In dieser Arbeit geht es vornehmlich um die Frage, in welchem Verhältnis der Tristan- und der Artusstoff zueinander stehen. Sind es gegensätzliche, miteinander konkurrierende oder miteinander zu vereinbarende, nebeneinander stehende Stoffe?
Wenn ich vom Tristanstoff gesprochen habe, dann meine ich diesen in der Verarbeitung durch Gottfried von Straßburg, teilweise auch durch Thomas. Das gilt gleichermaßen für den Artusstoff, da ich hier hauptsächlich auf Chrétien de Troyes referieren möchte. Er ist der berühmteste Autor, der dem Tristanstoff sehr kritisch gegenüberstand.
Dass es ein Verhältnis der Konkurrenz zwischen den beiden Stoffen gibt, ist unumstritten. Jedoch gehen die Meinungen in der Forschung spätestens bei der Frage auseinander, wie ausgeprägt diese Konkurrenzrelation ist und auf welcher Ebene sie sich abspielt.
Um eine Lösung für dieses Problem zu finden, möchte ich zunächst die verschiedenen Standpunkte der Forschung darstellen. Danach sollen zwei für unsere Fragestellung wichtige Punkte behandelt werden. Es handelt sich hierbei um die Minnekonzeption im jeweiligen Stoff und ferner um den Raum der Unhöfischkeit, der im Artusroman durch den Bereich des Waldes ausgefüllt wird. Schließlich möchte ich mich noch mit dem Cligès beschäftigen.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Die verschiedenen Interpretationen
- Die Konkurrenzbeziehung der Stoffe
- Joan M. Ferrante
- William C. McDonald
- Eckhard Höfner
- Die Minnekonzeption im jeweiligen Stoff
- Die Minnekonzeption im Artusstoff
- Die Minnekonzeption im Tristanstoff
- Die Konkurrenzbeziehung der Stoffe
- Die Transformation des unhöfischen Bereiches
- Der Cligès – ein Anti-Tristan?
- Schluss
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Hausarbeit befasst sich mit dem Verhältnis zwischen dem Tristan- und dem Artusstoff. Es wird untersucht, ob diese Stoffe gegensätzlich, miteinander konkurrierend oder miteinander vereinbar sind. Die Arbeit konzentriert sich dabei auf die Verarbeitung dieser Stoffe durch Gottfried von Straßburg und Chrétien de Troyes.
- Die Konkurrenzbeziehung zwischen Tristan- und Artusstoff
- Die Minnekonzeption im Tristan- und Artusstoff
- Die Transformation des unhöfischen Bereiches in den beiden Stoffen
- Der Cligès als möglicher „Anti-Tristan“
- Die höfische Gesellschaft und die Minne-Ehe-Rittertum-Vorstellung
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung führt in die Fragestellung der Hausarbeit ein und stellt die Relevanz der Untersuchung des Verhältnisses zwischen Tristan- und Artusstoff heraus. Es wird darauf hingewiesen, dass die Konkurrenzbeziehung zwischen den beiden Stoffen unumstritten ist, jedoch in der Forschung unterschiedliche Meinungen über die Ausprägung und die Ebene dieser Konkurrenzrelation bestehen.
Das Kapitel „Die verschiedenen Interpretationen“ befasst sich mit den Standpunkten verschiedener Forscher zum Verhältnis von Tristan- und Artusstoff. Es werden Argumente für die Konkurrenzrelation sowie verschiedene Sichtweisen auf diese Relation dargestellt.
Das Kapitel „Die Minnekonzeption im jeweiligen Stoff“ untersucht die Minnekonzeption im Artusstoff und im Tristanstoff. Es wird herausgestellt, wie sich die Minnevorstellungen in den beiden Stoffen unterscheiden und wie diese Unterschiede mit dem Verhältnis der Stoffe zueinander zusammenhängen.
Das Kapitel „Die Transformation des unhöfischen Bereiches“ beschäftigt sich mit der Darstellung des unhöfischen Bereiches in den beiden Stoffen. Es wird untersucht, wie dieser Bereich im Artusroman (durch den Bereich des Waldes) und im Tristanroman dargestellt wird und welche Bedeutung er für das Verständnis der Stoffe hat.
Das Kapitel „Der Cligès – ein Anti-Tristan?“ analysiert den Cligès von Chrétien de Troyes und stellt die Frage, ob dieser Roman als „Anti-Tristan“ zu betrachten ist. Es werden die Kritik des Autors am Tristanstoff sowie die Übernahme von Strukturelementen aus dem Tristanstoff untersucht.
Schlüsselwörter
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Verhältnis von Tristan- und Artusstoff, insbesondere mit den Werken von Gottfried von Straßburg und Chrétien de Troyes. Wichtige Themen sind die Konkurrenzbeziehung der Stoffe, die Minnekonzeption in beiden Stoffen, die Transformation des unhöfischen Bereiches, sowie der Cligès als möglicher „Anti-Tristan“. Die Arbeit befasst sich außerdem mit der höfischen Gesellschaft, der Minne-Ehe-Rittertum-Vorstellung und der Frage, wie sich diese Aspekte auf das Verhältnis von Tristan- und Artusstoff auswirken.
Häufig gestellte Fragen
In welchem Verhältnis stehen Tristanstoff und Artusstoff zueinander?
Die Arbeit untersucht, ob diese beiden mittelalterlichen Erzählstoffe gegensätzlich, konkurrierend oder komplementär zueinander stehen.
Wie unterscheidet sich die Minnekonzeption in beiden Stoffen?
Es wird analysiert, wie die Ideale von Liebe (Minne), Ehe und Rittertum im Artusroman (z.B. bei Chrétien de Troyes) im Vergleich zum Tristanroman (Gottfried von Straßburg) dargestellt werden.
Ist der Roman "Cligès" ein "Anti-Tristan"?
Die Arbeit diskutiert, inwiefern Chrétien de Troyes' "Cligès" als bewusste kritische Auseinandersetzung und Gegenentwurf zum Tristanstoff verstanden werden kann.
Welche Bedeutung hat der Wald in diesen Romanen?
Der Wald wird als "Raum der Unhöfischkeit" untersucht, der im Artusstoff eine andere funktionale Transformation erfährt als im Tristanstoff.
Wer sind die Hauptautoren, die in der Arbeit verglichen werden?
Die Analyse stützt sich primär auf die Werke von Gottfried von Straßburg (Tristan) und Chrétien de Troyes (Artusroman).
- Arbeit zitieren
- Sebastian Runkel (Autor:in), 2006, Tristanstoff vs. Artusstoff, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62326