Die vorliegende Hausarbeit widmet sich einem dieser sogenannten Heroen der römischen Geschichte, und zwar Publius Cornelius Scipio Africanus. Dieser erlangte 202 vor Christus bei seinem Sieg in der Schlacht von Zama den Status eines legendären Feldherrn, da es den Römern durch diesen Sieg ermöglicht wurde, den Zweiten Punischen Krieg für sich zu entscheiden. Vor dieser ausschlaggebenden Schlacht stand Rom kurz vor einer Niederlage gegen Karthago, welches sich unter der Führung des gegnerischen Feldherren Hannibal Barkas befand. Ohne den Sieg Scipios wäre ein Aufblühen der römischen Vorherrschaft im Mittelmeerraum nicht möglich gewesen, da zwischen den Römern und Karthagern ein andauernder Streit um das Machtmonopol herrschte. Durch Scipios Triumph gegen Hannibal wurde es Rom jedoch ermöglicht, schließlich die lang erkämpfte Vormachtstellung im Mittelmeerraum einzunehmen.
Anhand der Ausführungen der antiken Geschichtsschreiber Cicero, Silius Italicus, Livius und Polybius soll in Folgendem das Bild des Feldherrn Scipio und dessen Taten in der damaligen Wahrnehmung näher beleuchtet werden. Hierzu ist es zunächst notwendig sich bestimmten überlieferten Ereignissen aus Scipios Leben zu befassen, die in Bezug auf seine geschichtliche Rolle als relevant anzusehen sind.
Anhand der Darstellung der einzelnen Wegpunkte von Scipios Lebensgeschichte soll im Weiteren erläutert werden, wie die Qualitäten und Heldentaten des Feldherrn in der Moderne rezeptiert wurden. Einerseits liefert diese Betrachtung die Möglichkeit, die Wahrnehmung des Scipios über die Geschichte hinweg zu analysieren. Anderseits wird darüber hinaus auch ein Einblick auf geschichtliche Parallelen ermöglicht, die zwischen Ereignissen der Moderne und der Antike konstruiert werden können. Von besonderem Interesse ist hierbei, welche Aspekte der Person Scipios, wann und auf welche Weise hervorgehoben wurden, und zu welchem Zweck die jeweilige Rezeption diente.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Ausgangslage während Hannibals Vorstoß in Norditalien
2.1 Scipios Treueschwur und anschließend Ernennung zum Ädil
2.2 Die Darstellung des Treueschwurs im Kloster St. Georgen
3. Der großmütige Verzicht Scipios während des Spanienfeldzugs
3.1 Die Oper „Publio Cornelio Scipione“
3.2 Die „Contienza di Scipione“ als Thema der Historienmalerei
4. Scipios strategisches Vorgehen während der Schlacht von Zama
4.1 Der Helm des Scipios in „Il Canto degli Italiani“
4.2 Der faschistische Filmepos „Scipione l’Africano“
4.3 Zeitübergreifende Würdigung von Scipios strategischem Geschik
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die historische und rezeptionsgeschichtliche Figur des römischen Feldherrn Publius Cornelius Scipio Africanus, wobei der Fokus auf seiner Transformation vom antiken Strategen zum vielschichtigen Symbol in unterschiedlichen Epochen und Medien liegt.
- Militärhistorische Analyse der Taten Scipios im Zweiten Punischen Krieg
- Untersuchung der künstlerischen Rezeption (Oper und Historienmalerei)
- Analyse der nationalen und ideologischen Instrumentalisierung der Figur (Risorgimento, Faschismus)
- Vergleich antiker Quellen mit modernen historischen Bewertungen
- Interpretation von Scipio als zeitübergreifendes Symbol für Heldentum und Ordnung
Auszug aus dem Buch
3. Der großmütige Verzicht Scipios während des Spanienfeldzugs
Scipios Vater Publius Cornelius Scipio, sowie auch sein Onkel Gnaeus Scipio Calvus, wurden beide, aufgrund ihrer strategischen Unterlegenheit, im Kampf gegen Hannibals Bruder Hasdrubal Barkas getötet. Daraufhin erhielt Scipio im Jahre 211 v. Chr. von dem Senat eine Armee zur Verfügung gestellt. Die Aufgabe, die Scipio in Verbindung mit dem Kommando über diese Armee auferlegt wurde, lautete wie folgt: Er solle die Besitztümer in Hispania erobern, die sich unter der Kontrolle Karthagos befanden und das eingenommene Gebiet anschließend gegen den Feind sichern.
