Im ersten Abschnitt dieser Seminararbeit wird eine allgemeine Definition der Varianten und ihrer Entstehung dargestellt. Im Hauptteil wird zuerst das Fehlverhalten der Unternehmen in bezug auf die Einführung neuer Produktvarianten erläutert und aufgezeigt warum es zu dieser Fehlentwicklung in vielen Unternehmen kommen kann. Außerdem stellt sich der Zusammenhang zwischen der Produktkomplexität und den Funktionsbereichen der Unternehmen dar. Anschließend wird beschrieben wie sich die Kosten bei einer Ausweitung der Variantenvielfalt verhalten und wie geeignet die Instrumente der Kostenrechnung zu deren Erkennung sind. Letztlich wird eine Übersicht der möglichen Strategien zur Variantenbeherrschung und -reduzierung dargestellt.
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Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Gang der Untersuchung
1.2 Überblick
1.3 Systematisierung
2 Hauptteil
2.1 Ursachen für die zunehmende Produktkomplexität
2.2 Auswirkungen der zunehmenden Produktkomplexität
2.2.1 Mengeneffekte
2.2.2 Funktionsbereiche des Unternehmens
2.2.2.1 Einkauf
2.2.2.2 Produktion
2.2.2.3 Absatz
2.2.2.4 Übergreifende Bereiche
2.2.3 Kostenwirkungen
2.2.3.1 Der inverse Erfahrungskurveneffekt
2.2.3.2 Produktproportionale Kosten
2.3 Kostenrechnungssysteme
2.3.1 Traditionelle Kostenrechnungssysteme
2.3.2 Aktivitätsorientierte Kostenrechnung
2.4 Überblick über mögliche Strategien zur Reduzierung und Beherrschung der Variantenvielfalt
3 Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Problematik der zunehmenden Produktkomplexität und deren Auswirkungen auf die Kostenstruktur von Industrieunternehmen. Das zentrale Ziel ist es aufzuzeigen, wie traditionelle Kostenrechnungssysteme bei der Bewertung variantenreicher Produktprogramme versagen und welche alternativen Steuerungsinstrumente, insbesondere die Prozesskostenrechnung, eine verursachungsgerechte Erfassung ermöglichen.
- Ursachen der Variantenexplosion in gesättigten Märkten
- Kostenwirkungen in Funktionsbereichen wie Einkauf, Produktion und Absatz
- Kritische Analyse des inversen Erfahrungskurveneffekts
- Vergleich traditioneller Vollkostenrechnung mit aktivitätsorientierter Kostenrechnung
- Strategien zur Reduzierung und Beherrschung der Variantenvielfalt
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Mengeneffekte
Vor der Analyse der Kosteneffekte (vgl. Kapitel 2.2.2 bzw. 2.2.3) ist eine Berücksichtigung der Mengeneffekte notwendig. Es kommt darauf an, wie die Einführung einer neuen Variante die Absatzzahlen der anderen Produkte beeinflußt, da diese Auswirkung bestimmend für Skaleneffekte (vgl. Kapitel 2.2.3.1) und somit für variantenbedingte Kosten ist. Dabei können folgende Ausprägungen unterschieden werden:19
Kannibalismus-Effekt
Die Gesamt-Stückzahl bleibt gleich, denn die Einführung der neuen Produktvarianten geht voll zu Lasten der bereits bestehenden Produkte. Es ergibt sich lediglich in dem von der neuen Produktvariante betroffenen Bereich der Produktion ein Rückgang der bisherigen produzierten Stückzahl an vorhandenen Produkten. In den nicht betroffenen Bereichen tritt keine Änderung ein.
Mitnahme-Effekt
Die Gesamt-Stückzahl erhöht sich um die Anzahl der produzierten neuen Produktvariante. Die Einführung der neuen Variante hat keinen Einfluß auf die Absatzzahlen der vorhandenen Produkte.
Mischformen
Die Gesamt-Stückzahl steigt, jedoch nur unterproportional zu der Anzahl der neuen Produktvariante. Hier tritt eine Kombination von Kannibalismus- und Mitnahme-Effekt ein. Dabei überwiegt entweder der Kannibalismus- oder der Mitnahme-Effekt, wobei empirische Untersuchungen gezeigt haben, daß i.d.R. der Kannibalismus-Effekt überwiegt.20 Aus diesem Grund wird im Folgenden von dem reinen Kannibalismus-Effekt ausgegangen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Thematik der Produktkomplexität und Erläuterung des Vorgehens der Arbeit.
2 Hauptteil: Detaillierte Untersuchung der Ursachen für Produktkomplexität, deren Auswirkungen auf verschiedene Unternehmensbereiche sowie der Analyse von Kostenrechnungssystemen.
3 Zusammenfassung und Ausblick: Kritische Würdigung der Variantenproblematik und Vorstellung von Strategien zur Kostenbeherrschung.
Schlüsselwörter
Produktkomplexität, Variantenmanagement, Prozesskostenrechnung, Kostenrechnungssysteme, Skaleneffekte, Kannibalismus-Effekt, Stückkosten, Unternehmenskosten, Variantenvielfalt, Vollkostenrechnung, Produktplanung, Fertigungskosten, Fehlmengenkosten, Unternehmenssteuerung, Wettbewerbsfähigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Herausforderungen, die mit einer steigenden Variantenvielfalt in produzierenden Unternehmen einhergehen, insbesondere im Hinblick auf die daraus resultierenden Kostensteigerungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Kerngebiete umfassen die Ursachen der Variantenexplosion, die Kosteneffekte in verschiedenen Funktionsbereichen und den Vergleich zwischen traditionellen und aktivitätsorientierten Kostenrechnungssystemen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Unternehmen die durch Produktkomplexität verursachten Kosten besser transparent machen können, um Fehlsteuerungen durch veraltete Kalkulationsmethoden zu vermeiden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Fundierung durch Literaturanalyse und der Untersuchung betriebswirtschaftlicher Kalkulationsmodelle in der industriellen Produktion.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die Auswirkungen auf Einkauf, Produktion und Absatz, erklärt den inversen Erfahrungskurveneffekt und prüft die Eignung der Prozesskostenrechnung zur verursachungsgerechten Kostenzuordnung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Variantenmanagement, Produktkomplexität, Prozesskostenrechnung und Kostenwirkungen.
Was genau versteht der Autor unter dem „Teufelskreis im Variantenmanagement“?
Der Teufelskreis beschreibt den Prozess, in dem Unternehmen versuchen, durch neue Varianten in gesättigten Märkten zu wachsen, was jedoch die Innenkomplexität erhöht und zu verdeckten Kosten führt, die wiederum die Wettbewerbsfähigkeit durch Preiserhöhungen verschlechtern.
Warum hält der Autor traditionelle Kostenrechnungssysteme für ungeeignet?
Traditionelle Zuschlagskalkulationen basieren häufig auf volumenabhängigen Bezugsgrößen, welche die oft fixen oder komplexitätsabhängigen Kosten für die Auftragsabwicklung neuer Varianten systematisch falsch zuordnen.
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- Michael Junge (Author), 1998, Produkte und ihre Komplexität, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/6179