Der Selbstmord, der für die meisten Menschen kein alltägliches Problem darstellt, nimmt dennoch in der Literatur einen wichtigen Platz ein. Über viele Epochen hinweg, ließen Dichter ihre Hauptcharaktere Hand an sich legen und provozierten somit die unterschiedlichsten Reaktionen.
Während Selbstmord bei den Römern noch als ehrenhafter Tod galt, wurde solches Handeln schon im Mittelalter als Todsünde verschrien. Und vor allem die Kirche übte starke Kritik am Suizid aus.
Dies bekamen auch die Dichter zu spüren: Zwar fanden sie immer wieder ein Publikum, dass sich mit ihren lebensmüden Figuren identifizieren konnte, jedoch hatten sie auch mit Rügen bis hin zur Indizierung zu rechnen.
Auf die Wirkungsgeschichte der literarischen Selbstmorde und ihre Konsequenzen für den Autor, bis hin zur neuen Bedeutung dieser Thematik in den heutigen Medien soll nun in dieser Seminararbeit eingegangen werden.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- 1. Begriffsklärung
- 1.1 Definition des Begriffs Zensur
- 1.2 Ursprung des Begriffs
- 1.3. Zweck der Zensur
- 1.4 Literaturgeschichte als Zensurgeschichte?
- 2. Kurze Geschichte der (literarischen) Zensur
- 2.1 Von der Antike bis zur Aufklärung
- 2.2 Von 1848 bis heute
- 2.2.1 Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien
- a) Aufgaben und Zuständigkeiten der BPjM
- b) Mitglieder und Beisitzer
- 3. Wirkungsgeschichte literarischer Selbstmorde
- 3.1 Selbstmord als literarisches Motiv im Allgemeinen
- 3.2.1 Zensierte Werke
- 3.3 Kritische Äußerungen von Zeitzeugen zum Selbstmord als literarisches Motiv (am Beispiel von Goethes Werther)
- 3.3.1 Allgemeines über das Werk
- a) Werther als Kultcharakter
- b) Das Romantische Zeitalter
- c) Werther als Vorlage für moderne Literatur
- 3.3.2 Zum Selbstmordmotiv im Werther
- 3.3.3 Kritiker des Werther
- a) Bürgerliches Weltbild
- b) Literaturverständnis zur Zeit des Erscheinens
- c) Kritikpunkte
- d) Kirchliche Kritik
- e) Kritik der Aufklärung
- 3.4 Kritische Äußerungen zum Leinwandselbstmord: Die Sünderin, von Willi Forst
- 3.4.1 Inhalt
- 3.4.2 Die Kritik der Kirche
- 3.4.3 Demonstrationen und Ausschreitungen
- Konsequenzen der Ausschreitungen
- 4. Konsequenzen für die Berichterstattung
- 4.1 Werther Effekt: Fiktion oder Realität?
- 4.2 Mediale Induktoren
- 4.3 Fernsehserie „Tod eines Schülers“
- 4.4 Wissenschaftliche Erklärung des Werther-Effekts
- 4.5.1 Suizidprävention durch die Medien selbst
- 4.5.2 Kontroverse Prävention - Information
- 4.5.4 Offizielle Richtlinien zur Suizidberichterstattung und suizidpräventiven Medien-Intervention
Häufig gestellte Fragen
Wie wurde Selbstmord in der Literaturgeschichte bewertet?
Die Bewertung wandelte sich stark: Während die Antike ihn teils als ehrenhaft ansah, verdammte das Mittelalter ihn als Todsünde, was oft zu Zensur führte.
Was ist der "Werther-Effekt"?
Benannt nach Goethes Roman, beschreibt er das Phänomen der Nachahmungssuizide nach der Veröffentlichung oder medialen Darstellung eines Selbstmords.
Warum wurde Goethes "Werther" kritisiert?
Kirche und Aufklärer fürchteten eine moralische Gefährdung der Jugend und eine Verherrlichung der "Lebensmüdigkeit", was in einigen Städten zum Verbot des Buches führte.
Welche Rolle spielt die Zensur bei diesem Thema?
Zensur diente oft dem Schutz der öffentlichen Moral oder religiöser Werte. Heute übernimmt in Deutschland die BPjM die Prüfung jugendgefährdender Medien.
Gibt es Richtlinien für die Berichterstattung über Suizide?
Ja, es existieren offizielle Richtlinien, um den Werther-Effekt zu vermeiden, indem auf detaillierte Beschreibungen verzichtet und Hilfsangebote genannt werden.
- Quote paper
- Kerstin Ivanova (Author), 2006, Der Selbstmord als literarisches Motiv im Spiegel der Zensur, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/61861