Der junge Scipio wurde, als der neue Oberbefehlshaber der Spanienarmee, gemeinsam mit seinen Soldaten nach Empúries verschifft. Für den Transport der gesamten unter Scipios Kommando gestellten Arme waren insgesamt 30 Quinqueremen erforderlich. Bis zu deren in Empúries, im Jahre 210 v. Chr., hatte Karthago bereits ganz Hispanien unterhalb des Ebros eingenommen. So war es zu Beginn seiner Mission für Scipio zunächst ein unentbehrlicher strategischer Schritt, das Umland von Nova Carthago ausspionieren zu lassen. Die Lage gestaltete sich kurz nach seinem Eintreffen wie folgt:
„Als er dann nach Spanien kam, erkundigte er sich überall auf das eingehendste nach der Lage beim Gegner und erfuhr, dass das karthagische Heer in drei Teile geteilt sei: Mago stehe diesseits der Säulen des Herakles im Lande der Konier, Hasdrubal, der Sohn Giskos, in Lusitanien an der Mündung des Tagus, der andere Hasdrubal belagere eine Stadt der Karpetaner, keiner aber von ihnen sei weniger als zehn Tagesmärsche von Nova Carthago entfernt“
Durch die Scipio zugetragene Information, dass kein Teil des karthagischen Heeres näher als 10 Tage an Nova Carthago angrenzte, wurde es ihm ermöglicht dieses Wissen als strategischen Vorteil zu nutzen, um die Stadt unverzüglichen mit einem Überraschungsangriff einnehmen zu können.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Bedeutung Scipios als historischen Helden ein und skizziert die methodische Untersuchung seiner Rezeption in verschiedenen Epochen.
2. Die Ausgangslage während Hannibals Vorstoß in Norditalien: Dieses Kapitel behandelt den frühen Treueschwur Scipios nach den römischen Niederlagen und dessen künstlerische Darstellung im Kloster St. Georgen.
3. Der großmütige Verzicht Scipios während des Spanienfeldzugs: Hier werden der Spanienfeldzug und die Rezeption von Scipios Großmut in der Oper sowie der Historienmalerei beleuchtet.
4. Scipios strategisches Vorgehen während der Schlacht von Zama: Das Kapitel analysiert die Schlacht von Zama sowie die politische Instrumentalisierung Scipios im Risorgimento und während des italienischen Faschismus.
5. Fazit: Die abschließende Zusammenfassung betont die dauerhafte Rolle Scipios als instrumentalisiertes Symbol für Macht und Ordnung.
Schlüsselwörter
Scipio Africanus, Zweiter Punischer Krieg, Hannibal Barkas, Schlacht von Zama, Historienmalerei, Oper, Faschismus, Risorgimento, Geschichtsschreibung, Antike, Feldherr, Instrumentalisierung, Heldenbild, Rom, Karthago.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit befasst sich mit der Rezeptionsgeschichte des römischen Feldherrn Publius Cornelius Scipio Africanus und analysiert, wie sein Bild als „Held“ über verschiedene Epochen hinweg konstruiert und instrumentalisiert wurde.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind die militärischen Leistungen Scipios im Zweiten Punischen Krieg, seine Darstellung in der Kunst und Musik sowie die ideologische Verwertung seiner Person durch politische Bewegungen wie den italienischen Faschismus.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie historische Ereignisse aus Scipios Leben rezipiert wurden und zu welchem Zweck die moderne Wahrnehmung diese Aspekte hervorgehoben hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Analyse antiker Quellen wie Livius und Polybius sowie auf eine Literaturanalyse zur modernen Rezeption in Kunst, Musik und Politik.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die militärischen Hintergründe (Schlacht von Zama, Spanienfeldzug) und die mediale beziehungsweise ideologische Aufarbeitung in Oper, Malerei und faschistischer Propaganda.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Scipio Africanus, Zweiter Punischer Krieg, Heroisierung, Rezeptionsgeschichte und politische Instrumentalisierung.
Welche Rolle spielte Scipios „großmütiger Verzicht“ in der Rezeption?
Der Verzicht auf eine weibliche Gefangene während des Spanienfeldzugs wurde als Beweis für seine moralische Überlegenheit und Mäßigung gewertet und diente als beliebtes Motiv in der Historienmalerei.
Warum nutzte der italienische Faschismus die Figur des Scipio?
Der Faschismus stilisierte Scipio zum „Retter aus dem Chaos“ und zum Symbol einer überlegenen Rasse, um den Anspruch auf ein neues imperiales Italien und die Vorherrschaft im Mittelmeerraum zu untermauern.
Was bedeutet der „Helm des Scipios“ in der italienischen Nationalhymne?
Er dient als Symbol für die Wiedererweckung italienischer Stärke und ruft dazu auf, dem heldenhaften Beispiel Scipios zu folgen, um nationale Unabhängigkeit gegenüber fremden Mächten zu erlangen.
- Citation du texte
- Lucius Müller (Auteur), 2015, Der Feldherr Publius Cornelius Scipio Africanus und die römische Geschichte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/458078