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Ursachen und Motive des 1. Indochinakrieges

Title: Ursachen und Motive des 1. Indochinakrieges

Seminar Paper , 2004 , 24 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Christian Rollinger (Author)

History of Europe - Newer History, European Unification
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Durch die Geschichte Frankreichs zieht sich, wie ein roter Faden, die unglückliche Angewohnheit, aus Katastrophen entweder gar nicht zu lernen, oder, wenn doch, die falschen Schlüsse daraus zu ziehen, und neue - historische - Fehler zu begehen. Vom Hundertjährigen Krieg bis zu den Erfahrungen des 20. Jahrhunderts werden die französischen Erfolge von demütigenden Rückschlägen begleitet, die man leicht hätte verhindern können. Im August 1914 etwa, zogen französische Truppen vollkommen unzulänglich vorbereitet in den Krieg; anstelle von Tarnuniformen bestand man weiterhin auf den auf Meilen erkennbarenpantalons rouges,anstelle von Stahlhelmen trugen die Soldatenkepisaus Stoff auf ihren Köpfen. Nach 1918 zog man wiederum die falschen Schlüsse aus den vorangegangenen Erfahrungen: anstelle von Panzern baute man Festungen, die sich dann im Mai 1940 als vollkommen nutzlos herausstellten. In einem allerdings hatte man sich scheinbar nicht geirrt: in den Kolonien. Von 1914 bis 1918 waren die Kolonien Frankreich von unschätzbarer Hilfe. An allen Fronten des Ersten Weltkrieges standen koloniale Truppen, auf Postkarten wurden schwarzafrikanische Infanteristen abgebildet, Nahrungsmittel und Rohstoffe flossen weiterhin aus den Kolonien in das Mutterland. 22 Jahre später, nach der Kapitulation und Besetzung Frankreichs, dienten die Kolonien als Auffangbecken für de GaullesFrance Libreund als Ausgangspunkt für die spätere Rückeroberung. Die Kolonien, so meinte man, waren unverzichtbar für das Wohlergehen Frankreichs, und so hielt sich der alte Mythos derpuissance par l’empirenach dem Zweiten Weltkrieg in den Köpfen der meisten Franzosen. Allerdings sollte sich zeigen, dass das Kolonialreich nicht mehr so einfach zu halten war. Die kolonialisierten Völker wurden zunehmend unzufriedener mit der französischen Übermacht: Das französische Indochina hatte sich im letzten Kriegsjahr schon für unabhängig erklärt und auch in Afrika breitete sich die Unzufriedenheit mit der französischen Administration immer weiter aus. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Situation Indochinas bis zum 9. März 1945

3. Die Beschlüsse von Potsdam

4. Ho Chi Minh und die Demokratische Republik Vietnam

5. Die französische Reaktion

6. Am Verhandlungstisch

7. Die kolonialistische Lobby

8. Fontainebleau

9. La course à l’abîme

10. Schlussbetrachtung

11. Bibliographie

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit analysiert die Ursachen und Motive, die zum Ausbruch des Ersten Indochinakrieges führten. Dabei steht die entscheidende Phase vom Ende des Zweiten Weltkrieges bis zum Jahr 1946 im Fokus, um die politischen Fehlentscheidungen und den Einfluss der kolonialistischen Lobby auf die französische Regierungspolitik zu untersuchen.

