Die Kunstkammer, auch Wunderkammer genannt, gilt als der frühneuzeitliche Vorläufer des heutigen Museums, welches seine endgültige Form im Laufe des 19. Jahrhunderts annahm. Nach aktuellen Vorstellungen ohne einheitliches Museumskonzept, ermöglichte es dem Besucher dennoch Objekte verschiedenster Herkunft und Bestimmung zu beobachten und zu studieren. Diese zu Beginn des vierzehnten Jahrhunderts überwiegend adeligen, später auch bürgerlichen sowie universitären Sammlungen, beherbergten die unterschiedlichsten Exponate. Hervorgekommen sind diese Sammlungen aus klassischen Bibliotheken sowie Schatzkammern. Neben Büchern wurden die unterschiedlichsten Dinge gesammelt. Von Naturalien über Tierpräparate, Kunsthandwerk sowie mechanische Instrumente bis hin zu exotischen Tieren und Pflanzen aus weit entfernten Ländern, gab es nichts was der gebildete Mensch der frühen Neuzeit nicht in seiner Kunstkammer ausstellte.
Im Zentrum des Interesses stand alles seltene und besondere der damaligen Welt. Wenn man von einer Funktion einer Kunstkammer sprechen kann, so fallen mehrere potenzielle Funktionen ins Auge. Zum einen diente die Sammlung dem Sammler als Forschung- und Studienobjekt. Zum anderen konnte eine Sammlung als Mittel der Repräsentation dienen. Die Größe und Qualität der Sammlung konnte den Ruhm des Sammlers bestimmen. Oft sollte die Sammlung auch einen universellen Zusammenhang aller von Gott gegebenen Dinge herstellen und eine von Gott bestimmte Ordnung und Entwicklung präsentieren und legitimieren.
Das Thema dieser Hausarbeit wird die Kunstkammer als Mittel der Adeligen und Bürgerlichen Repräsentation sein. Hier soll ermittelt werden, ob und in wie fern die Kunstkammer zur eigenen, privaten, gesellschaftlichen oder staatlichen Repräsentation gedient haben könnte. Hierzu werden jeweils zwei Adelige Sammlungen, die Münchner Kunstkammer sowie die Dresdner Wunderkammer, sowie zwei Bürgerliche Sammlungen, die Kunstkammer der Zürcher Wasserkirche, sowie die Franckesche Stiftung zu Halle untersucht. Folgende Gesichtspunkte zeugen von einem besonderen Verlangen die eigene Kunstkammer mit samt ihren Objekten als Mittel der Repräsentation nach außen hin zu verwenden: erstens die architektonische und didaktische Präsentation der Sammlung, zweitens der Grad der Zugänglichkeit für dritte und zuletzt die wissenschaftliche Bearbeitung der Sammlung in Verbindung mit wissenschaftlichen Publikationen.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Adelige Kunstkammern
- Die Kunstkammer Herzog Albrechts von Bayern
- Das Grüne Gewölbe zu Dresden
- Bürgerliche Kunstkammern
- Die Zürcher Wasserkirche
- Die Franckesche Stiftung
- Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Hausarbeit analysiert die Kunstkammer als Mittel der Repräsentation in der frühen Neuzeit. Sie untersucht, ob und inwieweit diese Sammlungen zur eigenen, privaten, gesellschaftlichen oder staatlichen Repräsentation dienten. Hierfür werden zwei adelige Sammlungen (Münchner Kunstkammer und Dresdner Wunderkammer) und zwei bürgerliche Sammlungen (Zürcher Wasserkirche und Franckesche Stiftung) im Detail betrachtet.
- Die Rolle der Kunstkammer als Mittel der Repräsentation
- Untersuchung der architektonischen und didaktischen Präsentation von Sammlungen
- Analyse des Zugangs und der Zugänglichkeit der Sammlungen für Dritte
- Bedeutung der wissenschaftlichen Bearbeitung von Sammlungen und wissenschaftlicher Publikationen
- Vergleich zwischen adeligen und bürgerlichen Kunstkammern
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung
Die Einleitung stellt die Kunstkammer als Vorläufer des modernen Museums vor und beschreibt die vielfältigen Objekte, die in diesen Sammlungen zusammengetragen wurden. Sie beleuchtet die unterschiedlichen Funktionen der Kunstkammer, einschließlich Forschung, Repräsentation, Finanzinvestition und der Präsentation einer göttlichen Ordnung.
Adelige Kunstkammern
Dieses Kapitel behandelt die Kunstkammern als Ausdruck adeliger Macht und Prestige. Es diskutiert die Entstehung von Kunstkammern aus Schatzkammern und den Einfluss von Sammelleidenschaft auf die Entwicklung von Kunstkammern. Die Sammelleidenschaft wird in drei Kategorien unterteilt: Naturalia, Artificialia und Scientifica.
Die Kunstkammer Herzog Albrechts von Bayern
Dieses Kapitel konzentriert sich auf die Kunstkammer des Herzogs Albrecht V. von Bayern und beleuchtet die besondere Stellung dieser Sammlung im Vergleich zu anderen Kunstkammern der frühen Neuzeit. Es beschreibt die architektonische Gestaltung der Kunstkammer, die im Gebäude der Alten Münze in München untergebracht war.
Schlüsselwörter
Die Arbeit befasst sich mit den folgenden Schlüsselbegriffen: Kunstkammer, Wunderkammer, Repräsentation, Adel, Bürgertum, Sammlung, Museum, Sammlungswesen, Frühe Neuzeit, München, Dresden, Zürich, Halle.
- Citar trabajo
- Philipp Weitzel (Autor), 2018, Die Kunstkammer als Mittel Adeliger und Bürgerlicher Repräsentation in der frühen Neuzeit, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/538710