Die vorliegende Arbeit beabsichtigt, die thukydeische Rede des Athenagoras (6, 36-40) vor dem Hintergrund des politischen Denkens in Syrakus um 415 v. Chr. genauer zu untersuchen und ihre Bedeutung und Funktion für das Gesamtwerk des Historikers aufzuzeigen. Anhand dessen ist zu versuchen mögliche Rückschlüsse zu ziehen, die die Stellung des Thukydides in der von seinen Zeitgenossen lebhaft geführten Debatte über die Verfassungsformen näher beleuchten könnten.
Ein solches Vorhaben ist, zumal in diesem Umfang, notwendig begrenzt, da die Argumentationsweisen der diesbezüglich erschienenen Literatur stark divergieren. Weder in der Bewertung der „Verfassungsrede“1des Athenagoras, noch in der Beurteilung der politischen Haltung des Thukydides haben die verschiedenen Forschungsrichtungen auch nur annähernd einen Konsens erzielen können. Zudem ist durch die Fülle an Literatur, die hier nicht gänzlich berücksichtigt werden konnte, und die Reichhaltigkeit an Problemstellungen, die diese Thematik impliziert, eine nahezu unzulässige inhaltliche Einschränkung dieser Arbeit unumgänglich.
Die o.g. Rede des Athenagoras vor der Volksversammlung in Syrakus soll im Zentrum dieser Untersuchung stehen. Daraus ableitend und unter Beachtung des relevanten Kontextes, in den die Rede eingebettet ist, werden komplexere Fragestellungen aufgeworfen und zumindest ansatzweise entwickelt. Ein methodisches Problem, das trotz seiner Evidenz in dieser Arbeit noch kurze Erwähnung finden sollte, liegt darin, daß man die Reden des Thukydides nicht ohne weiteres als seine Meinungsäußerungen verstehen darf. Klare bejahende Kommentare zu seinen Reden äußert Thukydides höchst selten. Eine Ausnahme bilden die Reden des Perikles, der, wie der Leser weiß, in der Gunst des Historikers stand.
Als Basis für diese Arbeit diente dem Verfasser die erst kürzlich erschienene Monographie Hartmut Leppins über die Verfassung der antiken Polis im Werk des Thukydides. Darüber hinaus wurde auf einige vorwiegend in englischer Sprache
erschienenen Monographien und Aufsätze zurückgegriffen, von denen namentlich der Aufsatz von Edmund F. Bloedow erwähnt werden soll.
Sämtliche Titel der verwendeten Literatur sind in einer Literaturliste abgebildet. Darüber hinaus lag dem Verfasser das Werk des Thukydides in der Übersetzung von Helmuth Vretska vor2.
Bei Quellenangaben im Text wird, der Kürze wegen, der Nachname des Verfassers und das Erscheinungsjahr seiner Publikation vermerkt.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Die thukydideischen Reden und die Verfassungstypologie
- Verfassungsbegriff und Verfassungstheorie bei Thukydides
- Probleme der Interpretation thukydideischer Reden
- Die Herausbildung einer Verfassungstypologie
- Die syrakusanische Volksversammlung von 415 v. Chr.
- Die innenpolitische Situation in Syrakus zu der Sizilschen Expedition
- Darstellung der Rede des Hermokrates
- Darstellung der Rede des Athenagoras
- Analyse und Interpretation
- Zusammenfassendes Resümee
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Rede des Athenagoras (6, 36-40) im Kontext des politischen Denkens in Syrakus um 415 v. Chr. und untersucht ihre Bedeutung und Funktion für das Gesamtwerk des Historikers Thukydides. Dabei soll versucht werden, Rückschlüsse auf die Stellung des Thukydides in der Debatte über Verfassungsformen seiner Zeitgenossen zu ziehen.
- Analyse der Rede des Athenagoras
- Verfassungsbegriff und Verfassungstheorie bei Thukydides
- Die politische Situation in Syrakus während der Sizilschen Expedition
- Interpretation der Rede im Kontext des Gesamtwerks des Thukydides
- Die Stellung des Thukydides in der Debatte über Verfassungsformen
Zusammenfassung der Kapitel
- Einleitung: Die Einleitung stellt die Thematik der Arbeit vor und erläutert die Zielsetzung, sowie die Bedeutung der Rede des Athenagoras für das Verständnis des politischen Denkens in Syrakus um 415 v. Chr. und die Rolle des Thukydides in der Debatte über Verfassungsformen.
- Die thukydideischen Reden und die Verfassungstypologie: Dieses Kapitel beschäftigt sich mit dem Verfassungsbegriff und der Verfassungstheorie bei Thukydides. Es beleuchtet die Schwierigkeiten bei der Interpretation thukydideischer Reden und die Herausbildung einer Verfassungstypologie.
- Die syrakusanische Volksversammlung von 415 v. Chr.: Dieses Kapitel beschreibt die innenpolitische Situation in Syrakus während der Sizilschen Expedition und stellt die Reden des Hermokrates und des Athenagoras dar. Es befasst sich mit der Analyse und Interpretation dieser Reden.
Schlüsselwörter
Die Arbeit konzentriert sich auf die Analyse der thukydideischen Rede des Athenagoras, die Verfassungsdebatte in Syrakus um 415 v. Chr., die politische Situation in Syrakus während der Sizilschen Expedition, die Rolle des Thukydides als Historiker und seine Stellung in der Debatte über Verfassungsformen der Antike.
Häufig gestellte Fragen
Wer war Athenagoras in der syrakusanischen Geschichte?
Athenagoras war ein syrakusanischer Politiker, der 415 v. Chr. in der Volksversammlung gegen die Warnungen vor einer athenischen Invasion sprach und die Demokratie verteidigte.
Was ist das Besondere an den Reden im Werk des Thukydides?
Thukydides nutzt Reden, um politische Theorien, Machtstrukturen und die Psychologie der handelnden Akteure darzustellen, wobei sie nicht immer wörtliche Protokolle sind.
Welche Verfassungsformen werden in der Rede des Athenagoras thematisiert?
Die Rede setzt sich intensiv mit der Demokratie auseinander und grenzt diese von der Oligarchie ab, wobei Athenagoras die Vorzüge der Volksherrschaft betont.
In welchem historischen Kontext steht die syrakusanische Volksversammlung?
Sie fand kurz vor der Sizilschen Expedition statt, einem Wendepunkt im Peloponnesischen Krieg, als Athen versuchte, Syrakus zu erobern.
Wie bewertet Thukydides Verfassungstypologien?
Thukydides analysiert Verfassungen funktional und untersucht, wie stabil sie in Krisenzeiten wie Krieg oder Revolution (Stasis) sind.
- Citar trabajo
- Oliver Laschet (Autor), 2000, Die thukydideische Rede des Athenagoras (6, 36 - 41) in der syrakusanischen Volksversammlung von 415 v. Chr., Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/61665