Im Rahmen dieser Seminararbeit werden verschiedene Steuern aus Sicht der Optimalsteuertheorie auf ihre allokative Effizienz hin untersucht. Bei der Analyse der konstitutionellen Steuertheorie wird hingegen betrachtet, welche Steuerregeln als Diskussionsgrundlage für eine verfassungsgebende Versammlung geeignet wären und ob die Bürger die Erkenntnisse der Optimalsteuertheorie für eine Implementierung in der Finanzverfassung als geeignet sehen würden.
Hingegen wird vernachlässigt, ob ein Steuersystem distributiven oder stabilisierungspolitischen Vorstellungen entspricht. Ebenso wird nicht betrachtet, ob das Steuersystem verwaltungstechnisch einfach gestaltet ist und ob es Gerechtigkeitszielen entspricht. Im Folgenden werden die Optimalsteuertheorie und die konstitutionelle Steuertheorie vorgestellt und deren Annahmen und Ergebnisse verglichen. Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt auf der Einkommensverwendungsentscheidung. Die optimale Einkommens-steuer wird im Rahmen dieser Seminararbeit vernachlässigt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2. Die Optimalsteuertheorie
2.1. Annahmen der Optimalsteuertheorie
2.2. Ziele der Optimalsteuertheorie
2.3. Effiziente Besteuerung aus Sicht der Optimalsteuertheorie
2.3.1. Ermittlung der Zusatzlast mit Hilfe der Produzenten- und Konsumentenrente
2.3.2. Ermittlung der Zusatzlast mit Hilfe der Slutzky-Gleichung
2.4. Die optimale Besteuerung aus Sicht der Optimalsteuertheorie
2.4.1. Die first best Lösung
2.4.2. Die second best Lösung
2.4.2.1. Breite Besteuerungsbasis
2.4.2.2. Die Ramsey-Regel
2.4.2.2.1. Die Inverse-Elastizitäten-Regel als Spezialfall der Ramsey-Regel
2.4.2.2.2. Die Freizeitkomplementaritätsregel als Spezialfall der Ramsey-Regel
3. Die konstitutionelle Steuertheorie
3.1. Annahmen der konstitutionellen Steuertheorie
3.2. Ziele der konstitutionellen Steuertheorie
3.3. Effiziente Besteuerung aus Sicht der konstitutionellen Steuertheorie
3.4. Optimale Verfassungsregeln für eine effiziente Besteuerung
3.4.1. Ablehnung einer breiten Besteuerungsbasis im Leviathan-Modell
3.4.2. Ablehnung der Inverse-Elastizitäten-Regel im Leviathan-Modell
3.4.3. Ablehnung der Freizeitkomplementaritätsregel im Leviathan-Modell
3.4.4. Optimale Besteuerungsbasis in der Verfassung
4. Fazit und kritische Würdigung
5. Literatur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die allokative Effizienz verschiedener Steuersysteme durch den Vergleich zweier theoretischer Ansätze: der wohlfahrtsökonomischen Optimalsteuertheorie und der konstitutionellen Steuertheorie. Das Ziel der Arbeit besteht darin, zu eruieren, welche steuerlichen Regeln in einer verfassungsgebenden Versammlung als diskussionswürdig erachtet würden und inwieweit Erkenntnisse der Optimalsteuertheorie unter den restriktiven Bedingungen einer Finanzverfassung Bestand haben.
- Vergleich zwischen Optimalsteuertheorie und konstitutioneller Steuertheorie
- Analyse der allokativen Effizienz und der Vermeidung von Zusatzlasten
- Bedeutung der Ramsey-Regel und ihrer Spezialfälle
- Die Rolle des Leviathan-Modells nach Brennan und Buchanan
- Optimale Gestaltung der Besteuerungsbasis unter verfassungsrechtlichen Aspekten
Auszug aus dem Buch
2.3. Effiziente Besteuerung aus Sicht der Optimalsteuertheorie
Allokative Effizienz von Steuern liegt vor, wenn Verzerrungen der Entscheidungen von privaten Wirtschaftsakteuren vermieden werden und in der Folge auch die sogenannte Zusatzlast der Besteuerung vermieden wird. Die Zusatzlast der Besteuerung entsteht dadurch, dass ein Individuum nach Einführung oder Erhöhung einer Steuer ein anderes Güterbündel wählt, welches weniger Nutzen stiftet, als das zuvor gewählte Güterbündel.
Ein bekanntes Beispiel zur Veranschaulichung der Zusatzlast ist die französische Fenstersteuer, die die französischen Besatzer 1978 in Köln einführen wollten.
