In der vorliegenden Arbeit soll der Versuch unternommen werden mittels Einbeziehung relevanter Forschungsliteratur und einiger exemplifizierter, historischer Fachtexte einen Überblick über die Geschichte der Fachsprachen zu bieten. Während heutzutage über die Bedeutung von Fachsprachen, Fachprosa und Fachkommunikation im aktuellen wissenschaftlichen Diskurs weitgehender Konsens herrscht, stehen bei der historiographischen Bearbeitung des Themas nicht nur aufgrund der mangelhaften Quellenlage noch klare Antworten aus. Insbesondere, was die Geschichte einzelner Fachsprachen betrifft, auch hinsichtlich des Stellenwerts der fachsprachlichen Kommunikation in einem bestimmten sozialen Umfeld, existieren weiterhin deutliche Unsicherheiten. So wurden zwar im Kreis um Gerhard Eis umfangreiche textkritische, literarische und sachkundige Studien zur mittelalterlichen Artesliteratur durchgeführt und neben einer Vielzahl von Einzelstudien auch wenige Überblicksdarstellungen abgeschlossen, aber gerade, was die frühe Neuzeit oder das „vorliterarische Dunkel des Frühmittelalters“ betrifft, verbleibt man im Rahmen der Spekulation.2
Und obwohl im Zuge dieser Arbeit auf Grund ihres geringen Umfangs und dem allgemein orientierten Thema nicht versucht werden kann einen Fortschritt zu etwaigen Forschungsdesideraten zu leisten, so empfiehlt die kritische Zugangsweise des Autors wenigstens an dieser Stelle einen Hinweis auf die prekäre Quellenlage und der entgegen wirkenden Bemühung etlicher Autoren dennoch einen inhaltlich kohärenten Überblick zu bieten. Dass sich ein solcher Versuch der Darstellung jedoch als höchst problematisch und variabel erweist, ist für den Leser ohnehin offensichtlich und verlangt keine weitere Darlegung. Dem Charakter einer ausgewogenen Übersicht kann demnach in dieser Arbeit nur bedingt Rechnung getragen werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Prolegomena
2 Entstehung und Entwicklung von Fachsprachen im Überblick
2.1 Vom Sachwortschatz zum Fachwortschatz - Anfänge der Fachsprache im Frühmittelalter
2.2 Mittelalterliche Fachsprachen
2.3 Der fachwissenschaftliche Boom des 16. und 17. Jahrhunderts
2.4 Ausbildung einer wissenschaftlichen Fachsprache im 18. Jahrhundert
3 Historische Aspekte von Fachsprachen
3.1 Textformen der Fachprosa
3.2 Latein als Wissenschaftssprache
3.3 Fachsprachen und Gemeinsprache
3.4 Regional gebundene Fachsprachen
4 Resümee
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entwicklung der deutschen Fachsprachen von ihren Anfängen im Frühmittelalter bis zum Ende des 18. Jahrhunderts. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie sozioökonomische Faktoren, technologische Innovationen wie der Buchdruck und die Ablösung des Lateins durch die deutsche Sprache die Ausdifferenzierung und Standardisierung fachsprachlicher Kommunikation beeinflusst haben.
- Die Anfänge fachsprachlicher Verselbstständigung im Frühmittelalter
- Der Einfluss des fachwissenschaftlichen Booms des 16. und 17. Jahrhunderts
- Die Transformation der Fachsprache im 18. Jahrhundert und der Wunsch nach Normierung
- Das spannungsreiche Verhältnis zwischen Fachsprache, Gemeinsprache und Dialekt
- Historische Textformen und die Rolle des Lateins als Wissenschaftssprache
Auszug aus dem Buch
2.2 Mittelalterliche Fachsprachen
Erst ab Mitte des 14. Jahrhunderts mehren sich die schriftlichen Zeugnisse deutscher Fachprosa, wobei es sich neben Ordnungen und Protokollen der Handwerkerzünfte vor allem um Übersetzungen aus dem Lateinischen handelt, welche bis ins 18. Jahrhundert die Sprache der Wissenschaft bleibt. Ein eindrucksvolles Dokument für die fortschreitende Arbeitsteilung und ständische Organisation ist ein aus dem Jahre 1363 stammendes Verzeichnis von 50 verschiedenen Handwerkergruppen in Nürnberg. Dabei ist vor allem die Spezialisierung im Arbeitsfeld Schmiede und Metallverarbeitung auffallend.
