung des „Spurenlesens“ im gymnasialen Deutschunterricht ein.
Schlüsselwörter
Die Arbeit fokussiert auf die Schlüsselbegriffe „Wahlverwandtschaften“, „Spurenlesen“, „Wissenschaft“, „Goethe“, „Gesellschaft“, „Jahrhundertwende“, „Literaturdidaktik“, „Lesestrategien“ und „Deutschunterricht“. Sie beleuchtet die Verbindung zwischen Literatur und Wissenschaft, die Integration wissenschaftlicher Erkenntnisse in literarische Texte und die Bedeutung des „Spurenlesens“ als Methode zur Analyse und Interpretation von literarischen Werken.
- Citar trabajo
- Matthias Widner (Autor), 2006, Die wissenschaftliche Spur in Johann Wolfgang von Goethes Wahlverwandtschaften, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/67008