Die Kölner Bürger reagierten mit Wut auf die neue Steuer und fingen an, ihre Fenster zuzunageln. Zur Illustration sei folgendes Beispiel gegeben: Angenommen der Staat würde 1 Mio. Euro von 1000 Familien über die Fenstersteuer einnehmen wollen. Jede Familie hätte 2 Fenster und der unterstellte Grenzsteuersatz sei für das erste Fenster 3000 Euro und für das zweite Fenster 400 Euro. Ein Steuersatz von 500 Euro pro Fenster würde genügen um 1 Mio. Euro einzunehmen. Geht man jetzt aber davon aus, dass jede Familie das zweite Fenster zumauert, um der Steuer auszuweichen, müsste der Staat die Steuer auf 1000 Euro pro Fenster erhöhen, um 1 Mio. Euro einzunehmen. Das erste Fenster ist in diesem konstruierten Fall mehr als 1000 Euro wert und würde deshalb geöffnet bleiben. Im Ergebnis müsste jetzt nach wie vor jede Familie 1000 Euro Steuern zahlen, zusätzlich hätte sie aber noch einen Nutzenverlust (Zusatzlast) von 400 Euro zu tragen, da das zweite Fenster zugemauert wurde. Die Zusatzlast kann als Preis für die Abweichung einer Pareto-optimalen Allokation interpretiert werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Aufgabenstellung ein, die allokative Effizienz von Steuern aus Sicht der Optimalsteuertheorie und der konstitutionellen Steuertheorie zu vergleichen.
2. Die Optimalsteuertheorie: Das Kapitel erläutert den neoklassischen Rahmen und die Ziele der Optimalsteuertheorie, insbesondere die Vermeidung der Zusatzlast durch effiziente Steuergestaltung.
3. Die konstitutionelle Steuertheorie: Dieses Kapitel führt das Leviathan-Modell von Brennan und Buchanan als Gegenpol ein, um zu untersuchen, wie Verfassungsregeln die staatliche Besteuerungsmacht begrenzen können.
4. Fazit und kritische Würdigung: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Bewertung, in der die Grenzen beider Theorien aufgezeigt und ihre Bedeutung für die Forschung an effizienten Steuersystemen reflektiert wird.
5. Literatur: Verzeichnis der in der Seminararbeit verwendeten Quellen und wissenschaftlichen Publikationen.
Schlüsselwörter
Optimalsteuertheorie, Konstitutionelle Steuertheorie, Leviathan-Modell, Zusatzlast, Allokative Effizienz, Ramsey-Regel, Finanzverfassung, Besteuerungsbasis, Pareto-Optimalität, Steueraufkommen, Staatstheorie, Konsenskriterium, Substitutionseffekt, Freizeitkomplementarität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit vergleicht die Ansätze der Optimalsteuertheorie und der konstitutionellen Steuertheorie hinsichtlich ihrer Sicht auf Steuereffizienz und Staatsmodell.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die Vermeidung der Zusatzlast von Steuern, die Gestaltung der Besteuerungsbasis sowie die Frage, wie ein Staat innerhalb einer Verfassung reguliert werden kann.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu analysieren, ob Bürger unter konstitutionellen Bedingungen den Regeln der Optimalsteuertheorie zustimmen würden oder ob das Risiko staatlichen Machtmissbrauchs andere Regeln erfordert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Literaturanalyse und den theoretischen Vergleich, insbesondere unter Anwendung des neoklassischen Modells und des Leviathan-Staatsmodells.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die methodische Herleitung der Optimalsteuertheorie (inkl. Ramsey-Regel) und den kritischen Gegenentwurf der konstitutionellen Theorie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentral sind Begriffe wie Optimalsteuertheorie, Leviathan-Modell, Zusatzlast, Finanzverfassung und Allokative Effizienz.
Wie unterscheidet sich das Staatsverständnis zwischen beiden Theorien?
Während die Optimalsteuertheorie einen Staat unterstellt, der wie ein wohlwollender Diktator die soziale Wohlfahrt maximiert, betrachtet die konstitutionelle Theorie den Staat im Leviathan-Modell als Akteur, der eigene Interessen verfolgt.
Warum wird die Ramsey-Regel aus Sicht der konstitutionellen Steuertheorie abgelehnt?
Da die Ramsey-Regel eine Differenzierung von Steuersätzen empfiehlt, ermöglicht sie dem Leviathan-Staat eine höhere Besteuerungsgewalt und ein höheres Steueraufkommen, was zu einer für die Bürger ineffizient hohen Zusatzlast führt.
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- Patrick Schellhorn (Author), 2004, Optimalsteuertheorie vs. Konstitutionelle Steuertheorie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65765