„Meine Kollegen vom Parlamentarischen Rat! Heute, am 23. Mai 1949, beginnt ein neuer Abschnitt in der wechselvollen Geschichte unseres Volkes. Heute wird nach der Unterzeichnung und Verkündung des Grundgesetzes die Bundesrepublik in die Geschichte eintreten.“
Mit diesen feierlichen Worten hat Konrad Adenauer damals die historische Bedeutung der Entstehung des Grundgesetzes (GG) und damit der Bundesrepublik Deutschland vor dem Parlamentarischen Rat gewürdigt. Das Grundgesetz, das vor drei Jahren seinen fünfzigsten Geburtstag feierte, hat sich mittlerweile bewährt wie keine andere Verfassung in der deutschen Geschichte. Dies wird nicht nur von den Deutschen so gesehen, sondern auch im Ausland wurde und wird die Erfolgsgeschichte der deutschen Verfassung in höchstem Maße anerkannt und zum Teil sogar bewundert.
In der vorliegenden Arbeit wird der Weg des Grundgesetzes von der deutschen Kapitulation bis zu dessen Ratifizierung durch den Parlamentarischen Rat nachgezeichnet und dabei auf die ausländischen und deutschen Einwirkungen eingegangen. Im ersten Kapitel werden zunächst die historischen Rahmenbedingungen skizziert, innerhalb derer die ersten Ideen für eine deutsche Verfassung geäußert wurden. Der zweite und umfangreichste Teil der Arbeit beschäftigt sich mit den einzelnen Schritten auf dem Weg zum Grundgesetz. Im einzelnen wird dabei der Zeitraum von den Kriegskonferenzen der „Großen Drei“ (USA, Großbritannien und Sowjetunion) bis zur Übergabe der Frankfurter Dokumente behandelt. Im letzten Abschnitt wird zusammenfassend der Frage nachgegangen, ob das Grundgesetz nun – wie so oft behauptet – den Deutschen durch die Westalliierten aufoktroyiert worden sei, oder ob die bundesrepublikanische Verfassung vielmehr eine eindeutig „deutsche Handschrift“ trägt.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Einordnung in den historischen Kontext
- Die Entstehung des Grundgesetzes unter ausländischem Einfluss
- Alliierte Beratungen zur politischen Neuordnung Deutschlands
- Die Kriegskonferenzen und das Ende der Allianz 1947
- Die Londoner Sechs-Mächte-Konferenz von 1948
- Die Beratungen zwischen Ministerpräsidenten, Parteiführern und Besatzungsmächten
- Die Übergabe der Frankfurter Dokumente
- Die Konferenzen der Ministerpräsidenten
- Der Einfluss der Frankfurter Dokumente
- Die Grundgesetzberatungen seit Herrenchiemsee
- Der Verfassungskonvent auf Herrenchiemsee
- Der Parlamentarische Rat und die Militärgouverneure
- Alliierte Beratungen zur politischen Neuordnung Deutschlands
- Wie deutsch ist das Grundgesetz?
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit verfolgt das Ziel, den Entstehungsprozess des Grundgesetzes von der deutschen Kapitulation bis zur Ratifizierung durch den Parlamentarischen Rat nachzuzeichnen und dabei den Einfluss sowohl ausländischer als auch deutscher Interessen zu beleuchten. Der Fokus liegt auf der Frage, inwiefern das Grundgesetz unter dem Einfluss der alliierten Mächte entstand oder ob es eine „deutsche Handschrift“ trägt.
- Die historischen Rahmenbedingungen und ersten Ideen für eine deutsche Verfassung nach dem Zweiten Weltkrieg
- Die Rolle der alliierten Beratungen und Konferenzen in der politischen Neuordnung Deutschlands
- Die Verhandlungen zwischen deutschen Ministerpräsidenten, Parteiführern und den Besatzungsmächten im Entstehungsprozess des Grundgesetzes
- Die Arbeit des Parlamentarischen Rates und der Einfluss der Militärgouverneure
- Die Legitimation und „Deutsche Handschrift“ des Grundgesetzes im Kontext des ausländischen Einflusses
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung thematisiert die historische Bedeutung des Grundgesetzes und die Debatten um seine Legitimation. Es wird auf die bisherige Forschung und die Bedeutung der neuen Publikationen hingewiesen, die ein präziseres Bild der Entstehungsgeschichte ermöglichen. Die Arbeit gliedert sich in drei Abschnitte, die den Weg vom historischen Kontext bis zur zentralen Frage nach der „deutschen Handschrift“ des Grundgesetzes nachzeichnen.
Kapitel 1 skizziert den historischen Kontext nach dem Zweiten Weltkrieg. Es wird die Situation Deutschlands nach der bedingungslosen Kapitulation beschrieben und die Rolle der vier Siegermächte bei der Neuorganisation Deutschlands erläutert.
Kapitel 2 beleuchtet den Entstehungsprozess des Grundgesetzes unter ausländischem Einfluss. Es werden die alliierten Beratungen und Konferenzen sowie die Verhandlungen zwischen deutschen Ministerpräsidenten und den Alliierten analysiert. Der Fokus liegt auf dem Einfluss der Frankfurter Dokumente und der Arbeit des Parlamentarischen Rates.
Schlüsselwörter
Die wichtigsten Schlüsselwörter dieser Arbeit sind: Grundgesetz, Bundesrepublik Deutschland, Alliierte Mächte, Parlamentarischer Rat, Frankfurter Dokumente, deutsche Handschrift, ausländischer Einfluss, historische Rahmenbedingungen, politische Neuordnung Deutschlands.
Häufig gestellte Fragen
Wann wurde das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland verkündet?
Das Grundgesetz wurde am 23. Mai 1949 unterzeichnet und verkündet, was den Beginn der Bundesrepublik markierte.
Welchen Einfluss hatten die Alliierten auf das Grundgesetz?
Die Westalliierten gaben durch die „Frankfurter Dokumente“ den Rahmen vor, insbesondere bezüglich einer föderalen Struktur und demokratischer Grundsätze.
Was war der Parlamentarische Rat?
Der Parlamentarische Rat war das Gremium aus Vertretern der deutschen Länder, das das Grundgesetz zwischen 1948 und 1949 ausarbeitete.
Trägt das Grundgesetz eine „deutsche Handschrift“?
Ja, trotz alliierter Vorgaben bauten die deutschen Verfasser auf eigenen demokratischen Traditionen (wie der Weimarer Verfassung) auf und gestalteten zentrale Inhalte selbst.
Was waren die Frankfurter Dokumente?
Es waren drei Dokumente, die die Militärgouverneure der Westmächte 1948 an die Ministerpräsidenten übergaben, um die Gründung eines westdeutschen Staates einzuleiten.
- Arbeit zitieren
- Werner Martin (Autor:in), 2002, Der Weg zum Grundgesetz: Deutsche Interessen und der Einfluss des Auslands, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/46055