Hans-Rüdiger Fluck führt folgende Kennzeichen der mittelalterlichen Fachsprachen des Handwerks an: Neben dem „weitgehenden Fehlen einer Theoriesprache“ wird der auf die „zünftige Verfassung beruhende engere Kommunikationsradius“ in Verbindung mit dem sozialgeschichtlich relevanten Bestehen einer „einheitlichen Arbeitswelt“ erwähnt. Damit wird erst eine individuelle Form der Kommunikation möglich. Zusätzlich sind „ihre Mundartlichkeit, ihre Lexik mit starker metaphorischer und affektiver Komponente [sowie] [...] ihre geringe innere und äußere Differenzierung“ anzuführen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Prolegomena: Dieses Kapitel führt in das Thema ein, erläutert die prekäre Quellenlage bei der historischen Untersuchung von Fachsprachen und legt die Motivation sowie die Fragestellungen der Arbeit dar.
2 Entstehung und Entwicklung von Fachsprachen im Überblick: Hier wird die chronologische Entwicklung nachgezeichnet, beginnend bei den früh-mittelalterlichen Wurzeln bis zur wissenschaftlichen Standardisierung im 18. Jahrhundert.
3 Historische Aspekte von Fachsprachen: Dieses Kapitel beleuchtet spezifische Themenfelder wie Textsorten, den Status des Lateinischen, den Einfluss auf die Gemeinsprache und regionale Varianten.
4 Resümee: Das Schlusskapitel fasst die wesentlichen Erkenntnisse zur historischen Entwicklung der Fachsprachen zusammen und betont die Notwendigkeit, diese in den Kontext der allgemeinen Sprach- und Literaturgeschichte zu stellen.
Schlüsselwörter
Fachsprache, Fachprosa, Sprachgeschichte, Mittelalter, Frühe Neuzeit, Fachwortschatz, Fachkommunikation, Latein, Wissenschaftssprache, Handwerk, Zunftwesen, Buchdruck, Fachmundart, Terminologie, Sprachnormierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet einen historischen Überblick über die Entstehung und Entwicklung der deutschen Fachsprachen vom Frühmittelalter bis zum 18. Jahrhundert.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die soziale Arbeitsteilung, der Wandel von der mündlichen zur schriftlichen Fachkommunikation, die Bedeutung des Buchdrucks und die zunehmende Ablösung des Lateinischen durch Deutsch in den Wissenschaften.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Entwicklungslinien der Fachsprachen aufzuzeigen und zu untersuchen, welche sozioökonomischen Faktoren und Wissensbedürfnisse zur Herausbildung moderner Fachsprachen führten.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Der Autor nutzt eine historisch-deskriptive Methode, wobei er relevante Forschungsliteratur auswertet und beispielhafte historische Fachtexte analysiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen chronologischen Überblick über die Phasen der Fachsprachenentwicklung und einen thematischen Abschnitt, der historische Aspekte wie Textformen, das lateinische Primat und den Einfluss von Dialekten behandelt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Fachsprache, Fachprosa, Sprachgeschichte, Fachwortschatz, Wissenschaftssprache und Normierung.
Welche Rolle spielten die Zünfte für die Sprachentwicklung?
Zünfte dienten zunächst als Hüter von „Kunstgeheimnissen“, was einen engeren Kommunikationsradius zur Folge hatte; erst später öffnete sich das Wissen durch neue Textformen wie Kunstbücher.
Was versteht man unter dem von Dieter Möhn geprägten Begriff „Fachmundart“?
Dieser Begriff beschreibt regionale Varianten der Fachsprache, die sich durch spezifische Lautung, Morphologie und Lexik vom allgemeinen Sprachgebrauch abheben.
Welche Bedeutung maß Gottfried Wilhelm Leibnitz der deutschen Sprache bei?
Leibnitz sah in der deutschen Sprache ein sehr gut geeignetes Kommunikationsmittel für Fachbereiche wie Bergbau oder Seefahrt und forderte ein interdisziplinäres Fachwörterbuch zur Normierung der Terminologie.
- Citar trabajo
- Johannes Mattes (Autor), 2006, Geschichte der Fachsprachen (bis 1800), Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/55896