Die sozialwissenschaftliche Polizeiforschung wird in Deutschland selbst innerhalb der Sozialwissenschaften noch immer mit Skepsis betrachtet und ihren Repräsentant/innen wird im Bereich polizeilicher Tätigkeiten die Dominanz des Erfahrungswissens vorgehalten, welches nicht das erforderliche Abstraktionsniveau aufweise. Das wird bereits an der Definition des Wortes "Problem" deutlich: Die Sozialwissenschaft betrachtet Probleme als Phänomene, deren Beobachtung interessant erscheint, die Polizei wiederum kategorisiert sie als Tatbestände, die bereinigt werden müssen.
Noch immer gibt es Debatten um die Definition des Gegenstandes, der Aufgaben und Perspektiven der Polizeiforschung und der Polizeiwissenschaft, die bislang noch in übergeordneten Fachdisziplinen unterzugehen drohen. Unter der Berücksichtigung historischer Eckpunkte sozialwissenschaftlicher Polizeiforschung in den 1960er und 1970er Jahren und im Hinblick auf aktuelle Diskurse um Interdisziplinarität, Eigenständigkeit und reflexive Kritikfähigkeit wird im Rahmen der vorliegenden Ausführungen insbesondere die Entwicklung sozialwissenschaftlich fundierter, empirischer Forschung in den Blick genommen, welche auf die Institution der Polizei abzielt. Kategorisierungen und Ausrichtungen sollen beleuchtet werden, um den Versuch zu unternehmen, die Entwicklung der Polizeiforschung zu skizzieren, Prozesse und Positionen zu verstehen sowie die Notwendigkeit einer im konstruktivistischen Sinne (selbst-)reflexiven Polizeiforschung als Teilbereich einer eigenständigen Polizeiwissenschaft zu begründen.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitende Bemerkungen – (Polizei-)Forschung und (Polizei-)Praxis
- Überblick zu Definitions- und Kategorisierungsdiskursen unter Berücksichtigung historischer Entwicklungen
- Kernthemen im Diskurs um Polizeiforschung im Kontext von Polizeiwissenschaft
- Interdisziplinarität, (Un-)Abhängigkeit und Eigenständigkeit
- (Selbstreflexive) Kritikfähigkeit
- Fazit und Ausblick
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit befasst sich mit der Entwicklung der Polizeiforschung in Deutschland und beleuchtet insbesondere den Wandel der Diskurse um Interdisziplinarität, Unabhängigkeit und Reflexivität. Die Arbeit untersucht, wie sich diese Diskurse auf die Definition, Aufgaben und Perspektiven der Polizeiforschung auswirken und wie sich die Polizeiwissenschaft in diesem Kontext entwickelt.
- Das Spannungsverhältnis zwischen (Polizei-)Forschung und (Polizei-)Praxis
- Historische Entwicklungen der Polizeiforschung in Deutschland
- Der Diskurs um Interdisziplinarität, (Un-)Abhängigkeit und Eigenständigkeit der Polizeiforschung
- Die Bedeutung von (Selbst-)Reflexivität in der Polizeiforschung
- Die Notwendigkeit einer eigenständigen Polizeiwissenschaft
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitende Bemerkungen – (Polizei-)Forschung und (Polizei-)Praxis
Das Kapitel beleuchtet das Spannungsverhältnis zwischen Polizeiforschung und Polizeipraxis. Es werden unterschiedliche Perspektiven auf dieses Verhältnis dargestellt und es wird deutlich gemacht, dass die beiden Bereiche unterschiedliche Sprachen sprechen und unterschiedlichen Logiken folgen.
2. Überblick zu Definitions- und Kategorisierungsdiskursen unter Berücksichtigung historischer Entwicklungen
Dieses Kapitel zeichnet die historische Entwicklung der Polizeiforschung in Deutschland nach. Es werden die wichtigsten Entwicklungsschritte und Debatten um die Definition und Ausrichtung der Polizeiforschung dargestellt. Es werden auch die kritischen Arbeiten der 1970er Jahre beleuchtet, die zu verhärteten Fronten zwischen Forschern und Beforschten führten.
3. Kernthemen im Diskurs um Polizeiforschung im Kontext von Polizeiwissenschaft
Dieses Kapitel behandelt wichtige Themen im Diskurs um Polizeiforschung, darunter Interdisziplinarität, (Un-)Abhängigkeit und Eigenständigkeit sowie die Bedeutung von (Selbst-)Reflexivität. Es werden verschiedene Ansätze und Positionen zur Polizeiforschung vorgestellt und es wird deutlich gemacht, dass die Polizeiforschung als Teilbereich einer eigenständigen Polizeiwissenschaft verstanden werden muss.
Schlüsselwörter
Die Arbeit befasst sich mit den Themenfeldern Polizeiforschung, Polizeiwissenschaft, Interdisziplinarität, Unabhängigkeit, Reflexivität, Selbstreflexion, historische Entwicklung, Polizeipraxis, Kritikfähigkeit, empirische Forschung, konstruktivistische Position, Polizei, Kriminalisierungsprozesse, staatliche Organe, gesellschaftliche Emanzipationsbewegung.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Polizeiforschung und Polizeiwissenschaft?
Polizeiforschung ist oft empirisch und sozialwissenschaftlich orientiert, während Polizeiwissenschaft als eigenständige Fachdisziplin einen theoretischen Überbau und interdisziplinäre Ansätze anstrebt.
Warum gibt es Spannungen zwischen Forschung und Polizeipraxis?
Die Wissenschaft betrachtet Probleme als interessante Phänomene, während die Polizei sie als Tatbestände sieht, die bereinigt werden müssen. Zudem herrscht oft Skepsis gegenüber externer Kritik.
Welche Rolle spielt die Interdisziplinarität?
Polizeiwissenschaft integriert Erkenntnisse aus Soziologie, Rechtswissenschaft, Psychologie und Geschichte, um ein umfassendes Bild polizeilichen Handelns zu erhalten.
Was bedeutet "selbstreflexive Polizeiforschung"?
Es beschreibt die Notwendigkeit der Forschung, ihre eigenen Methoden, Positionen und die Wirkung auf das Untersuchungsobjekt (die Polizei) kritisch zu hinterfragen.
Wie entwickelte sich die Polizeiforschung historisch in Deutschland?
Wichtige Impulse kamen aus den 1960er und 70er Jahren, wobei kritische Ansätze damals oft zu verhärteten Fronten zwischen Institution und Wissenschaft führten.
- Arbeit zitieren
- Joy Baruna (Autor:in), 2019, Perspektiven und Differenzierungsversuche von Polizeiforschung und Polizeiwissenschaften, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/500474