Im Juni 2004 veröffentlichte der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (BCBS) eine überarbeitete Rahmenvereinbarung über die „Internationale Konvergenz der Kapitalmessung und Eigenkapitalanforderungen“, kurz „Basel II“. Herzstück dieses Papiers ist die Neugestaltung der Anforderungen an die Mindestkapitalunterlegung von Kreditinstituten, welche nun durch die Messung des Kreditrisikos bestimmt werden. Hierzu wurden zwei Optionen eingeführt, zwischen denen Banken wählen können. Im neuen auf internen Bewertungen basierenden Ansatz („IRB-Ansatz“) wird das Kreditrisiko und damit auch der Eigenkapitalbedarf anhand von quantitativ geschätzten Risikoparametern ermittelt, die in durch die Bankenaufsicht vorgegebenen Risikogewichtungsfunktionen genutzt werden. Ziel der vorliegenden Seminararbeit ist es, die innerhalb des IRB-Ansatzes verwendeten Funktionen zur Quantifizierung von Kreditrisiko zu untersuchen, wobei sich das Hauptaugenmerk auf die Analyse des theoretischen Hintergrund richtet. Darüber hinaus werden verschiedene Komponenten der Risikogewichtungsfunktion unter dem Aspekt einer konsistenten Modellierung und der Anwendbarkeit in der Praxis kritisch beleuchtet.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Wesentliche Faktoren im IRB Ansatz
- Die Ausfalldefinition
- Die Risikoparameter
- Die Modellierung des Kreditrisikos
- Die Berechnung des Value-at-Risk
- Annahme 1: Homogenes Portfolio mit unabhängig auftretenden Ausfällen
- Annahme 2: Das Firmenwertmodell
- Annahme 3: Die ASRF-Modellierung (Asymptotic Single Risk Factor)
- Annahme 4: Die Diversifizierung des Portfolios
- Erwartete und unerwartete Verluste
- Anpassung des Risikowertes an die Laufzeit der Forderung
- Berechnung der Kapitalanforderungen für ein Portfolio
- Die Berechnung des Value-at-Risk
- Kritische Aspekte der Modellierung
- Abdeckung von Kreditrisiken durch die Ausfalldefinition
- Wahl des Konfidenzniveaus
- Approximationsfehler
- Deterministischer Loss-given-Default
- Erwartete Verluste und konservative Loss-given-Defaults
- Problematik der Laufzeitanpassung
- Mögliche Probleme der VaR-Methodik
- Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit befasst sich mit der Quantifizierung von Kreditrisiken nach dem IRB Ansatz der Neuen Baseler Eigenkapitalverordnung. Sie analysiert die wichtigsten Faktoren und Methoden, die bei der Ermittlung des Value-at-Risk (VaR) und der Kapitalanforderungen für ein Kreditportfolio eine Rolle spielen. Darüber hinaus werden kritische Aspekte der Modellierung und mögliche Probleme des IRB Ansatzes aufgezeigt.
- Ausfalldefinition im IRB Ansatz
- Risikoparameter und ihre Bedeutung für die Kreditrisikomessung
- Modellierung des Kreditrisikos mittels VaR
- Kritische Analyse der Modellierungsannahmen
- Bewertung der Stärken und Schwächen des IRB Ansatzes
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung gibt einen Überblick über die Thematik der Quantifizierung von Kreditrisiken und die Bedeutung des IRB Ansatzes.
Das Kapitel "Wesentliche Faktoren im IRB Ansatz" beleuchtet die Ausfalldefinition und die relevanten Risikoparameter im IRB Modell.
Im Kapitel "Die Modellierung des Kreditrisikos" wird die Berechnung des Value-at-Risk (VaR) anhand verschiedener Annahmen und Methoden erläutert, sowie die Unterscheidung zwischen erwarteten und unerwarteten Verlusten dargestellt. Die Anpassung des Risikowertes an die Laufzeit der Forderung und die Berechnung der Kapitalanforderungen für ein Portfolio werden ebenfalls behandelt.
Das Kapitel "Kritische Aspekte der Modellierung" befasst sich mit den Herausforderungen und Schwächen des IRB Ansatzes, wie z.B. der Abdeckung von Kreditrisiken durch die Ausfalldefinition, der Wahl des Konfidenzniveaus, den Approximationsfehlern, dem deterministischen Loss-given-Default und der Problematik der Laufzeitanpassung. Außerdem werden potenzielle Probleme der VaR-Methodik diskutiert.
Das Fazit fasst die wichtigsten Erkenntnisse der Arbeit zusammen und gibt einen Ausblick auf zukünftige Entwicklungen im Bereich der Kreditrisikomessung.
Schlüsselwörter
Kreditrisiko, IRB Ansatz, Neue Baseler Eigenkapitalverordnung, Value-at-Risk (VaR), Ausfallwahrscheinlichkeit (PD), Loss-given-Default (LGD), Exposure-at-Default (EAD), Erwartete Verluste (EL), Unerwartete Verluste (UL), Modellierung, Kritische Aspekte, Laufzeitanpassung, Kapitalanforderungen, Risikoparameter.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der IRB-Ansatz unter Basel II?
Der auf internen Bewertungen basierende Ansatz (Internal Ratings-Based) erlaubt es Banken, ihr Kreditrisiko mit eigenen geschätzten Parametern zu quantifizieren.
Was bedeutet "Value-at-Risk" (VaR) im Kreditwesen?
Es ist ein Maß für das Verlustrisiko eines Portfolios, das angibt, welcher Verlust innerhalb eines Zeitraums mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit nicht überschritten wird.
Welche Risikoparameter sind im IRB-Ansatz zentral?
Zentral sind die Ausfallwahrscheinlichkeit (PD), die Verlustquote bei Ausfall (LGD), die Forderungshöhe bei Ausfall (EAD) und die effektive Restlaufzeit (M).
Was ist der Unterschied zwischen erwarteten und unerwarteten Verlusten?
Erwartete Verluste werden über die Preisgestaltung gedeckt, während unerwartete Verluste durch das regulatorische Eigenkapital abgesichert werden müssen.
Welche Kritikpunkte gibt es am IRB-Modell?
Kritisiert werden unter anderem die Wahl des Konfidenzniveaus, Approximationsfehler in der Modellierung und die Komplexität der Laufzeitanpassung.
- Arbeit zitieren
- Ludger Jußen (Autor:in), Georg Greifelt (Autor:in), 2005, Quantifizierung von Kreditrisiken nach dem IRB-Ansatz der Neuen Baseler Eigenkapitalverordnung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/55094