Die Beschäftigung mit Karl Rahners Theologie ist nach wie vor Gegenstand einer breiten theologischen Forschungstätigkeit. Seine mariologischen Schriften hingegen finden heute relativ wenig Beachtung. Dies liegt nicht nur daran, dass Rahner andere theologische Themen ausführlicher behandelt hat und dass sein umfangreichstes mariologisches Werk, eine umfangreiche Studie zum Assumptio-Dogma, erst kürzlich veröffentlicht wurde, sondern ist als allgemeines Phänomen anzusehen. Besteht diese Vernachlässigung zurecht? Oder kann nicht gerade Rahners Mariologie, quasi kondensiert in seinem mariologischen Grundprinzip, einen leichteren Zugang zu seiner Theologie liefern, wenn Mariologie der erste Teil einer christlichen Anthropologie ist und wenn Rahners Theologie gerade als „anthropologisch gewendete“ eben jenen oben angedeuteten Einfluß gewinnen konnte? Und kann nicht umgekehrt diese anthropologisch gewendete Theologie Rahners, wie sie sich auch in seinem mariologischen Grundprinzip niederschlägt, zu einer neuen Wertschätzung der Mariologie beitragen? Auch diesen Fragen soll in der vorliegenden Arbeit nachgegangen werden - und zwar in folgenden Schritten: Zunächst wird der Begriff „mariologisches Grundprinzip“ näher in den Blick genommen, und zwar hinsichtlich seiner historischen Entwicklung, hinsichtlich seiner genaueren inhaltlichen Bestimmung (Bedeutung, Berechtigung und Leistungsanspruch) und hinsichtlich eines systematischen Überblicks über verschiedene Lösungsvorschläge, wobei sich zwangsläufig Überschneidungen ergeben werden.
Im Anschluß an diese Grundlegung wird Rahners eigener Ansatz untersucht: Nach einigen Worten zu seinen für die Frage nach dem mariologischen Grundprinzip einschlägigen Schriften werden diese genauer im Hinblick auf die in ihnen enthaltene Entwicklung des Grundprinzips der vollkommen Erlösten analysiert, wobei auch grundsätzliche Aspekte von Rahners theologischen Denken mit einbezogen werden. Sodann wird die „Durchführung“ dieses Grundprinzips an den einzelnen theologischen Aussagen über Maria vorgenommen.
Nach einer kritischen Rückfrage hinsichtlich der Vorteile wie auch der Problematik von Rahners Grundprinzip wird schließlich der Ertrag von Rahners mariologischem Grundprinzip für eine heutige Mariologie - gerade angesichts der heutigen grundsätzlichen Anfragen an dieses Teilgebiet systematischer Theologie- wie auch für Rahners Gesamtwerk aufgezeigt.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Zum Begriff „mariologisches Grundprinzip“
- Der theologiegeschichtliche Weg zur Idee eines mariologischen Grundprinzips
- Begriffsbestimmung, Berechtigung und Anforderungen für ein mariologisches Grundprinzip
- Begriffsbestimmung: Was ist unter einem mariologischen Grundprinzip zu verstehen?
- Berechtigung: Warum ist es sinnvoll, nach einem mariologischen Grundprinzip zu suchen?
- Anforderungen: Was muß ein mariologisches Grundprinzip leisten?
- Versuch einer Systematisierung verschiedener Ansätze
- Die christologisch ausgerichteten Ansätze
- Die ekklesiologisch ausgerichteten Ansätze
- Die gnadentheologisch-anthropologisch ausgerichteten Ansätze
- Rahners eigene Konzeption eines mariologischen Grundprinzips
- Ein Überblick über die für die Entwicklung von Rahners Grundprinzip einschlägigen mariologischen Schriften
- Die Assumptio-Arbeit
- Maria, Mutter des Herrn
- Die Entwicklung des Grundprinzips der „vollkommen Erlösten“
- Biblische Grundlegung
- Systematisch-theologische Entfaltung
- Exkurs I: Rahners transzendentaltheologische Methode im Verhältnis zu seiner Mariologie
- Exkurs II: Der „entscheidende Unterschied“ zur protestantischen Theologie
- Die Durchführung des Grundprinzips an den einzelnen mariologischen Wahrheiten
- Die Unbefleckte Empfängnis
- Die stete Jungfräulichkeit
- Die Sündenlosigkeit
- Die Aufnahme in den Himmel
- Die Gnadenmittlerschaft
- Untersuchung des Rahnerschen Ansatzes hinsichtlich seiner Vorteile und Probleme gegenüber anderen Entwürfen
- Ein Überblick über die für die Entwicklung von Rahners Grundprinzip einschlägigen mariologischen Schriften
- Schluß
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Diplomarbeit befasst sich mit der Frage nach einem mariologischen Grundprinzip bei Karl Rahner. Ziel ist es, die Entwicklung und Bedeutung von Rahners Konzeption im Kontext der mariologischen Diskussion des 20. Jahrhunderts zu beleuchten. Die Arbeit analysiert die theologischen Grundlagen, die methodischen Ansätze und die Auswirkungen von Rahners Grundprinzip auf die einzelnen mariologischen Wahrheiten.
