„Der Sandmann“ von E.T.A. erschien erstmals 1816 im ersten Teil des Erzählzyklus Nachtstücke. Mehr als jedes andere Werk Hoffmanns steht er im Kontext der literarischen Traumaforschung der heutigen Zeit. Insbesondere über die Textkomposition und die Symbolik werden völlig unterschiedliche Auffassungen vertreten.
Ausgehend von dieser nie enden wollenden Debatte um unterschiedliche Lesearten1möchte ich mich in der vorliegenden Arbeit auf psychologische Deutungsansätze und -muster bzgl. der Traumathematik beschränken und darstellen, wie das erlebte Trauma des Protagonisten Nathanael zum Ausdruck kommt und welche Auswirkungen es auf dessen weitere Lebensgeschichte hat.
Dabei soll im Wesentlichen an die unzähligen, literaturwissenschaftlichen Studien zu den verschiedensten Aspekten des ´Sandmanns` angeknüpft werden und neben älteren Publikationen von Freud und Reil, auch neuere Ergebnisse der Traumaforschung berücksichtigt werden, die als wichtige Hilfsmittel für die nachfolgenden Analysen dienen.
Aufgrund des engen Rahmens der Hausarbeit wird es keine vorgeschaltete, ausführliche Abhandlung von Ursachen und Symptomen posttraumatischer Belastungsstörungen, die in die Interpretation mit einspielen, geben, wobei jedoch im Verlauf der Ausarbeitung mögliche Auslöser und Auswirkungen eines traumatischen Erlebnisses einfließen.
Der Begriff ´Phantastik` soll in dieser Arbeit als arbeitshypothetischer Oberbegriff für alle rational nicht erklärbaren Phänomene in Hoffmanns Erzählung verwendet werden, die sich für den zeitgenössischen Leser nicht mit seinem vernünftigen Realitätsbegriff, bzw. seiner Realitätserfahrung vereinbaren lassen.
Ziel dieser Arbeit ist es, anhand des ´Sandmanns` die literarische Darstellung der Traumathematik unter besonderer Berücksichtigung von Strukturmerkmalen und Metaphorik, zu untersuchen.
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Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Trauma und Literatur
- Die Traumathematik in der heutigen Literatur
- Die Traumathematik in der zeitgenössischen Literatur Hoffmanns
- Die thematische Ebene der Traumadarstellung im 'Sandmann'
- Traumatische Erlebnisse und ihre Auswirkungen auf Nathanaels Leben
- Nathanaels Kindheit
- Nathanaels Studentenzeit
- Autobiographische Bezüge im 'Sandmann'
- Traumatische Erlebnisse und ihre Auswirkungen auf Nathanaels Leben
- Die Darstellung der Traumthematik in der Textkomposition des 'Sandmanns'
- Die Multiperspektivität
- Die metaphorische Ebene der Traumadarstellung im 'Sandmann'
- Der Motivkomplex Auge
- Die Automate als Projektionsfläche
- Die Darstellung psychischer Zustände anhand der antiken Elementenlehre
- Resümee
- Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit befasst sich mit der literarischen Darstellung der Traumathematik in E.T.A. Hoffmanns Erzählung „Der Sandmann“. Ziel ist es, die Auswirkungen eines erlebten Traumas auf den Protagonisten Nathanael anhand psychologischer Deutungsansätze zu analysieren. Dabei wird die Textkomposition und die Symbolik der Erzählung unter besonderer Berücksichtigung von Strukturmerkmalen und Metaphorik untersucht.
- Trauma als literarisches Motiv in der Geschichte
- Analyse der traumatischen Erlebnisse Nathanaels
- Die Rolle der Textkomposition und Symbolik in der Darstellung des Traumas
- Der Einfluss von Hoffmanns eigener Biografie auf die Erzählung
- Psychologische Deutungsansätze zur Interpretation des 'Sandmanns'
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung führt in die Thematik der Arbeit ein und erläutert die Zielsetzung sowie den methodischen Ansatz. Im zweiten Kapitel wird ein historischer Überblick über die literarische Auseinandersetzung mit dem Traumakonzept gegeben, bevor im dritten Kapitel die traumatischen Erlebnisse Nathanaels in seiner Kindheit und Studentenzeit analysiert werden. Das vierte Kapitel beleuchtet die Darstellung der Traumathematik in der Textkomposition des 'Sandmanns', indem es die Multiperspektivität, die metaphorische Ebene der Traumadarstellung und die Darstellung psychischer Zustände anhand der antiken Elementenlehre untersucht. Das Kapitel behandelt außerdem die Kohärenz der Erzählung zu Hoffmanns Biographie. Das Resümee fasst die gewonnenen Erkenntnisse zusammen und zieht ein kurzes Fazit.
Schlüsselwörter
Traumathematik, E.T.A. Hoffmann, 'Der Sandmann', Traumaverarbeitung, Textkomposition, Symbolik, Metaphorik, Multiperspektivität, Psychologische Deutungsansätze, Autobiographische Bezüge.
Häufig gestellte Fragen
Wie wird das Trauma in E.T.A. Hoffmanns „Der Sandmann“ dargestellt?
Das Trauma des Protagonisten Nathanael wird durch psychologische Deutungsmuster, die Struktur der Erzählung und eine dichte Symbolik zum Ausdruck gebracht.
Welche Bedeutung hat das Augen-Motiv im „Sandmann“?
Der Motivkomplex der Augen steht im Zentrum der kindlichen Urangst und fungiert als Metapher für den Verlust der Realität und die Bedrohung der Identität.
Was ist die Funktion der Automate (Olimpia) in der Erzählung?
Olimpia dient Nathanael als Projektionsfläche für seine inneren Zustände und verdeutlicht seine zunehmende Entfremdung von der menschlichen Gesellschaft.
Gibt es autobiographische Bezüge in Hoffmanns Werk?
Ja, die Arbeit untersucht Parallelen zwischen Hoffmanns eigener Biografie und den traumatischen Erlebnissen, die er in der Figur des Nathanael verarbeitet.
Wie definiert die Arbeit den Begriff „Phantastik“?
Phantastik wird als Oberbegriff für alle rational nicht erklärbaren Phänomene verwendet, die mit der vernünftigen Realitätserfahrung des Lesers brechen.
- Arbeit zitieren
- Sabrina Dahlheimer (Autor:in), 2006, Phantastische Literatur zwischen Traum und Trauma - E.T.A. Hoffmanns 'Der Sandmann', München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/59114