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Rezeption des 'Das Narren Schyff' von Sebastian Brant in den Tafeln 'Das Narrenschiff', 'Gula-Fragment', 'Tod des Geizigen und Der Hausierer' von Hieronymus Bosch

Title: Rezeption des 'Das Narren Schyff' von Sebastian Brant in den Tafeln 'Das Narrenschiff', 'Gula-Fragment', 'Tod des Geizigen und Der Hausierer' von Hieronymus Bosch

Term Paper (Advanced seminar) , 2006 , 21 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Corinna Schultz (Author)

Art - Painting
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Summary Excerpt Details

Im ursprünglichen Sinne ist der Narr ein pathologisch Irrsinniger. Geisteskranke, geistige Behinderte und Missgestaltete galten als „natürliche Narren“. Als „künstliche Narren“ bezeichnete man im Mittelalter die Menschen, die absichtlich Scherze trieben und sich dumm oder tölpelhaft verhielten. Die Hofnarren als „Offizianten“ in einem festen höfischen Amt sollten ihren Herrn allerdings nicht belustigen, sondern ihn als ernste Figur ständig daran erinnern, dass auch er in Sünde fallen könne und darin sterben werde. Sie waren also eine soziale Institution zulässiger Kritik. In der Bibel ist der Narr ebenfalls keine Figur, die nur Späße machte, sondern eine negative Gestalt. Er ist ein Gottesleugner: „Die Toren sprechen in ihrem Herzen: Es gibt keinen Gott.“

Hieronymus Bosch beschäftigte sich gleichfalls mit dem Narrenthema. Ein Zeugnis davon tragen die Tafeln das Narrenschiff (Musée du Louvre, Paris), Gula-Fragment (New Haven), Tod des Geizigen (National Gallery of Art, Washington) und der Hausierer (Museum Boijmans Van Beuningen, Rotterdam). Alle vier Arbeiten wurden mit Öl auf Eichenholz gemalt. Die technische Untersuchung der Werke mittels Infrarotfotografie und Dendrochronolgie hat ergeben, dass sie „alle aus demselben Baumstamm [stammen]. Aber sie bilden nicht nur materiell, sondern auch inhaltlich eine Einheit“3, was es noch zu untersuchen gilt. Setzt man das Gula-Fragment als unteres Teilstück mit dem Narrenschiff zusammen, ergibt sich ein Format von 92,1x30,9cm. Der Tod des Geizigen weist eine Größe von 92,6x30,8cm auf. Der Durchmesser der Kreisform des Hausierers beträgt 64,6cm. Das Format, die Malweise und die Holzanalyse bringen deutliche Argumente für die Zusammengehörigkeit der vier Tafeln.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Das Narrenthema

2. Die ausgewählten vier Tafeln des Hieronymus Bosch

2.1. Das Narrenschiff

2.2. Gula-Fragment

2.3. Tod des Geizigen

2.4. Der Hausierer

3. Sebastian Brant: „Das Narren Schyff“

4. Vergleich der Werke beider Künstler

5. Ergeben die vier ausgewählten Tafeln ein unvollständiges Triptychon?

6. Zusammenfassende Interpretation

Zielsetzung & Themen

Diese wissenschaftliche Arbeit untersucht die ikonografische und inhaltliche Rezeption von Sebastian Brants literarischem Werk „Das Narren Schyff“ in vier spezifischen Tafeln des Malers Hieronymus Bosch. Ziel ist es, die Hypothese zu prüfen, ob diese Werke – „Das Narrenschiff“, „Gula-Fragment“, „Tod des Geizigen“ und „Der Hausierer“ – ursprünglich als zusammenhängendes Triptychon konzipiert wurden und inwiefern Boschs bildliche Darstellung auf Brants moralisch-didaktische Konzepte zurückgreift.

