Durch die Geschichte Frankreichs zieht sich, wie ein roter Faden, die unglückliche Angewohnheit, aus Katastrophen entweder gar nicht zu lernen, oder, wenn doch, die falschen Schlüsse daraus zu ziehen, und neue - historische - Fehler zu begehen. Vom Hundertjährigen Krieg bis zu den Erfahrungen des 20. Jahrhunderts werden die französischen Erfolge von demütigenden Rückschlägen begleitet, die man leicht hätte verhindern können. Im August 1914 etwa, zogen französische Truppen vollkommen unzulänglich vorbereitet in den Krieg; anstelle von Tarnuniformen bestand man weiterhin auf den auf Meilen erkennbarenpantalons rouges,anstelle von Stahlhelmen trugen die Soldatenkepisaus Stoff auf ihren Köpfen. Nach 1918 zog man wiederum die falschen Schlüsse aus den vorangegangenen Erfahrungen: anstelle von Panzern baute man Festungen, die sich dann im Mai 1940 als vollkommen nutzlos herausstellten. In einem allerdings hatte man sich scheinbar nicht geirrt: in den Kolonien. Von 1914 bis 1918 waren die Kolonien Frankreich von unschätzbarer Hilfe. An allen Fronten des Ersten Weltkrieges standen koloniale Truppen, auf Postkarten wurden schwarzafrikanische Infanteristen abgebildet, Nahrungsmittel und Rohstoffe flossen weiterhin aus den Kolonien in das Mutterland. 22 Jahre später, nach der Kapitulation und Besetzung Frankreichs, dienten die Kolonien als Auffangbecken für de GaullesFrance Libreund als Ausgangspunkt für die spätere Rückeroberung. Die Kolonien, so meinte man, waren unverzichtbar für das Wohlergehen Frankreichs, und so hielt sich der alte Mythos derpuissance par l’empirenach dem Zweiten Weltkrieg in den Köpfen der meisten Franzosen. Allerdings sollte sich zeigen, dass das Kolonialreich nicht mehr so einfach zu halten war. Die kolonialisierten Völker wurden zunehmend unzufriedener mit der französischen Übermacht: Das französische Indochina hatte sich im letzten Kriegsjahr schon für unabhängig erklärt und auch in Afrika breitete sich die Unzufriedenheit mit der französischen Administration immer weiter aus. [...]
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Die Situation Indochinas bis zum 9. März 1945
- Die Beschlüsse von Potsdam
- Ho Chi Minh und die Demokratische Republik Vietnam
- Die französische Reaktion
- Am Verhandlungstisch
- Die kolonialistische Lobby
- Fontainebleau
- La course à l'abîme
- Schlussbetrachtung
- Bibliographie
- Anhang - Die innenpolitische Situation Frankreichs
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit analysiert die Entstehung des Ersten Indochinakrieges und konzentriert sich dabei auf die Zeitspanne vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis Ende 1946. Ziel ist es, die Gründe für Frankreichs entschlossene Festhaltung an seinen Kolonien trotz zunehmender Unabhängigkeitsbestrebungen zu beleuchten, sowie die Folgen dieser Politik zu erforschen.
- Frankreichs koloniale Vergangenheit und die Rolle der Kolonien in der französischen Geschichte
- Die Entwicklung der Unabhängigkeitsbestrebungen in Indochina im Kontext des Zweiten Weltkriegs
- Die politische und ideologische Situation in Frankreich nach dem Zweiten Weltkrieg, insbesondere die Rolle des Kolonialismus
- Die französischen Versuche, Indochina unter Kontrolle zu halten, und die Gründe für ihr Scheitern
- Die Auswirkungen der französischen Politik auf die Entstehung des Indochinakrieges
Zusammenfassung der Kapitel
- Einleitung: Die Arbeit stellt die These auf, dass Frankreich aus vergangenen Katastrophen nicht lernte und durch seine Festhaltung an der "puissance par l'empire" den Indochinakrieg unausweichlich machte.
- Die Situation Indochinas bis zum 9. März 1945: Dieses Kapitel beleuchtet die Geschichte der französischen Kolonialisierung in Indochina, beginnend mit der Eroberung Cochinchinas im 19. Jahrhundert, bis zur vollständigen Annexion aller Gebiete im frühen 20. Jahrhundert. Außerdem wird die Entstehung des vietnamesischen Widerstands gegen die französische Herrschaft beschrieben.
- Die Beschlüsse von Potsdam: Dieses Kapitel analysiert die politischen Entscheidungen, die auf der Potsdamer Konferenz getroffen wurden, und ihre Auswirkungen auf die Zukunft Indochinas.
- Ho Chi Minh und die Demokratische Republik Vietnam: Dieses Kapitel beschreibt die Entstehung der Viet Minh unter der Führung von Ho Chi Minh und deren Ziel der Unabhängigkeit von Frankreich.
- Die französische Reaktion: Dieses Kapitel erörtert die französischen Reaktionen auf die Deklaration der Unabhängigkeit Vietnams und die Strategien, die Frankreich verfolgte, um die Kontrolle über Indochina wiederzuerlangen.
- Am Verhandlungstisch: Dieses Kapitel beleuchtet die Verhandlungen zwischen Frankreich und den vietnamesischen Nationalisten sowie die Gründe für das Scheitern dieser Verhandlungen.
- Die kolonialistische Lobby: Dieses Kapitel untersucht die einflussreichen Lobbygruppen in Frankreich, die sich für den Erhalt des französischen Kolonialreichs einsetzten.
- Fontainebleau: Dieses Kapitel beschreibt die Fontainebleau-Konferenz, eine weitere vergebliche Verhandlungsrunde zwischen Frankreich und den vietnamesischen Nationalisten.
- La course à l'abîme: Dieses Kapitel beschreibt die Eskalation der Gewalt und die Vorboten des Indochinakrieges.
Schlüsselwörter
Indochina, Kolonialismus, Frankreich, Vietnam, Ho Chi Minh, Viet Minh, Unabhängigkeitsbewegung, Potsdamer Konferenz, "puissance par l'empire", Weltkrieg, Kalter Krieg, Kolonialpolitik, Widerstand.
- Citation du texte
- Christian Rollinger (Auteur), 2004, Ursachen und Motive des 1. Indochinakrieges, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/58017