- Entwicklung und Bedeutung eines mariologischen Grundprinzips
- Rahners transzendentaltheologische Methode in der Mariologie
- Vergleich von Rahners Ansatz mit anderen mariologischen Konzeptionen
- Die Rolle Marias in der Theologie Rahners
- Das Verhältnis von Mariologie und Christologie
Zusammenfassung der Kapitel
Die Arbeit beginnt mit einer Einleitung, die die aktuelle mariologische Diskussion in den Kontext der Theologiegeschichte stellt. Kapitel 2 widmet sich dem Begriff „mariologisches Grundprinzip“ und untersucht die theologiegeschichtliche Entwicklung, die Begriffsbestimmung, die Berechtigung und die Anforderungen an ein solches Grundprinzip. Anschließend werden verschiedene Ansätze zur Definition eines mariologischen Grundprinzips systematisch dargestellt. Kapitel 3 fokussiert sich auf Rahners eigene Konzeption eines mariologischen Grundprinzips. Es werden seine wichtigsten mariologischen Schriften analysiert, die Entwicklung des Grundprinzips der „vollkommen Erlösten“ nachvollzogen und dessen Anwendung auf die einzelnen mariologischen Wahrheiten untersucht. Zwei Exkurse befassen sich mit Rahners transzendentaltheologischer Methode im Verhältnis zu seiner Mariologie und dem „entscheidenden Unterschied“ zu protestantischen Positionen. Das vierte und letzte Kapitel fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen und bewertet Rahners Ansatz im Hinblick auf seine Stärken und Schwächen.
Schlüsselwörter
Mariologie, Karl Rahner, Grundprinzip, „vollkommen Erlöste“, transzendentaltheologische Methode, Christologie, Ekklesiologie, Gnadenlehre, Unbefleckte Empfängnis, stete Jungfräulichkeit, Sündenlosigkeit, Aufnahme in den Himmel, Gnadenmittlerschaft, mariologisches Grundprinzip in der Theologiegeschichte, christologische und ekklesiologische Perspektiven auf Maria, Vergleichende Mariologie.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das mariologische Grundprinzip bei Karl Rahner?
Rahner sieht Maria als die „vollkommen Erlöste“, was als Schlüssel für das Verständnis aller mariologischen Aussagen dient.
Warum verknüpft Rahner Mariologie mit Anthropologie?
Für Rahner ist Mariologie der erste Teil einer christlichen Anthropologie, da an Maria beispielhaft gezeigt wird, was Erlösung für den Menschen bedeutet.
Wie wendet Rahner sein Grundprinzip auf das Dogma der Himmelfahrt an?
Die Aufnahme in den Himmel wird als die Vollendung der Erlösung verstanden, die Maria als erster Mensch in vollkommener Weise erfahren hat.
Was unterscheidet Rahners Mariologie von protestantischen Ansätzen?
Die Arbeit beleuchtet den „entscheidenden Unterschied“ hinsichtlich der Mitwirkung Marias und der Bedeutung kirchlicher Dogmen.
Welche Rolle spielt die transzendentaltheologische Methode in seiner Mariologie?
Diese Methode hilft Rahner, die dogmatischen Aussagen über Maria für die existenzielle Erfahrung des modernen Menschen verstehbar zu machen.
- Quote paper
- Magnus Kerkloh (Author), 2005, '...die in vollkommenster Weise Erlöste' - Die Frage nach einem mariologischen Grundprinzip bei Karl Rahner, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/46975