  • Analyse des Narrenthemas im ausgehenden Mittelalter
  • Technische und inhaltliche Untersuchung der vier Bosch-Tafeln
  • Vergleichende Untersuchung zwischen Brants „Narren Schyff“ und Boschs Bildmotiven
  • Diskussion über die formale Zusammengehörigkeit der Tafeln als Triptychon
  • Gegenüberstellung der christlichen Konzepte von Sünde, Erlösung und menschlicher Vernunft bei beiden Künstlern

Auszug aus dem Buch

1. Das Narrenthema

Im ursprünglichen Sinne ist der Narr ein pathologisch Irrsinniger. Geisteskranke, geistige Behinderte und Missgestaltete galten als „natürliche Narren“. Als „künstliche Narren“ bezeichnete man im Mittelalter die Menschen, die absichtlich Scherze trieben und sich dumm oder tölpelhaft verhielten. Die Hofnarren als „Offizianten“ in einem festen höfischen Amt sollten ihren Herrn allerdings nicht belustigen, sondern ihn als ernste Figur ständig daran erinnern, dass auch er in Sünde fallen könne und darin sterben werde. Sie waren also eine soziale Institution zulässiger Kritik. In der Bibel ist der Narr ebenfalls keine Figur, die nur Späße machte, sondern eine negative Gestalt. Er ist ein Gottesleugner: „Die Toren sprechen in ihrem Herzen: Es gibt keinen Gott.“

In den mittelalterlichen Fastnachtspielen tritt der Narr als Verkünder der Wahrheit auf. Die Fastnacht gestattete das Unerlaubte und propagierte Unmoral als Moral. Das Anormale wurde zur Norm. Die entfesselte Lebenslust entthronte Ordnung, Sitte und Anstand.

Auch das Narrenschiff ist eine gegen Ende des 15. Jahrhunderts weitverbreitete Vorstellung in der Literatur des ausgehenden Mittelalters und der anbrechenden Neuzeit. Das Schiff war schon in der Antike eine Metapher für die Gesellschaft. Die niederländische Karnevalsgesellschaft „Blaue Schuyt“ verspottete die scheinheiligen gesellschaftlichen Normen. Sebastian Brants Narrenschiff, der Domprediger Geiler von Kaysersberg mit seinen Narrenschiff-Predigten in den Jahren 1498 und 1499, der Franziskaner Thomas Murner, die Schwankrede von Jodocus Gallus und weitere Spottgedichte „marginalisierte[n] ihre sich treibenlassenden, vagabundierenden ‚Nichtsnutze’[und] setzte[n] sie (literarisch) auf das ‚Narrenschiff der Müßiggänger’, das dem Untergang geweiht war.“ Die Narrenwelt erscheint als Gegenbild zur Glaubenswelt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Das Narrenthema: Dieses Kapitel erläutert den historischen Begriff des Narren, von der pathologischen Betrachtung bis hin zur literarischen Figur und sozialen Institution im Mittelalter.

2. Die ausgewählten vier Tafeln des Hieronymus Bosch: Hier werden die vier spezifischen Werke Boschs technisch beschrieben und ihre materielle sowie inhaltliche Zusammengehörigkeit beleuchtet.

2.1. Das Narrenschiff: Eine detaillierte ikonografische Analyse der feiernden Gesellschaft im Boot und der damit verbundenen christlichen Kritik an Völlerei und Sittenlosigkeit.

2.2. Gula-Fragment: Dieses Kapitel untersucht die symbolische Bedeutung der Völlerei im Fragment und dessen vermutete physische Verbindung zur Tafel „Das Narrenschiff“.

2.3. Tod des Geizigen: Untersuchung der Darstellung von Habsucht und der existentiellen Entscheidungssituation eines Sterbenden zwischen irdischem Besitz und christlichem Heil.

2.4. Der Hausierer: Analyse der Figur des Bettlers und Hausierers als Warnfigur und deren Einbettung in die moralische Bildwelt Boschs.

3. Sebastian Brant: „Das Narren Schyff“: Einführung in Struktur, Inhalt und den enormen zeitgenössischen Erfolg von Sebastian Brants literarischem Hauptwerk.

