Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie Kinder Sprache lernen und der Erwerbsprozess abläuft. Dies wird anhand des Bilderbuchs „Was passiert im Kindergarten“ von Sandra Grimm, ein typische Bilderbuch für das frühkindliche Alter, beispielhaft dargestellt. Zudem erfolgt eine Definition des Phänomens Spracherwerb sowie eine Veranschaulichung von unterschiedlichen Spracherwerbstheorien.
Das Thema Spracherwerb bei Kindern ist ein sehr breit gefächertes Themenkomplex, der unterschiedlichen Wissenschaftsbereichen zugeordnet werden kann. Die Frage, wie Kinder ohne didaktische Anleitung ein derart komplexes Zeichensystem wie Sprache erwerben, ist nicht einfach zu beantworten. Nicht nur auf linguistischer, psycholinguistischer oder entwicklungspsychologischer Ebene wird diese Thematik in vielerlei Hinsicht diskutiert, sondern sie ist ebenfalls ein wichtiges Gegenstandsgebiet der Verhaltenspsychologie, von Forschungen zur nonverbalen Kommunikation, Systemtheorie oder Sprachpathologie. Auch naturwissenschaftlich-technische Disziplinen wie Mathematik und Informatik beschäftigen sich mit dem Spracherwerb sowie den damit korrelierenden Faktoren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Spracherwerb
2.1 Spracherwerbstheorien
3. Dimensionen der kindlichen Sprachentwicklung
3.1 Wortschatzentwicklung
3.2 Grammatikerwerb
4. Das Bilderbuch als Korpus für die Analyse
5. Bilderbuchanalyse am Beispiel „Was passiert im Kindergarten?“
5.1 Beschreibung des Korpus
5.2 Analyse unter Berücksichtigung grammatischer Kategorien
6. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht den kindlichen Spracherwerb und analysiert in diesem Kontext ein Bilderbuch für das frühkindliche Alter hinsichtlich seiner sprachförderlichen Potenziale. Dabei wird insbesondere der Frage nachgegangen, wie Kinder Sprache erwerben und inwiefern das gewählte Medium den aktuellen sprachlichen Kompetenzen des Kindes gerecht wird.
- Grundlagen des kindlichen Spracherwerbs und relevanter Theorien.
- Dimensionen der Sprachentwicklung (Wortschatz und Grammatik).
- Funktion des Bilderbuchs als Medium in der frühen Sprachförderung.
- Korpusanalyse ausgewählter grammatischer Kategorien (Plural, Kasus, Verbflexion).
Auszug aus dem Buch
3.1 Wortschatzentwicklung
Das Erlernen von neuen Wörtern ist mit Sicherheit ein essenzieller Bestandteil des Spracherwerbsprozesses. Die Produktion des ersten Wortes datieren Wissenschaftler auf das erste Lebensjahr, wobei zu diesem Zeitpunkt die Entwicklung des Vokabulars sehr langsam vorangeht. Im Kontrast dazu steht das Ende des ersten Lebensjahres, in dem eine explosionsartige Ausweitung des Wortschatzes zu erkennen ist, welche bis 3,6 Jahren andauert und danach abflacht (vgl. Klann-Delius 2016, 34). „Viele Studien beschreiben, wie das Vokabular von Kindern monatelang aus einigen Wörtern besteht, die nur langsam mehr werden. Wenn das Vokabular dann zwischen 50 und 100 Wörtern umfasst, ist es oft so, dass plötzlich ein deutlich verstärktes Wachstum des Vokabulars einsetzt“ (Szagun 2006, 117). Dieses sprunghafte Wortschatzwachstum bezeichnen Linguisten den sogenannten Vokabularspurt.
Die Wortrezeption tritt zeitlich früher ein: Mit ungefähr acht bis neun Monaten verstehen Kinder die ersten Wörter. Bis zum elften Monat verstehen Kinder um die 50 Wörter. Die Asymmetrie von Rezeption und Produktion von Wörtern lässt sich darauf zurückführen, dass der Mensch viel früher Wörter versteht, als diese zu verbalisieren. So können Kinder mit einem rezeptiven Vokabular von weniger als 50 Wörtern nicht mehr als 10 Wörter produzieren (vgl. Klann-Delius 2016, 36). Mit zwei Jahren verfügen Kinder in der Regel über einen aktiven Wortschatz bestehend 200 bis 300 Wörtern (vgl. Grimm/Schulz 2012, 160f.).
