Zur Klärung der Begrifflichkeiten
Zu Beginn dieser Arbeit erscheint es notwendig, ausgehend vom zentralen Begriff der coniuratio, einige Fragen zu erheben, wie zum Beispiel : Wie kam es zu derartigen Bewegungen in der Bevölkerung, wo und wann setzten sie ein und was waren die Beweggründe der Initiatoren ? Erst im weiteren Verlauf der Arbeit wird dann konkret auf das Beispiel Trier, anhand er Urkunde Friedrichs I., einzugehen sein.
Die mittelalterliche coniuratio wird im Deutschen mit mehrerlei Begriffen gekennzeichnet, die sich aus den heutigen Erkenntnissen der Forschung über ihren Charakter herleiten. So reichen die gebräuchlichen Termini von „Schwurverband“(1) über „Eidgenossenschaft“(2) , „beschworene Einung“(3) und „Schwurbrüderschaft“(4) . Die Zeitgenossen dagegen unterschieden ganz andere Benennungen, die sie als Synonyme für die coniurationes verwendeten, jedoch muß hier natürlich ebenfalls der Blickwinkel des jeweiligen Begriffgebers berücksichtigt werden. So wurde sie seitens der Herrschaft aufgrund ihres revolutionären und aus Sicht des Herrn gefährlichen Charakters, auch als conspiration bezeichnet ; aus ihrem Selbstverständnis als friedensstiftende bzw. –erhaltende Organisation heraus existieren gleichsam die Dependants pax und amicitia.
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1 Ennen, coniuratio Sp. 135
2 Ennen, coniuratio Sp. 136
3 Dilcher Sp. 631
4 Dilcher Sp. 631
Inhaltsverzeichnis
- Die Grundlagen
- Zur Klärung der Begrifflichkeiten
- Definition des Charakters der coniuratio
- Forschungsansätze zu den Entstehungsgrundlagen der Kommunebewegung
- Ausprägung und Ziele der kommunalen Bewegung (in den zu beleuchtenden Zeitabschnitten)
- Die städtische Führungsschicht
- Das Trierer Beispiel
- Zur Quellenlage
- Realhistorischer Hintergrund
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit untersucht die Entstehung und Entwicklung von Kommunebewegungen im Mittelalter, wobei sie den Fokus auf die mittelalterliche coniuratio legt. Im Mittelpunkt steht die Analyse der Entstehungsgrundlagen, der Ziele und der Auswirkungen dieser Bewegungen im Kontext der damaligen gesellschaftlichen und politischen Strukturen.
- Die Bedeutung der coniuratio im Mittelalter
- Die verschiedenen Formen der Kommunebewegungen
- Die Rolle der coniuratio in der städtischen Entwicklung
- Die Herausforderungen und Konflikte im Verhältnis zwischen coniurationes und Herrschaft
- Die Bedeutung der coniuratio für die Entwicklung des Rechts und der sozialen Strukturen
Zusammenfassung der Kapitel
- Das erste Kapitel befasst sich mit der Definition des Begriffs coniuratio und erläutert die verschiedenen Bezeichnungen, die in der Forschung und in den Quellen verwendet werden. Es wird die Bedeutung des Eides und der gegenseitigen Hilfe als zentrale Merkmale der coniuratio hervorgehoben.
- Das zweite Kapitel untersucht den Rechtscharakter der coniuratio und analysiert die Ziele der Schwurverbände. Dabei wird die Bedeutung der Friedens- und Rechtssicherung im Mittelpunkt gestellt.
- Das dritte Kapitel beleuchtet die verschiedenen Forschungsansätze zur Entstehung der Kommunebewegungen. Es werden die Gildetheorie, die Gottesfriedenstheorie und die These der Fortsetzung früherer Gemeindebildungen vorgestellt und diskutiert.
Schlüsselwörter
Die Arbeit beschäftigt sich mit den folgenden Schlüsselbegriffen: coniuratio, Kommunebewegung, Schwurverband, Eidgenossenschaft, Gemeinde, Stadtentwicklung, Mittelalter, Recht, Herrschaft, Friedens- und Rechtssicherung, Gildetheorie, Gottesfriedenstheorie, Gemeindebildung, historische Forschung.
Häufig gestellte Fragen
Was versteht man unter einer mittelalterlichen „Coniuratio“?
Eine Coniuratio ist ein Schwurverband oder eine Eidgenossenschaft, bei der sich Stadtbewohner gegenseitig Hilfe und Frieden schworen, oft um mehr Selbstverwaltung gegenüber dem Stadtherrn zu erreichen.
Welche Rolle spielt Trier in dieser Untersuchung?
Trier dient als konkretes historisches Beispiel. Die Arbeit analysiert die dortigen Bewegungen anhand einer Urkunde Friedrichs I. und beleuchtet den realhistorischen Hintergrund der Stadt.
Welche Ziele verfolgten die kommunalen Bewegungen?
Hauptziele waren die Friedens- und Rechtssicherung innerhalb der Stadt, die Erlangung autonomer Rechte und die Minderung der Abhängigkeit von feudalen Herrschern.
Was besagen die verschiedenen Forschungstheorien zur Entstehung der Kommunen?
Die Arbeit diskutiert Ansätze wie die Gildetheorie (Entstehung aus Kaufmannsgilden), die Gottesfriedenstheorie und die These der Fortsetzung früherer Gemeindebildungen.
Wie reagierte die Herrschaft auf die Coniurationes?
Aus Sicht der Herrscher wurden diese Verbände oft als gefährliche „Conspiration“ (Verschwörung) betrachtet, während die Mitglieder sie selbst als „Pax“ (Frieden) oder „Amicitia“ (Freundschaft) bezeichneten.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 1999, Die Coniuratio - Kommunebewegung in Städten des Mittelalters (mit Quellenanalyse Bsp. Trier), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/567