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Beobachtungen zu Ödön von Horváth "Geschichten aus dem Wiener Wald"

Título: Beobachtungen zu Ödön von Horváth "Geschichten aus dem Wiener Wald"

Trabajo de Seminario , 1994 , 27 Páginas , Calificación: 1

Autor:in: Mag. Manfred Wieninger (Autor)

Filología alemana - Literatura alemana moderna
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In der vorliegenden literaturwissenschaftlichen Arbeit werden Ödön von Horváths "Geschichten aus dem Wiener Wald" vorwiegend vor der Folie der historisch-gesellschaftlichen Wirklichkeit der späten Zwanziger und frühen Dreißiger Jahre des vorigen Jahrhunderts gelesen. Es wird die These aufgestellt, dass Horváth quasi als Chronist seiner Zeit aus den gesellschaftlichen Befindlichkeiten und vor allem dem daraus resultierenden, deformierten Bewusstsein seiner Protagonisten dem Volksstück neue Perspektiven und Möglichkeiten erschlossen hat und die Gattung damit letztlich weg von einer klassischen Dramenkonzeption hin zum modernen Drama geführt hat.

Extracto


Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1) Der "Herr von Zentner" - die Klasse eines Deklassierten

2) Die Degradierten

3) Der Bildungsjargon

4) Exkurs über den vorweggenommenen Anschluß

5) Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht Ödön von Horváths „Geschichten aus dem Wiener Wald“ als eine präzise soziologische Analyse des zerfallenden Kleinbürgertums in Österreich vor 1933. Die zentrale Forschungsfrage ist, inwiefern Horváth durch die Darstellung deformierter Bewusstseinszustände und die gezielte Nutzung des „Bildungsjargons“ eine Erneuerung des Volksstücks erreicht und die gesellschaftliche Krise sowie den schleichenden politischen „Anschluss“ an das nationalsozialistische Deutschland antizipiert.

  • Wirtschaftlicher Abstieg und Proletarisierung des Mittelstandes
  • Die Funktion des Bildungsjargons als Instrument zur Aufrechterhaltung des sozialen Prestiges
  • Soziologische Kategorisierung der Figuren anhand von Horváths eigenem Romankonzept
  • Die historische Folie der Weltwirtschaftskrise und der politischen Radikalisierung
  • Horváths Technik der kontrapunktischen Rezeptionssignale zur Entlarvung ideologischer Phrasen

Auszug aus dem Buch

1) Der "Herr von Zentner" - die Klasse eines Deklassierten

Die implizite wie explizite, durch den Autor vergebene Information über die ökonomischen Verhältnisse der Dramatis personae ist in den "Geschichten aus dem Wienerwald" sehr reichlich und überaus genau. Am Beispiel Alfreds wollen wir diesen konkreten Hinweisen zunächst einmal im Text nachgehen und die gewonnenen Ergebnisse dann mit dem Mitte 1930 entstandenen Romankonzept "Der Mittelstand" von Ödön von Horváth in Beziehung setzen. Den in diesen Text entwickelten Kategorien der "neuen [...] Formen des Mittelstandes" lassen sich unserer Meinung nach beinahe sämtliche Figuren der "Geschichten aus dem Wienerwald" schlüssig zuordnen.

Die triste wirtschaftliche Situation Alfreds wird schon in der ersten Szene des ersten Teiles deutlich.

"DIE MUTTER Bist Du noch bei der Bank? ALFRED Nein."

Es ist zu vermuten, daß Horváth mit Alfreds Ausscheiden aus der Bank auf zwei konkrete zeitgeschichtliche Ereignisse im Österreich der Jahre 1930 und 1931 anspielt, nämlich auf die Zusammenbrüche der Boden-Creditanstalt und der Creditanstalt-Bankverein.

Zusammenfassung der Kapitel

Vorwort: Hier wird die Prämisse dargelegt, dass Horváth das zerfallende Kleinbürgertum analysiert und durch die Erneuerung des Volksstücks neue dramatische Möglichkeiten schafft.

1) Der "Herr von Zentner" - die Klasse eines Deklassierten: Dieses Kapitel analysiert anhand der Figur Alfreds den wirtschaftlichen Abstieg eines Bankbeamten und ordnet ihn soziologisch in den „proletarisierten Mittelstand“ ein.

2) Die Degradierten: Hier werden die verschiedenen Figuren des Stücks gemäß Horváths Kategorien des „alten“ und „neuen“ Mittelstandes analysiert, wobei der Fokus auf dem Verlust der materiellen Basis liegt.

3) Der Bildungsjargon: Das Kapitel erläutert, wie Figuren durch inhaltsleere Worthülsen und Bildungssprache versuchen, ihren sozialen Status trotz des realen Abstiegs künstlich zu wahren.