In Bezug auf die inhaltliche Gliederung lässt sich im frühen Vokabular ein starker Gebrauch von sogenannten Dingwörtern erkennen. Demnach stehen Gegenstände oder Personen, die sich in der unmittelbaren Umgebung des Kindes befinden, im Zentrum der kindlichen Wahrnehmung. Hierzu zählen beispielsweise Familienmitglieder, Spielsachen, Tiere und Nahrung (vgl., ebd.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das breite Themenfeld des Spracherwerbs ein, definiert die zentrale Fragestellung und erläutert das Vorgehen der korpusbasierten Bilderbuchanalyse.
2. Spracherwerb: Das Kapitel definiert Spracherwerb als aktiven Lernprozess und stellt verschiedene exogenetische und endogenetische Theorien (u.a. Behaviorismus, Nativismus, Kognitivismus) gegenüber.
3. Dimensionen der kindlichen Sprachentwicklung: Hier werden die Bereiche Wortschatz und Grammatik detailliert behandelt, wobei insbesondere die Phasen des Vokabularwachstums und die Entwicklung syntaktischer Strukturen erläutert werden.
4. Das Bilderbuch als Korpus für die Analyse: Dieses Kapitel beleuchtet das Bilderbuch als pädagogisch wertvolles Medium und ordnet es in den linguistischen Kontext der Kinderliteratur ein.
5. Bilderbuchanalyse am Beispiel „Was passiert im Kindergarten?“: Dies ist der praktische Teil, in dem ein spezifisches Bilderbuch hinsichtlich Pluralmarkierung, Kasusgebrauch und Verbflexion untersucht wird.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Analyse zusammen und reflektiert die Eignung des untersuchten Bilderbuchs zur gezielten Förderung sprachlicher Kompetenzen.
Schlüsselwörter
Spracherwerb, Erstspracherwerb, Wortschatzentwicklung, Grammatikerwerb, Psycholinguistik, Bilderbuchanalyse, Korpusanalyse, Kindgerechtheit, Sprachförderung, Pluralmarkierung, Kasusmarkierung, Verbflexion, Drei- und Mehrwortäußerungen, Kindliche Sprachentwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den Grundlagen des kindlichen Spracherwerbs und untersucht, wie Bilderbücher als Medium zur Sprachförderung im Kleinkindalter eingesetzt werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die psycholinguistischen Theorien zum Spracherwerb, die Entwicklung von Wortschatz und Grammatik sowie die praktische Analyse von Kinderbüchern.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, herauszufinden, ob ein spezifisches Bilderbuch den sprachlichen Kompetenzen von Kleinkindern gerecht wird und deren sprachliche Entwicklung unterstützen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine korpuslinguistische Analyse, bei der ein ausgewähltes Bilderbuch auf grammatische Aspekte wie Plural, Kasus und Verbflexion hin geprüft wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Spracherwerbsprozessen sowie einen praktischen Teil, in dem das Buch „Was passiert im Kindergarten?“ detailliert analysiert wird.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Spracherwerb, Wortschatzwachstum, Grammatik, Bilderbuch, Sprachförderung und Korpusanalyse.
Warum wird gerade das Bilderbuch „Was passiert im Kindergarten?“ analysiert?
Es dient als typisches Beispiel für Literatur ab dem 18. Lebensmonat, das durch seine Ausstattung (Schieber) und Alltagsroutinen besonders zur Anregung von Sprachproduktion geeignet erscheint.
Welche Rolle spielen die „Schieber“ im untersuchten Bilderbuch?
Die Schieber sind entscheidend, da sie zeitliche Abläufe visualisieren, die das Kind dazu anregen, Sätze im Perfekt zu bilden, was die grammatische Entwicklung fördert.
Warum ist die Unterscheidung zwischen Singular und Plural im Buch laut der Analyse problematisch?
Die Analyse zeigt, dass das Buch Wörter überwiegend im Singular einführt und die Pluralmarkierung seltener thematisiert wird, was teilweise zu inkonsistenten Darstellungen führen kann.
Zu welchem Ergebnis kommt die Arbeit bezüglich der Kindgerechtheit?
Das Bilderbuch wird als sehr förderlich für Kinder in der Phase der Drei- und Mehrwortäußerungen eingestuft, da es zahlreiche Sprechanlässe für einfache Sätze mit Subjekt, Verb und Objekt bietet.
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- Hicret Aslan (Author), 2018, Spracherwerb bei Kindern. Eine Korpusanalyse am Beispiel eines Bilderbuchs, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/503075