  • Politische Instabilität in der französischen Nachkriegszeit
  • Machtvakuum in Indochina nach dem Zweiten Weltkrieg
  • Einfluss der pro-kolonialistischen Lobby auf die französische Indochina-Politik
  • Scheitern diplomatischer Bemühungen und Verhandlungen
  • Entstehung und Radikalisierung des Vietminh

Auszug aus dem Buch

7. Die kolonialistische Lobby

Am 6. Juli 1946 sollten die Verhandlungen in Fontainebleau beginnen. Am 2. Juli 1946 wurde Ho Chi Minh offiziell vom neuen président du conseil, Georges Bidault, empfangen. Einen Tag zuvor wurden die Verhandlungen durch den Generalgouverneur d’Argenlieu so effektiv torpediert, dass sie praktisch schon gescheitert waren, ehe sie überhaupt begonnen hatten. Am 1. Juli nämlich hatte d’Argenlieu in Saigon die Gründung der République de Cochinchine bekanntgegeben – der ehrgeizige Gaulliste, der damit den Prozess der Rückeroberung Indochinas beschleunigen wollte, schickte somit eine klare Botschaft an Ho Chi Minh: Cochinchina war französisch und sollte es bleiben. Während überall in Indochina bereits das Wort von der Einheit und Unabhängigkeit ganz Vietnams kursierte, dachte man in kolonialistischen Kreisen weiterhin in anderen Kategorien: Cochinchina, Amman, Tonking, Laos, Kambodscha. Keine Einheit, sondern die alte Maxime „divide et impera“.

So hatte also, zwischen Hanoi und Fontainebleau, die kolonialistische Lobby in Frankreich zurückgeschlagen. Diese Lobby, allen voran ihr wortkräftigster Anführer, de Gaulle selbst, wollte um keinen Preis auch nur auf eine der alten Kolonien verzichten. Beherrscht wurde sie von konservativen Politikern und hommes d’états wie de Gaulle, hochrangigen Militärs wie d’Argenlieu und Salan, und den einflussreichen Kolonen selbst. Sie hielten weiterhin eisern an der „plus grande France“ fest, und an der „puissance par l’empire“, an der absoluten Notwendigkeit der Kolonien, um den Großmachtstatus Frankreichs aufrecht zu erhalten.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Arbeit beleuchtet die historische Tendenz Frankreichs, aus Fehlern der Vergangenheit nicht zu lernen, und stellt die Ambivalenz zwischen der Bedeutung der Kolonien für das nationale Selbstverständnis und den wachsenden Unabhängigkeitsbestrebungen dar.

2. Die Situation Indochinas bis zum 9. März 1945: Dieses Kapitel skizziert die koloniale Geschichte Indochinas und analysiert das Machtvakuum, das durch die Kapitulation Japans und die schwierige administrative Lage nach dem Krieg entstand.

3. Die Beschlüsse von Potsdam: Hier wird analysiert, wie die Aufteilung Indochinas in Besatzungszonen durch die Siegermächte die politische Situation weiter destabilisierte und die Rückkehr französischer Präsenz erschwerte.

4. Ho Chi Minh und die Demokratische Republik Vietnam: Es wird die rasche Organisation des Vietminh unter Ho Chi Minh beschrieben, der das Machtvakuum nutzte, um die Demokratische Republik Vietnam auszurufen.

5. Die französische Reaktion: Das Kapitel behandelt den entschlossenen Versuch de Gaulles und der französischen Verwaltung, Indochina durch den Aufbau eines Expeditionskorps unter Leclerc militärisch zurückzugewinnen.

6. Am Verhandlungstisch: Hier wird der erste Versuch beleuchtet, mittels des Modus Vivendi vom 6. März 1946 eine diplomatische Lösung zwischen Frankreich und der DRV zu finden.

7. Die kolonialistische Lobby: Der Einfluss konservativer Kräfte und de Gaulles wird untersucht, die jede Konzession zur Unabhängigkeit der Kolonien vehement ablehnten.

8. Fontainebleau: Dieses Kapitel analysiert das Scheitern der Verhandlungen von Fontainebleau, die durch d’Argenlieus eigenmächtige Gründung der Republik Cochinchina torpediert wurden.

9. La course à l’abîme: Es wird die Verschärfung der militärischen Auseinandersetzungen bis zur Bombardierung von Haiphong und dem Ausbruch des offenen Krieges im November 1946 geschildert.