4. Vergleich der Werke beider Künstler: Untersuchung der methodischen Ähnlichkeiten und konzeptionellen Unterschiede zwischen Brants literarischer Satire und Boschs malerischer Umsetzung.

5. Ergeben die vier ausgewählten Tafeln ein unvollständiges Triptychon?: Diskussion der kunsthistorischen Hypothesen zur ursprünglichen Anordnung und Fragmentierung der vier Holztafeln.

6. Zusammenfassende Interpretation: Synthese der Ergebnisse zur Bedeutung des Narrenthemas und der moralischen Erziehungsideale in der Korrespondenz zwischen Brant und Bosch.

Schlüsselwörter

Hieronymus Bosch, Sebastian Brant, Narrenschiff, Triptychon, Kunstgeschichte, Ikonografie, Mittelalter, Völlerei, Habsucht, Moral, Symbolik, Sünden, Erlösung, Bildinterpretation, Literaturrezeption

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die inhaltliche und ikonografische Beziehung zwischen den vier Gemäldetafeln von Hieronymus Bosch und dem literarischen Werk „Das Narren Schyff“ von Sebastian Brant.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind das mittelalterliche Narrenthema, die christliche Sündenlehre, insbesondere Völlerei und Habsucht, sowie die Frage nach der formalen Einheit der Bosch-Tafeln.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das primäre Ziel ist es, die Hypothese zu überprüfen, ob die vier untersuchten Tafeln von Bosch ursprünglich Teile eines einheitlichen Triptychons waren und wie Brants Ideengehalt darin verarbeitet wurde.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin verwendet eine kunsthistorische Analyse, kombiniert mit der Untersuchung technischer Befunde (Dendrochronologie, Infrarotfotografie) und einer vergleichenden Literatur- und Bildanalyse.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden die einzelnen Tafeln detailliert ikonografisch gedeutet, Sebastian Brants Werk eingeführt und anschließend ein systematischer Vergleich zwischen den literarischen Vorlagen und den bildnerischen Umsetzungen angestellt.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Narrenschiff, Ikonografie, Boschs Triptychon, Brant-Rezeption und christliche Moraltheologie charakterisieren.

In welcher Beziehung steht die Tafel „Der Hausierer“ zu Sebastian Brants Narr?

Der Hausierer wird durch seine Kleidung und Attribute als eine Verkörperung des „Narren“ identifiziert, die Brants Konzept einer Warnfigur entspricht, die sich auf einem sündhaften Lebensweg befindet.

Warum wird das Triptychon als „unvollständig“ bezeichnet?

Die Fachwelt und die Autorin gehen davon aus, dass die Tafeln beschnitten wurden und zentrale Elemente, wie etwa eine Mitteltafel, fehlen, wodurch das ursprüngliche ikonografische Programm heute nur noch fragmentarisch erhalten ist.

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Details

Title
Rezeption des 'Das Narren Schyff' von Sebastian Brant in den Tafeln 'Das Narrenschiff', 'Gula-Fragment', 'Tod des Geizigen und Der Hausierer' von Hieronymus Bosch
College
Dresden Technical University  (Institut für Kunst- und Musikwissenschaft)
Course
Hauptseminar: Hieronymus Bosch
Grade
1,0
Author
Corinna Schultz (Author)
Publication Year
2006
Pages
21
Catalog Number
V54677
ISBN (eBook)
9783638498197
ISBN (Book)
9783640505531
Language
German
Tags
Rezeption Narren Schyff Sebastian Brant Tafeln Narrenschiff Gula-Fragment Geizigen Hausierer Hieronymus Bosch Hauptseminar Hieronymus Bosch
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Corinna Schultz (Author), 2006, Rezeption des 'Das Narren Schyff' von Sebastian Brant in den Tafeln 'Das Narrenschiff', 'Gula-Fragment', 'Tod des Geizigen und Der Hausierer' von Hieronymus Bosch, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/54677
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