4) Exkurs über den vorweggenommenen Anschluß: Hier wird die politische Dimension des Stücks beleuchtet, insbesondere wie Horváth die ideologische Krise und den Wunsch nach dem „Anschluss“ an Deutschland in den Dialogen freilegt.

5) Ausblick: Der abschließende Teil reflektiert die späte Anerkennung Horváths und betont die Weitsicht seiner Analyse gesellschaftlicher Zustände, die in die Katastrophe von Auschwitz mündeten.

Schlüsselwörter

Ödön von Horváth, Geschichten aus dem Wiener Wald, Kleinbürgertum, Mittelstand, Bildungsjargon, Proletarisierung, Wirtschaftsgeschichte, Gesellschaftskritik, Volksstück, falsches Bewusstsein, Anschluss, Zwischenkriegszeit, soziologische Analyse, Ideologie, Deklassierung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es grundsätzlich in dieser Arbeit?

Die Arbeit untersucht, wie Ödön von Horváth in seinen „Geschichten aus dem Wiener Wald“ die ökonomische und soziale Krise des Kleinbürgertums in der österreichischen Zwischenkriegszeit literarisch verarbeitet.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die zentralen Themen sind der wirtschaftliche Abstieg der Mittelschicht, der politische „Anschluss“-Gedanke, die Entleerung von Sprache durch den sogenannten Bildungsjargon und die soziologische Klassifizierung der Dramenfiguren.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es aufzuzeigen, wie Horváth durch eine präzise soziologische Beobachtung der „Deformierung“ des Bewusstseins seiner Protagonisten das moderne Volksstück radikal erneuert hat.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?

Die Untersuchung kombiniert literaturwissenschaftliche Textanalyse mit historischen und sozialwissenschaftlichen Kontexten, insbesondere unter Rückgriff auf Horváths eigene theoretische Schriften wie „Der Mittelstand“.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse einzelner Figurentypen, die kritische Betrachtung des Sprachgebrauchs (Bildungsjargon) und einen Exkurs zur politischen Stimmung der Zeit, die bereits den kommenden Anschluss an Deutschland erahnen ließ.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Zu den Kernbegriffen zählen „Bildungsjargon“, „Deklassierung“, „falsches Bewusstsein“, „Kleinbürgertum“ und „proletarisierter Mittelstand“.

Wie definiert der Autor das Phänomen des Bildungsjargons bei Horváth?

Der Bildungsjargon wird als eine Ansammlung von Zitaten, Floskeln und Allgemeinplätzen verstanden, die von deklassierten Individuen genutzt wird, um soziale Ansprüche und eine vergangene gesellschaftliche Stellung vorzuspiegeln.

Welche Rolle spielen die Bankenzusammenbrüche für die Interpretation der Figur Alfred?

Alfreds Entlassung wird als unmittelbare Folge der Zusammenbrüche der Boden-Creditanstalt und der Creditanstalt-Bankverein interpretiert, was seine soziologische Einordnung als „degradierter Kleinbürger“ begründet.

Wie reagiert der Autor auf die Gefahr, das Ideologische in den Dialogen zu legitimieren?

Horváth setzt laut der Analyse „kontrapunktische Rezeptionssignale“, wie etwa Regieanweisungen oder ironische Brechungen, um den Aussagen der Figuren ihre vermeintliche Legitimität zu entziehen.

Warum spielt das Thema des Antisemitismus eine Rolle in der Analyse?

Das Thema wird aufgegriffen, da es als traditionelles, „verbindendes“ Element der Wiener Folklore in der Zwischenkriegszeit dargestellt wird und die ideologische Affinität der Figuren zum aufkommenden Nationalsozialismus verdeutlicht.

Final del extracto de 27 páginas  - subir

Detalles

Título
Beobachtungen zu Ödön von Horváth "Geschichten aus dem Wiener Wald"
Universidad
University of Vienna  (Institut für Germanistik)
Curso
"Buridans Österreicher". Analysen zur österreichischen Identität in der Literatur der Zwischenkriegszeit
Calificación
1
Autor
Mag. Manfred Wieninger (Autor)
Año de publicación
1994
Páginas
27
No. de catálogo
V55708
ISBN (Ebook)
9783638505949
ISBN (Libro)
9783638688123
Idioma
Alemán
Etiqueta
Beobachtungen Horváth Geschichten Wiener Wald Buridans Analysen Identität Literatur Zwischenkriegszeit
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Mag. Manfred Wieninger (Autor), 1994, Beobachtungen zu Ödön von Horváth "Geschichten aus dem Wiener Wald", Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/55708
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