Die derzeit herrschende Stimmung der Skepsis und Kritik gegenüber der heutigen Medizin und ihrer Methoden veranlasst zu einer genaueren Auseinandersetzung mit dem Thema Politik und Medizin, vor allem im Bereich der Gentechnik und der Stammzellenforschung.
Wurde nach dem Zweiten Weltkrieg die Schulmedizin als Heiler allen Übels gesehen, so hat sich dieses Bild in den letzten Jahrzehnten grundlegend verändert. Das Gespenst der inhumanen, einseitig technisch orientierten Medizin, die über die Bedürfnisse der Menschen hinweggehe, steht der früher gehegten Hoffnung und des Glaubens an die Allwissenheit „Götter in Weiß“ gegenüber.
Inwieweit soll die Politik in medizinische Prozesse eingreifen, welche Taten bedürfen einer Regelung?
Wie gestalten sich die Möglichkeiten der Politik, die heutige Technisierung der Medizin zu lenken?
Wo liegen die Grenzen der Forschung?
Welche Experimente sind zweckmäßig, und wie weit darf der Einfluss in den menschlichen Organismus Vorstoß nehmen hinsichtlich neuer Krankheitsbilder?
Wohin führen uns Gentechnik und Stammzellenforschung?
Der vorliegende Text versucht, wissenschaftlich an diese Thematik heranzugehen und Probleme wie auch Lösungsansätze vorzuzeigen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsbestimmung
2.1 Biomedizin/ Biokybernetik
2.2 Medikalisierung der Gesellschaft
2.2.1 Unterschiede zwischen Medikalisierung und Biomedikalisierung
2.3 Gesundheitspolitik/ Public Health Policy
2.4 Gesundheit ↔ Krankheit
2.5 Menschlicher Organismus/ Körper
3. Medizin im Wandel der Zeit
4. Gesundheitspolitik
4.1 Public Health Policy
4.2 In Europa
4.3 In den USA
5. Herausforderungen an eine Politik der Gesundheit
5.1 Euthanasie
5.2 Stammzellenforschung
6. Conclusio
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht den tiefgreifenden Wandel der modernen Medizin im Kontext politischer Steuerung und gesellschaftlicher Ansprüche. Der Fokus liegt dabei auf der Analyse, wie sich das Verhältnis von Individuum, Staat und medizinischer Praxis durch Technisierung und Ökonomisierung verändert hat und welche ethischen Herausforderungen sich daraus für die Gesundheitspolitik ergeben.
- Wandel von der traditionellen Medizin zur Biomedikalisierung
- Strukturen und Herausforderungen der Gesundheitspolitik in Europa und den USA
- Ethische Debatten und politische Steuerung der Sterbehilfe
- Regulierung und gesellschaftliche Bedeutung der Stammzellenforschung
- Die Rolle der Bioethik als Orientierungswissenschaft im modernen Gesundheitssystem
Auszug aus dem Buch
3. Medizin im Wandel der Zeit
Wie kam es nun zu diesem Wandel einer „Prothesenideologie“ der Nachkriegsmedizin zur Biomedizin, von der Medikalisierung zur Biomedikalisierung der Gesellschaft?
In dem Text von Adele Clarke werden einige mögliche Ansätze zur Beantwortung dieser Frage geboten. „A fundamental premise of biomedicalization is that increasingly important sciences and technologies and new social forms are co- produced within biomedicin and related domains. We signal with the “bio” the transformations of both the human and nonhuman made possible by such innovations as molecular biology, biotechnologies, transplant medicine, and computer and information sciences.”
Um den Prozess der Medikalisierung hin zur Biomedikalisierung plastischer und übersichtlicher zu gestalten, periodisierten Clarke u.a. diese Entwicklung in drei Ären: 1890 – 1945 The Rise of Medicine, 1940 – 1990 Medicalization, 1985 – present Biomedicalization.
Zudem werden fünf Schlüsselprozesse – Thesen- isoliert, die im Zusammenhang mit diesem Wandel stehen und ihn begründen sollen: Ökonomie: „The Biomedical TechnoService Complex Inc.“, Risiko und Überwachung, Wissenschaft und Technologie, Umwandlung der Produktion und Verteilung von Wissen, Transformation von Körpern und Identitäten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert den Verlust der unhinterfragten gesellschaftlichen Anerkennung der Schulmedizin und beschreibt die aktuelle Krise, die durch eine einseitig technische Orientierung und Entfremdung vom Patienten gekennzeichnet ist.
2. Begriffsbestimmung: Hier werden grundlegende Termini wie Biomedizin, Medikalisierung, Gesundheitspolitik und das Verhältnis zwischen Gesundheit und Krankheit definiert, um das theoretische Fundament für die weitere Analyse zu legen.
3. Medizin im Wandel der Zeit: Dieses Kapitel erläutert den Übergang von der Medikalisierung zur Biomedikalisierung, strukturiert in drei historische Ären und fünf zentrale Schlüsselprozesse.
4. Gesundheitspolitik: Der Abschnitt vergleicht die Gesundheitssysteme in Europa und den USA und beleuchtet die Rolle des Staates sowie die Auswirkungen der Managed Care.
5. Herausforderungen an eine Politik der Gesundheit: Das Kapitel diskutiert die ethisch hochbrisanten Themen Sterbehilfe und Stammzellenforschung im politischen Entscheidungsprozess.
6. Conclusio: Das Fazit fasst die Metamorphose der Medizin zusammen und skizziert die wachsende Bedeutung der Bioethik als regulative Instanz für zukünftige medizinische Entwicklungen.
Schlüsselwörter
Politik, Medizin, Biomedizin, Biomedikalisierung, Gesundheitspolitik, Public Health Policy, Managed Care, Sterbehilfe, Euthanasie, Stammzellenforschung, Bioethik, Gentechnik, Human Genom Projekt, Medikalisierung, Patientenschutz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der vergleichenden Analyse des Wandels der modernen Medizin und deren zunehmender Verflechtung mit politischen und ökonomischen Interessen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Biomedikalisierung der Gesellschaft, internationale Gesundheitssysteme sowie ethische Fragestellungen wie Stammzellenforschung und Sterbehilfe.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, einen Überblick über die aktuelle Verbindung zwischen Politik und Medizin zu geben und aufzuzeigen, wie sich die Rolle der Medizin durch wissenschaftlichen Fortschritt verändert hat.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Analyse und die Auswertung einschlägiger politikwissenschaftlicher sowie medizinsoziologischer Fachliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert den Prozess der Biomedikalisierung, vergleicht Gesundheitssysteme in Europa und den USA und erörtert die politischen Herausforderungen durch ethisch sensible Forschungsfelder.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Biomedikalisierung, Gesundheitspolitik, Bioethik, Managed Care, Stammzellenforschung und Sterbehilfe.
Warum wird die Situation in den USA und Deutschland bei der Stammzellenforschung verglichen?
Der Vergleich dient dazu, die Divergenz im politischen Entscheidungsprozess (Policymaking) aufzuzeigen, die maßgeblich durch unterschiedliche historische Erfahrungen und institutionelle Rahmenbedingungen beeinflusst wird.
Welche Rolle spielt die Bioethik laut der Autorin in Zukunft?
Die Bioethik könnte als Orientierungswissenschaft fungieren, um im „Dschungel der Entscheidungsfindung“ den Platz des Staates einzunehmen und ethische Leitlinien für neue medizinische Innovationen zu definieren.
- Citation du texte
- Barbara Murth (Auteur), 2002, Politik und Medizin - Skepsis und Kritik gegenüber der heutigen Medizin - Lösungsansätze, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/54605