Die Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, ob die Möglichkeit für eine herrschaftsfreie Gesellschaft besteht. Herrschaft wird in diesem Kontext in Anlehnung an Max Webers Herrschaftsdefinition verstanden als Ausübung von Macht und Kontrolle einer Person oder Personengruppe, welche die Bevölkerung durch ihre Befehle lenkt. Diese Herrschaft kann dabei durch gesetzlich geregelte Wahlen legitimiert werden, durch den Glauben an eine heilige Ordnung oder besondere Fähigkeiten des Herrschers. Die Untergebenen gehorchen dabei entweder aus Loyalität und Hingabe oder Abhängigkeit. Im Gegensatz zu einer legitimierten Herrschaft gibt es zudem die Möglichkeit der Gewaltherrschaft. Dabei wird die Macht gewaltsam erlangt und ist nicht legitimiert.
In Deutschland herrscht aktuell eine Demokratie, das Land ist als Bundesstaat organisiert, wobei an der Spitze der Bundespräsident und der Bundeskanzler steht. Politische Entscheidungen werden von Vertretern getroffen, die von Bürgern gewählt werden. Wie würde die Lage aber aussehen, wenn es keine politischen Oberhäupter gäbe und ist eine herrschaftsfreie Gesellschaft überhaupt möglich? Welche Auswirkungen und Konsequenzen hätte dies für unser Leben?
Dabei sollen die Vor- und Nachteile, mögliche Staatsformen und Systeme sowie die Übertragbarkeit auf andere Kulturen betrachtet werden. Um diese Fragen zu beantworten, möchte ich zunächst einen Blick auf die Vergangenheit werfen, um andere Länder und Kulturen mit vielfältigen Herrschaftsformen zu betrachten. Die Überlegungen gehen dabei von dem Text “Menschen - Wie wir wurden, was wir sind” aus, in dem über Herrschaftsformen überall auf der Welt berichtet wird.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Hauptteil
- Macht als Notwendigkeit
- Die Macht der Gemeinschaften
- Die Entstehung von Hierarchien
- Die Rolle der Umverteilung
- Der Aufstieg des Häuptlings
- Die Auswirkungen von Macht
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit befasst sich mit der Frage, ob eine herrschaftsfreie Gesellschaft möglich ist. Dabei wird der Begriff Herrschaft im Sinne von Max Webers Definition verstanden, als Ausübung von Macht und Kontrolle durch eine Person oder Personengruppe. Die Arbeit untersucht die Vor- und Nachteile einer herrschaftsfreien Gesellschaft, betrachtet mögliche Staatsformen und Systeme und diskutiert die Übertragbarkeit des Konzepts auf andere Kulturen.
- Notwendigkeit von Macht in der Gesellschaft
- Entwicklung von Hierarchien und Herrschaftsformen
- Die Rolle der Umverteilung in der Entstehung von Machtstrukturen
- Das Zusammenspiel von Macht und Ressourcen
- Die Auswirkungen von Herrschaft auf die Gesellschaft
Zusammenfassung der Kapitel
Der erste Teil der Arbeit beleuchtet die Frage, ob Macht überhaupt notwendig ist. Dabei werden die Theorien von Thomas Hobbes diskutiert, der den Menschen als von Konflikten bestimmt sieht und eine Monopolisierung der Macht durch einen Souverän als Lösung für den Frieden vorschlägt. Es werden jedoch auch Beispiele aus der Vergangenheit angeführt, die zeigen, dass Gesellschaften ohne ein Oberhaupt funktionieren können.
Der zweite Teil behandelt die Macht der Gemeinschaften. Dabei wird die These von Harris vertreten, dass der Zusammenhalt in kleinen Gemeinschaften durch gegenseitige Verpflichtungen und Abhängigkeit gewährleistet wird. Harris beschreibt die Bedeutung von Großzügigkeit und die Abwesenheit von Dankbarkeit in diesen Gesellschaften. Er argumentiert, dass egoistisches Verhalten in diesen Gemeinschaften bestraft wird und dass Anführer eher schlichten als zwingen.
Der dritte Teil der Arbeit behandelt die Entstehung von Hierarchien. Harris argumentiert, dass die Umverteilung von Ressourcen eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung von Machtstrukturen spielt. Er beschreibt, wie der Wettbewerb zwischen Anführern um die Organisation von Festen zu einer zunehmenden Machtkonzentration führte. Dabei wird die Bedeutung der Nahrungsmittelproduktion und der Lagerung von Lebensmitteln für die Ausübung von Macht hervorgehoben.
Der vierte Teil beschäftigt sich mit dem Aufstieg des Häuptlings. Harris erklärt, wie die Vererbung des Amtes und die zunehmende Ausdehnung von Privilegien zur Festigung der Macht des Häuptlings führten. Er diskutiert die Auswirkungen von Macht auf das Verhalten des Machthabers und die Reaktionen der Bevölkerung.
Schlüsselwörter
Herrschaft, Macht, Herrschaftssysteme, Gesellschaft, Gemeinschaften, Hierarchien, Umverteilung, Ressourcen, Anführer, Häuptling, Hobbes, Harris.
Häufig gestellte Fragen
Ist eine herrschaftsfreie Gesellschaft laut Max Weber möglich?
Weber definiert Herrschaft als die Chance, Gehorsam für einen Befehl zu finden. Eine völlig herrschaftsfreie Gesellschaft gilt in großen, komplexen Systemen als schwer realisierbar, da Strukturen oft Führung erfordern.
Wie entstand historisch die erste Form von Herrschaft?
Theorien wie die von Marvin Harris legen nahe, dass die Umverteilung von Ressourcen und die Lagerung von Nahrungsmitteln zur Entstehung von Hierarchien und zur Machtkonzentration bei Anführern führten.
Was ist der Unterschied zwischen Macht und Herrschaft?
Macht ist die Fähigkeit, den eigenen Willen gegen Widerstreben durchzusetzen. Herrschaft hingegen ist eine legitimierte Form der Machtausübung, die auf der Anerkennung durch die Untergebenen basiert.
Welche Rolle spielt die Großzügigkeit in frühen Gemeinschaften?
In kleinen Gemeinschaften sicherten Anführer ihren Status oft durch das Verschenken von Ressourcen. Wer am meisten gab, erlangte Prestige, ohne jedoch zwingende Gewalt auszuüben.
Was besagt die Theorie von Thomas Hobbes zur Notwendigkeit von Macht?
Hobbes argumentiert, dass ohne eine zentrale Macht ein „Krieg aller gegen alle“ herrsche. Ein Souverän sei notwendig, um Frieden und Sicherheit durch das Gewaltmonopol zu garantieren.
- Quote paper
- Ronja Neumann (Author), 2019, Eine herrschaftsfreie Gesellschaft diskutiert in Anlehnung an Max Weber, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/544543