10. Schlussbetrachtung: Das Fazit stellt die These auf, dass der Krieg vermeidbar gewesen wäre und führt den Ausbruch vor allem auf das Versagen der französischen Exekutive sowie den Einfluss der kolonialistischen Lobby zurück.

11. Bibliographie: Ein Verzeichnis der verwendeten wissenschaftlichen Literatur.

Schlüsselwörter

Indochinakrieg, Frankreich, Dekolonisierung, Ho Chi Minh, Vietminh, de Gaulle, Kolonialismus, Fontainebleau, Indochina, Machtvakuum, IV. Republik, Unabhängigkeit, Indochinesische Union, Cochinchina, Außenpolitik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?

Die Arbeit untersucht die politischen Ursachen und die Entstehung des Ersten Indochinakrieges aus einer historischen Perspektive.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Zentral sind die französische Nachkriegspolitik, das Machtvakuum in Indochina, die Rolle der kolonialistischen Lobby sowie der Scheitern diplomatischer Verhandlungen.

Was ist die zentrale Forschungsfrage?

Die Arbeit geht der Frage nach, warum die französische Regierung trotz ihrer prekären innenpolitischen Lage und der militärischen Aussichtslosigkeit am Diktat der kolonialen Größe festhielt und in einen Krieg führte, den sie nicht gewinnen konnte.

Welche methodische Herangehensweise wird gewählt?

Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf der Auswertung von Fachmonographien und zeitgenössischen Dokumenten basiert, um die Entscheidungsfindungen zwischen 1945 und 1946 nachzuvollziehen.

Was steht im inhaltlichen Hauptteil der Arbeit?

Der Hauptteil konzentriert sich auf die Jahre 1945 und 1946, in denen die diplomatischen Versuche scheiterten und der Einfluss von Akteuren wie d’Argenlieu und de Gaulle den Weg in den Krieg ebnete.

Welche Bedeutung kommt der "kolonialistischen Lobby" zu?

Sie wird als maßgeblicher Faktor identifiziert, der durch gezielte Sabotage von Verhandlungen und den Druck auf schwache Regierungen den Übergang in den offenen Krieg forcierte.

Wie bewertet der Autor die Rolle von Charles de Gaulle?

Der Autor ordnet de Gaulle als einen „elder statesman“ ein, der zwar nicht als alleiniger Kriegstreiber zu sehen ist, aber durch sein Festhalten am Mythos der kolonialen Größe den Friedenswillen anderer Politiker aktiv untergrub.

Welche Bedeutung hat die Gründung der „République de Cochinchine“?

Sie gilt als das Ereignis, das die Verhandlungen von Fontainebleau de facto beendete, da sie ein fait accompli schuf, das die Souveränitätsbestrebungen des Vietminh ignorierte.

Warum war der Krieg nach Ansicht des Autors nicht unvermeidlich?

Der Autor argumentiert, dass bis Ende 1946 Kompromissmöglichkeiten bestanden hätten, etwa durch die Anerkennung eines autonomen Staates innerhalb der Union française, wofür auch der Vietminh offen war.

Welches Fazit zieht die Arbeit über die politische Führung Frankreichs?

Die Arbeit schließt mit der Feststellung, dass die politische Instabilität der IV. Republik es kleinen, einflussreichen Gruppierungen ermöglichte, die französische Außenpolitik entgegen der Vernunft in einen verhängnisvollen Krieg zu steuern.

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Details

Title
Ursachen und Motive des 1. Indochinakrieges
College
University of Trier  (Fachbereich III - Neuere und Neueste Geschichte)
Course
Europa nach 1945
Grade
2,0
Author
Christian Rollinger (Author)
Publication Year
2004
Pages
24
Catalog Number
V58017
ISBN (eBook)
9783638523202
ISBN (Book)
9783656812418
Language
German
Tags
Ursachen Motive Indochinakrieges Europa
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christian Rollinger (Author), 2004, Ursachen und Motive des 1. Indochinakrieges, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/58017
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