Das Christentum in China blickt auf eine lange Geschichte zurück, in der sich Blüte- und Verfolgungszeiten stetig abwechselten. Verschiedene Herrscherdynastien förderten, unterdrückten oder ignorierten die im 7. Jahrhundert durch Nestorianer oder im 13. Jahrhundert durch Franziskaner und Dominikaner entstandenen christlichen Minderheiten. Nach einer längeren Pause der Missionstätigkeit fanden die Jesuiten 1583 Eingang in China und versuchten, insbesondere die Oberschicht der Bevölkerung durch weitgehende kulturelle Anpassung für das Christentum zu gewinnen. Dieses Vorgehen, Akkommodation genannt, führte nicht zum gewünschten Erfolg, sondern endete in Misstrauen und Verfolgung gegenüber den Missionaren und ihrer Botschaft.
In der vorliegenden Arbeit wird die Geschichte und Strategie der beginnenden Jesuitenmission in China untersucht. Es wird dabei der Zeitraum von 1583 bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts berücksichtigt und ein besonderes Augenmerk auf Matteo Ricci gerichtet, den Pionier und Protagonisten der Akkommodation. Ebenfalls viel Raum einnehmen soll die Perspektive chinesischer Sympathisanten und Gegner des Christentums. Nach einem historischen Abriss, der auch die Entwicklung der Akkommodationsstrategie enthält, wird auf den Misserfolg des Projekts eingegangen, bevor einige exemplarische Missverständnisse zwischen Jesuiten und Chinesen erläutert werden. Abschliessend soll versucht werden, aus den Ergebnissen der Untersuchung einige Schlüsse für die Missionswissenschaft und die noch immer aktuelle Frage der kulturellen Anpassung zu ziehen.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung
- 2. Quellen
- 3. Historischer Abriss
- 3.1. Idee der Akkommodation
- 3.2. Ankunft in China und Beginn der Mission
- 3.3. Die drei Lehren“: Konfuzianismus, Buddhismus und Taoismus
- 3.4. Entwicklung der Strategie
- 3.4.1. Evangelisation von „oben nach unten”
- 3.4.2. Aneignung einer neuen Rolle
- 3.4.3. Umdeutung der konfuzianischen Klassiker
- 3.4.4. Verheimlichung von Dogmen und Absichten
- 3.5. Positive Aufnahme
- 3.8. Vertrauensverlust
- 3.9. Verfolgung
- 4. Gründe für das Scheitern
- 5. Exemplarische Missverständnisse
- 5.1. Gottesbegriff
- 5.2. Jenseitsmotiv
- 5.3. Synkretismus
- 6. Akkommodation als missionswissenschaftliches Problem
- 7. Schluss
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Seminararbeit befasst sich mit der Geschichte und der Strategie der beginnenden Jesuitenmission in China zwischen 1583 und der Mitte des 17. Jahrhunderts. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf Matteo Ricci, dem Pionier und Protagonisten der Akkommodation. Die Arbeit beleuchtet auch die Perspektiven chinesischer Sympathisanten und Gegner des Christentums.
- Die Entwicklung und Umsetzung der Akkommodationsstrategie der Jesuiten in China
- Die Rolle von Matteo Ricci als Pionier und Protagonist der Akkommodationsstrategie
- Die Reaktionen chinesischer Sympathisanten und Gegner auf die jesuitische Mission
- Die Ursachen für das Scheitern der Jesuitenmission in China
- Die Bedeutung der Akkommodation als missionswissenschaftliches Problem
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung stellt den historischen Kontext der Jesuitenmission in China dar und erläutert die Zielsetzung der Arbeit. Kapitel 2 befasst sich mit den Quellen, die für die Arbeit herangezogen werden. Kapitel 3 bietet einen historischen Abriss der Jesuitenmission in China und beleuchtet die Idee der Akkommodation, die Ankunft der Jesuiten in China und den Beginn der Mission. Dieses Kapitel untersucht auch die Entwicklung der Akkommodationsstrategie, die positive Aufnahme der Jesuiten in China, den Vertrauensverlust und die Verfolgung der Missionare. Kapitel 4 untersucht die Gründe für das Scheitern der Jesuitenmission in China. Kapitel 5 beleuchtet exemplarische Missverständnisse zwischen den Jesuiten und den Chinesen. Schließlich beschäftigt sich Kapitel 6 mit der Akkommodation als missionswissenschaftliches Problem.
Schlüsselwörter
Jesuitenmission, China, Akkommodation, Matteo Ricci, Konfuzianismus, Buddhismus, Taoismus, Evangelisation, Kulturanpassung, Missverständnisse, Missionswissenschaft.
Häufig gestellte Fragen
Was ist die jesuitische Akkommodationsstrategie?
Akkommodation bedeutet die weitgehende kulturelle Anpassung der Missionare an die Sitten und Gebräuche des Gastlandes. In China versuchten die Jesuiten, besonders die Oberschicht durch die Übernahme konfuzianischer Lebensweisen zu gewinnen.
Wer war Matteo Ricci?
Matteo Ricci (1552–1610) war ein italienischer Jesuit und Pionier der Chinamission. Er gilt als Hauptvertreter der Akkommodation und erlangte durch sein Wissen in Astronomie und Mathematik hohes Ansehen am chinesischen Kaiserhof.
Warum scheiterte die Jesuitenmission in China letztendlich?
Gründe waren wachsendes Misstrauen gegenüber den Absichten der Missionare, religiöse Missverständnisse sowie der spätere Ritenstreit, der zur Verfolgung und zum Verbot der christlichen Lehre führte.
Wie standen die Jesuiten zu den „Drei Lehren“ Chinas?
Die Jesuiten suchten vor allem Anknüpfungspunkte im Konfuzianismus, den sie als ethische Philosophie interpretierten, während sie Buddhismus und Taoismus meist ablehnend gegenüberstanden.
Welche Missverständnisse gab es beim Gottesbegriff?
Die Übersetzung christlicher Begriffe (wie "Gott") in chinesische Konzepte (wie "Tiān" oder "Shàngdì") führte zu theologischen Verwirrungen darüber, ob das Christentum eine neue Lehre oder nur eine Variante alter Traditionen sei.
- Quote paper
- Sara Stöcklin (Author), 2006, Geschichte und Strategie der Jesuitenmission in China Ende sechzehntes bis Mitte siebzehntes Jahrhundert , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62433